Cornelia Schmalz-Jacobsen: Hugo Preuß - Zur Aktualität eines »liberalen Klassikers«
Am weitesten fortgeschritten sah Preuß übrigens die Selbstverwaltung in der angelsächsischen Welt, in der »anglican liberty«, wie er ausgerechnet in seinem Zentenaraufsatz zur Großen Revolution in Frankreich erklärte. Dies unterstreicht die kosmopolitische Seite des Preußchen Patriotismus. Schon vor 120 Jahren rief er dazu auf, dass die Europäer ihre Gemeinsamkeiten nicht vergessen sollten, was wiederum sehr modern klingt. Zu diesen Gemeinsamkeiten gehörten für ihn die Ideen von 1789, ohne die beispielsweise die Steinschen Reformen nicht denkbar gewesen wären. Wenn man so will, hat Preuß hier Ansätze für eine »Theorie der westlichen Werte« geliefert.Ich glaube also, dass schon dieser Band viele Schätze zum (Wieder-)Entdecken bietet. Ich danke den Bearbeitern und Herausgebern bereits jetzt für ihre Mühen und wünsche ihnen, dass ihr Eifer und ihr Engagement für das Werk von Hugo Preuß auch bei den folgenden Bänden anhalten mögen. Mit besonderer Spannung blicke ich auf den Band, der sich hauptsächlich mit der Selbstverwaltung befassen wird. Denn das ist ein Thema, das unsere Stiftung und viele Liberale im Lande umtreibt, auch wenn, vermutlich auch gerade weil der deutsche Liberalismus immer zuerst in seiner bundespolitischen Bedeutung wahrgenommen wird. Inzwischen haben wir Liberalen uns aber wieder stärker auf den Grundsatz von Hugo Preuß zurückbesonnen, den er in seiner Abhandlung über das deutsche Städtewesen als Quintessenz der Steinschen Städteordnung präsentierte, dass nämlich »die freie Gemeinde die Grundlage des freien Staates ist«. Theodor Heuss hat dieses Zitat übrigens aufgegriffen und – mitunter leicht abgewandelt – gern verwendet. Insofern können wir viel noch von Hugo Preuß für unsere politischen Bewertungen und gegenwärtigen Diskussionen lernen.
Anmerkung zum Titel: Grußwort bei der Vorstellung des Buches Hugo Preuß: Gesammelte Schriften. Bd. 1: Politik und Gesellschaft im Kaiserreich. Tübingen: Mohr-Siebeck 2007, dessen Rezension in ›liberal‹ folgen wird.





