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Herausforderungen für Europa

Dr. Otto Graf Lambsdorff
Dr. Otto Graf Lambsdorff
Die Perspektiven Europas vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Aufstiegs der beiden "asiatischen Giganten" China und Indien – das war das Thema eines Vortrages, den der Vorstandsvorsitzende der FNSt, Dr. Otto Graf Lambsdorff, hielt in Washington, D.C.

Graf Lambsdorff kritisierte die in Westeuropa weit verbreitete Furcht vor Reformen: Eine "Insel-Mentalität", die auf "verwöhnter Bequemlichkeit" beharre und notwendige Liberalisierungen blockiere, gehe an den Realitäten des internationalen Wettbewerbs und insbesondere den asiatischen Herausforderungen vorbei. "Die Ironie dabei ist, dass Europa seinen way of life nur bewahren kann, wenn es Veränderung und Reform aufgeschlossen annimmt." Die wirtschaftliche Lage in den alten Mitgliedsstaaten der EU ist deprimierend: 17 Millionen Arbeitslose und ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Einige Länder, wie Dänemark, Irland, Schweden und Großbritannien hätten zumindest die richtige Richtung eingeschlagen; andere würden ohne den Druck der Globalisierung wohl kaum aus ihrem "Winterschlaf aufwachen".

Der FNSt-Vorstandsvorsitzende betonte den hohen Stellenwert, der „Ausbildung und Erziehung“ im Wettbewerb zukomme. Insbesondere Frankreich und Deutschland, die mehr als 1/3 der Wirtschaftskraft der EU ausmachen, haben in dieser Hinsicht ihre internationale Spitzenposition verloren: "Länder wie China und Indien beginnen hohe Qualifikation zu niedrigen Kosten anzubieten. Der technische Fortschritt in diesen Ländern ermöglicht ihnen, auf Märkten vorzudringen, die bisher den Industrieländern vorbehalten waren." Wenn Europa aufwache, die Herausforderungen annehme und auf "dem langen Weg der wirtschaftlichen Liberalisierung" vorangehe, dann könnten die Fortschritte in China und Indien Europa in der Tat letztlich nützen.

Die lebhafte und lange Diskussion nach Graf Lambsdorffs Vortrag zeigte das rege Interesse der zahlreichen Teilnehmer an diesem wichtigen Themenkreis.

Nico Wirtz
Friedrich-Naumann-Stiftung Washington
letzte Änderung: 12.09.2008


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