Harry Wu zu Gast im Truman-Haus

Harry Wu präsentiert Dr. Detmar Doering Fotos aus dem Laogai Als 20-Jähriger wurde der chinesische Dissident Harry Wu in der Volksrepublik China verhaftet. 19 Jahre hat er danach im chinesischen Gegenstück zum sowjetischen Archipel Gulag, dem sogenannten Laogai verbracht. Nach der Ausreise in die USA hat es sich Wu zur Lebensaufgabe gemacht, die Öffentlichkeit über die Existenz des Laogais zu informieren. Ende Juli 2005 war er Gast der Friedrich-Naumann-Stiftung in Potsdam, wo er vor Mitarbeitern der Stiftung über das Lagogai einen aufrüttelnden Vortrag hielt und eindrucksvolles Bildmaterial aus den Lagern präsentierte.
Wu unterstrich, dass mit dem Laogai jeder auch im Ausland in Berührung kommen könne. Schließlich müsse sich das System der Gefangenenlager in China entsprechend den Vorgaben der Partei- und Staatsführung selbst unterhalten. Chinas Gefängnisse seien daher immer auch zugleich Fabriken und Zwangsarbeitslager. Von Plastikgegenständen über Rohstoffe bis zu Metallwaren und Spielzeug werde dort alles Erdenkliche produziert, auch für den Export. Ein besonderes düsteres Kapitel sei dabei der Organhandel, wobei Wu einen Zusammenhang zwischen der extrem hohen Zahl der Hinrichtungen in der Volksrepublik China und den Geschäften mit menschlichen Körperteilen sah.
Wu vermutete, dass hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen Chinesen Teil des Laogai-Systems sind. Dessen Dimensionen und Einzelheiten würden allerdings von der chinesischen Führung strikt geheim gehalten. Im Ausland gebe es wenig Wissen über und wenig Interesse am Laogai. Wu plädierte auf Nachfrage der Mitarbeiter der FNSt dafür, hochrangige Besucher aus der Volksrepublik China immer wieder nach dem Laogai zu fragen. Zudem könne man wenigstens die chinesische Führung drängen, auf die öffentliche Durchführung von Hinrichtungen, die eine verheerende Wirkung auf die Bevölkerung hätten, zu verzichten.

Die Teilnehmer des Gesprächs im Kaminzimmer des Truman-Hauses Allzu großen Optimismus über die Wirkung solcher Forderungen hatte Wu allerdings nicht. Vor allem würden die Geschäftssperspektiven für Unternehmen aus dem Ausland so günstig beurteilt, dass man kaum mit Vorbehalten aus der Wirtschaft gegenüber der Menschenrechtspolitik der Staatsführung rechnen könne. Und die Politiker, namentlich auch in Deutschland, machten sich rasch zum Anwalt solcher wirtschaftlicher Interessen. Dabei wüchsen die Widersprüche in China. Das Land sei keineswegs so stabil wie es sich nach außen hin präsentiere. Ob das Ergebnis allerdings eine Demokratie nach westlichen Vorstellungen sein werde, wurde von Wu bezweifelt. Es sei selbst gegenüber Chinesen nicht einfach, das Laogai und den Machtmissbrauch der chinesischen KP-Führung zur Sprache zu bringen. Zu viele Chinesen hätten sich vom steigenden Wohlstand einwickeln lassen, zu viele betrachteten auch jede Kritik an der Staatsführung als unpatriotisch. Gleichwohl werde sich die chinesische Gesellschaft eines Tages mit den Verbrechen der letzten Jahrzehnte auseinandersetzen müssen.
Weitere Einzelheiten über die Arbeit von Harry Wu und der von ihm geleiteten "Laogai Research Foundation" finden sich auf der Website www.laogai.org
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Rainer Erkens
Liberales Institut





