Barthold C. Witte: Günter Grass – und kein Ende?
Eben das kennzeichnet die antibürgerlichen Einmischungen des Günter Grass. Erinnert sei an seine bis heute ständig wiederholten Behauptungen über die Bundesrepublik Deutschland vor Willy Brandt, sie sei ein Hort der Reaktion, gar des kaum verhüllten Faschismus gewesen. Dass seit 1959 die »Blechtrommel« und alle folgenden Werke in eben dieser Republik erschienen, unzensiert natürlich und sämtlich große Erfolge wurden, wird dabei ausgeblendet: Das Feindbild geriete sonst ins Zwielicht. Und noch eine Merkwürdigkeit: Derselbe Grass, der in seinen Romanen immer erneut die deutsche Geschichte und Gegenwart kritisch-liebevoll beschwört, lehnte schon Anfang der siebziger Jahre die Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands vehement ab. Seine damalige Idee, eine von beiden deutschen Staaten getragene Nationalstiftung zu schaffen – von Willy Brandt übernommen, an den Realitäten und vor allem an der spalterischen DDR gescheitert –, verstand er ausdrücklich als eine Alternative zur Wiedervereinigung, nämlich als Rückkehr zur deutschen Kulturnation, wie sie vor 1871 bestand, mithin ohne gesamtdeutschen Staat. Welches Glück für uns, dass er damit scheiterte! Mag er denn heute immer noch grämliche Vorbehalte gegen den deutschen Nationalstaat kundtun.War und ist diese unpolitische, unhistorische, undemokratische Haltung nun besonders moralisch? Die Antwort ergibt sich von selbst.





