Wolfgang Gerhardt: Wohin will die Stiftung für die Freiheit?
Der Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Gerhardt MdB erläutert, warum sich die Friedrich-Naumann-Stiftung den Namenszusatz »für die Freiheit« gegeben hat und welchen Weg die Stiftung künftig gehen
Freiheit als Leitbild der Gesellschaft?Drei Jahre nach Allensbach haben wir eine ähnlich gelagerte Studie in Auftrag gegeben. Wir wollten wissen, ob der Freiheitsbegriff noch immer diffus ist und wo Ansatzpunkte zu finden sind, dagegen etwas zu tun. Sie kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Der Wert der Freiheit wird von den Menschen in Deutschland hoch angesetzt – an erster Stelle. Doch sobald den Befragten konkrete Abwägungssituationen vorgestellt werden, etwa eine Entscheidung zwischen Freiheit und Solidarität oder Wettbewerb und sozialer Absicherung, kippt das Bild.
Diese Erkenntnis wird durch die vorgenommene Clusteranalyse bestätigt. Denn zwei von drei herausgebildeten Clustergruppen, die zusammen einen Anteil von 61 Prozent an der Bevölkerung haben, zeichnen sich eher durch eine begrenzte Zustimmung zu Freiheitswerten aus. In der einen Gruppe wird nicht nur überdurchschnittlich stark auf soziale Absicherung und gesellschaftliche Solidarität gesetzt, sondern auch die Werte Leistungsbereitschaft und Wettbewerb haben keinen hohen Stellenwert. In der anderen Gruppe wird gesellschaftliche Solidarität und soziale Absicherung eingefordert, aber teilweise auch ein Staatsverständnis zum Ausdruck gebracht, das vor allem den Missbrauch von Freiheiten der Bürger verhindern soll. Eine dritte Gruppe, die einen Anteil an der Bevölkerung von 29 Prozent hat, bekennt sich dagegen überdurchschnittlich zur Stärkung der individuellen Freiheit, zu freiem Wettbewerb und zu der Aussage, dass Menschen ihre Freiheiten im Wesentlichen konstruktiv nutzen und der Staat daher lediglich die Rahmenbedingungen setzen sollte.
Anders ausgedrückt: Viele Bürger reduzieren den Bergriff der Freiheit auf Facetten wie Reisefreiheit oder Pressefreiheit oder missdeuten gar den Freiheitsbegriff als einen Rechtsanspruch auf Leben in materiellem Wohlstand. Daneben wenden sich Viele von der Freiheit ab, wenn sie befürchten, dass staatliche Leistungen verloren gehen könnten oder zukünftig gar selbst finanziert werden müssten, denn sie sehen darin fälschlicherweise eine Einschränkung ihrer Freiheit.
Ein breit angelegtes und fundiertes Freiheitsbewusstsein, das als Grundlage einer offenen und freien Gesellschaft erforderlich ist, wenn diese auf Dauer so sein soll, ist also nur bei einer Minderheit vorhanden. Möglicherweise findet die Erosion der freien Gesellschaft nur deshalb so langsam statt, weil gerade ihre Eliten noch über dieses fundierte Freiheitsbewusstsein verfügen: Besonders sind dies Bürger mit einem formal hohen Bildungsabschluss, einem hohen Nettoeinkommen und einer ausgeübten Berufstätigkeit als Angestellter oder Freiberufler/Selbstständiger. Der große liberale Vordenker scheint Recht zu haben: »Freiheit wird zum Anliegen einer Minderheit«, schreibt Ralf Dahrendorf, und »die Verteidiger der Freiheit geraten unter Beschuss.«
Freiheit braucht Engagement
Kuratorium, Vorstand und Mitarbeiter der Friedrich-Naumann-Stiftung sind überzeugt: Es wird Zeit, die Freiheit besser zu verteidigen und sie in die Offensive zu bringen. Die öffentliche Geringschätzung für den Wert der Freiheit darf nicht einen so hohen Konformitätsdruck entfalten, dass es am Ende auch noch ihre Verteidiger aufgeben, für sie einzutreten. Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst, durch Nichtgebrauch dahinschwindet (C. F. v. Weizsäcker). Schon jetzt ist es bisweilen riskant, im persönlichen Umfeld für wirtschaftliche Freiheit einzutreten – leicht setzt man sich dem platten Vorwurf aus, die Reichen reicher und die Armen ärmer zu machen. Dies gilt ebenso, wenn man für mehr Freiheit im Bildungswesen wirbt, zum Beispiel für Schulen in freier Trägerschaft. Wer fürs Recht auf informationelle Selbstbestimmung eintritt, wird schnell als einer gebrandmarkt, dem die innere Sicherheit nichts wert ist. Wettbewerb ist ein nahezu kontaminierter Begriff in Deutschland.
Viele freiheitlich denkende Menschen sind diesem Druck ihrer Umgebung ausgesetzt – doch brauchen wir gerade sie und ihren Mut, Positionen der Freiheit öffentlich und standfest zu vertreten. Dies ist der Ausgangspunkt dafür gewesen, den Namen der Friedrich-Naumann-Stiftung um den Zusatz »für die Freiheit« zu erweitern. Damit machen wir nicht mehr nur noch deutlich, in wessen (guter) Tradition, sondern auch, für welchen Wert wir heute stehen.
Zugleich ist die Umbenennung der Stiftung Auftakt für eine inhaltliche Konzentration unserer Arbeit auf den Wert der Freiheit. Dies zeigt sich an der Schwerpunktsetzung für die nächsten Jahre. Wir haben aber auch beschlossen, unsere politische Bildungsarbeit so anzulegen, dass sie eine breitere Wirkung in der Öffentlichkeit entfalten kann. Dazu werden wir verstärkt zeitgemäße Angebote im Internet präsentieren – unsere virtuelle Akademie ist in diesem Bereich schon lange in einer Vorreiterrolle. Wir werden aber auch vermehrt Veranstaltungen anbieten, die geeignet sind, mehr Menschen als bisher davon zu überzeugen, dass unsere Gesellschaft Freiheit braucht wie der Mensch die Luft zum Atmen.
Der Anfang ist bereits gemacht mit dem Freiheitspreis, der im Herbst 2006 erstmals an Hans-Dietrich Genscher verliehen wurde, der erste Freiheitskongress fand im Oktober in Berlin statt, für die erste Rede zur Freiheit konnte Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio im April gewonnen werden. In der in Gründung befindlichen Freiheitsgesellschaft versammeln wir Persönlichkeiten aus der ganzen Bundesrepublik unter dem Dach der Stiftung: Sympathisanten, Freunde, Menschen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens – eine Neuauflage des urliberalen Netzwerks. Wir laden Autoren der Freiheit ein, Texte zu aktuellen Freiheitsthemen zu verfassen und werden besonders markante Veröffentlichungen dazu sammeln und wiederveröffentlichen.
Wir werden Forschungs- und Bildungsarbeit enger verknüpfen. So ist die Stiftung an der Erstellung der Studie »Economic Freedom of the World« beteiligt, die nicht nur einen hervorragenden Überblick über den Status der wirtschaftlichen Freiheit weltweit gibt, sondern auch beweist, dass wirtschaftliche Freiheit – egal wo auf diesem Globus – nicht zu sozialer Ungerechtigkeit, sondern zu mehr Wohlstand, Gesundheit und Bildung für alle führt – und nicht zuletzt zu mehr Frieden.
Wir geben den Menschen Argumente für die Freiheit an die Hand, damit sie sich besser als bisher gegen diejenigen zur Wehr setzen können, die sich zwar Freiheit auf die Fahne schreiben, aber das Gegenteil bezwecken: Staatliche Überwachung und Patronage, Einmischung ins Private, Bevormundung und Gängelung. Wir stehen für das Recht auf Chancen, das Recht auf Zukunft, das Recht auf Wahlmöglichkeiten, das Recht auf Privatheit im täglichen Leben, am Arbeitsplatz, in den sozialen Sicherungssystemen und bei der privaten Vorsorge. Unsere Botschaft ist: Vertrauen in die Freiheit! Keine Angst vor den Freiheitspotentialen!
Eine Botschaft, die mehr denn je mit Überzeugungskraft vertreten werden muss, von jedem, der den Wert der Freiheit kennt und schätzt. Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und helfen Sie der Stiftung für die Freiheit dabei. Mit Ihrem Engagement.





