Go to Franklin!

Prof. Dr. Hermann Wellenreuther Unter diesem Titel fand im Truman-Haus der Friedrich Naumann Stiftung die 4. Truman-Lecture statt. Die Reihe, die sich historischen und aktuellen Themen mit Bezug auf Amerika widmet, nahm den 300. Geburtstag Benjamin Franklins zum Anlass, sich mit ihm, einem der Gründerväter der USA, zu beschäftigen.
In seinem Vortrag "Benjamin Franklin und die amerikanische Revolution" gelang es Prof. Dr. Hermann Wellenreuther, Inhaber des Lehrstuhls für deutsche, britische, amerikanische und atlantische Geschichte der Frühen Neuzeit an der Georg-August-Universität Göttingen, aus historischer Sicht auf die amerikanische Revolution einen Bogen zur aktuellen Politik der USA zu spannen. Amerikanische Präsidenten beziehen sich in ihren Antrittsreden explizit auf die Unabhängigkeitserklärung und die amerikanische Revolution als zentralem Bezugspunkt zur Werteschöpfung und zur Selbstdefinition ihrer Nation.
Bis 1775 hoffte Franklin auf eine Beilegung des Konfliktes mit England. Eine Parlamentssitzung in London änderte seine Meinung jäh. Ihm war klar, dass Freiheit, wie er sie sich für die Zukunft vorstellte, nur durch die politische, wirtschaftliche und ideologische Unabhängigkeit der Kolonien vom Mutterland England zu erreichen sei.
Angesichts der Bedrohung durch England gründeten die Amerikaner Assoziationen, die über die Sicherheit des neuen politischen Gebildes wachten und vor denen jeder Einwohner seine absolute Loyalität gegenüber dessen Werteordnung erklären musste. Wer nicht bedingungslos dafür war, war Feind. Er wurde seiner Grundrechte, allen voran dem Recht auf freie Meinungsäußerung, beraubt und durfte sogar eliminiert werden. "United we stand", rückhaltlose Unterstützung, keine Kritik zu üben, wurde in Zeiten politischer Krisen gefordert.

Dr. h.c. Rolf Berndt und Prof. Dr. Hermann Wellenreuther Vieles, was uns heute an der amerikanischen Politik unverständlich erscheint, habe in dieser Haltung seinen Ursprung, so Wellenreuther. Hierin erklärt sich, warum sich amerikanische Bürger um ihren Präsidenten scharen, solange die Nation sich in ihrer Existenz bedroht fühlt. Schwindet die Gefahr, wird Kritik und Aufklärung eingeklagt.
Benjamin Franklin ist heute in den USA wieder zu einer Leitfigur geworden. Der Individualist, liberale Freigeist und Revolutionär war in seinem Denken radikal und brauchte dennoch keine revolutionäre Ideologie. Für Politiker und deren Umgang untereinander könnte er heute beispielgebend sein als ein Mann der leisen Töne, der aus dem Hintergrund agierte und dessen oberstes Interesse der politischen Umgestaltung der Realität und dem Wohl der Gemeinschaft galt.
Verfasserin: C. Cohen-Friedlaender





