Hamburg: Der G8-Gipfel aus kanadischer Perspektive

Dr. Petra Beckmann-Schulz, Dr. Martje Postma, Prof. Dr. Andrew F. Cooper, Gesandter-Botschaftsrat Roman Waschuk, Konsul Michael Scott-Harston, Christiane Thörl Wenige Wochen vor dem G8-Treffen hatte die Stiftung für die Freiheit in Hamburg gemeinsam mit der kanadischen Botschaft Berlin zu einer Diskussion über „Multilateralism and the G8 Summit in Heiligendamm from a Canadian Perspective“* eingeladen. Referent war Prof. Dr. Andrew F. Cooper, Distinguished Fellow und Associate Director des Centre for International Governance Innovation (CIGI) in Waterloo/Kanada.
CIGI ist ein international renommierter Think tank, der seit 2002/03 existiert und von ehemals fünf auf mittlerweile 70 Mitarbeiter angewachsen ist. Prof. Cooper lehrt an der University of Waterloo und hat sich u. a. auf vergleichende und kanadische Außenpolitik sowie auf Global-Governance-Fragen spezialisiert.

Dr. Beckmann-Schulz, Prof. Cooper, Dr. Postma Die G8 sind als G5 vor über 30 Jahren entstanden, zu einer Zeit als man noch weit davon entfernt war, etwa von Globalisierung zu sprechen; und zu einer Zeit, als man recht deutlich die relativ wenigen demokratischen, industrialisierten Staaten, die das weltwirtschaftliche Geschehen bestimmten, benennen konnte. Prof. Cooper erläuterte, warum mittlerweile eine Menge Gründe für die Notwendigkeit einer Reform im Sinne einer Erweiterung, ggf. nach dem Modell der G20 (Finanzminister-Treffen) sprechen: So binde die Globalisierung Staaten heute viel enger aneinander als z.B. noch vor 20 Jahren; es gebe Schwellenländer und sich entwickelnde Staaten, die hinsichtlich der Kategorien Demokratiefähigkeit und/oder Wirtschaftskraft Einiges vorweisen können. Die Eingliederung ein Gremium wie die jetzige G8 könne zu einem positiven Sozialisationseffekt im Hinblick auf die Demokratisierung bei einzelnen Ländern führen – dies war im Übrigen auch schon ein Argument, als Russland Mitglied wurde. Auch wenn bei diesem Mitglied hinsichtlich der Ergebnisse gestritten würde, sei es grundsätzlich sinnvoll, Türen zu öffnen, um Mitglieder einzubinden und die Kommunikation mit ihnen auf eine dauerhafte Basis zu stellen.
Diverse Detail- und Grundsatzfragen wurden angesprochen und diskutiert:
Sollen „Demokratische Entwicklung“ und „Wirtschaftspotenzial“ als gleichberechtigte Kategorien gelten, wenn man daran geht, neue Staaten aufzunehmen oder sollte man dem Faktor Demokratie den Vorzug geben? Hier zeigte sich in der Diskussion, dass das o. g. Sozialisations- und Kommunikationsargument auch bei dieser Fragen als ausschlaggebend anzusehen ist.
Lenken Überlegungen nach Reformen nicht von den eigentlichen, vor allem ökonomischen Problemen und Herausforderungen ab, die die G8 zu besprechen haben („debate club“, „talk shop“)? Inhaltliche und grundsätzliche Fragen der „Architektur“ der jetzigen G8 schließen einander nicht aus, sondern werden schon lange parallel diskutiert.
Der Referent erläuterte, dass Kanada vor einigen Jahren diese Fragen nach der Zukunft der G8 gestellt hatte, dann aber zu einem „Back-to-the-basics“-Ansatz, zu zentralen ökonomischen Fragen, zurückgekehrt ist. Deutschland hat, so führte er aus, genau den entgegen gesetzten Weg eingeschlagen: von ehemals streng ökonomischen Aspekten jetzt zu Fragen von Global Governance. Gerade für den anstehenden Gipfel hätte Deutschland sich hohe Ziele gesetzt.
Die Teilnehmer zeigten ein beachtliches Niveau und trugen durch ihre Fragen und Kommentare dazu bei, dass die Veranstaltungszeit intensiv genutzt wurde; es blieben noch genügend Aspekte für eine weitere Diskussion.
Prof. Cooper erläuterte abschließend, inwiefern gerade ein informeller Gipfel eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat: Es ist eben kein Ausschussgremium, sondern Regierungschefs kommen persönlich, befinden sich in vergleichsweise abgeschlossener und ungezwungener Umgebung und können auch auf persönlicher Ebene über gemeinsame und weltweite Probleme sprechen. Insgesamt wurde deutlich, welche Bedeutung dem aktuellen G8-Gipfel zukommt und warum eine Öffnung der Gruppe angestrebt und realisiert werden sollte.
Dr. Petra Beckmann-Schulz
26.4.2007
* Die gesamte Veranstaltung wurde auf Englisch durchgeführt; als Konsekutivdolmetscherin für eventuelle Fragen auf Deutsch hatte sich Dr. Martje Postma zur Verfügung gestellt.





