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Globalisierung – Chancen für weltweite Entwicklung

v.l.: Dr. Otto Graf Lambsdorff, Joachim Stamp, Dr. Richard Herzinger
v.l.: Dr. Otto Graf Lambsdorff, Joachim Stamp, Dr. Richard Herzinger
Experten aus Politik, Wissenschaft und der entwicklungspolitischen Praxis diskutierten über Konzepte zukünftiger Entwicklung, zeigten Irrwege und Chancen der Entwicklungspolitik auf und hinterfragten kritisch das Konzept der nachhaltigen Entwicklung und die Rolle von Internationalem Währungsfond und Weltbank. Zentraler Diskussionspunkt war der Beitrag des Stiftungsvorsitzenden Dr. Otto Graf Lambsdorff zum Thema Menschenrechte und Marktwirtschaft.

Am Eröffnungsabend ging der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagfraktion Markus Löning in seinem Beitrag "Gibt es eine liberale Entwicklungspolitik?" mit der klassischen Entwicklungspolitik der Industriestaaten ins Gericht, die bisher nur begrenzte Erfolge hervorgebracht hat. Die weltweite Politik der Nachhaltigkeit wird nach der Auffassung des liberalen Bundestagsabgeordneten oft auf dem Rücken der Ärmsten ausgetragen.

Professor Ashok V. Desai, Herausgeber des Telegraph aus Neu Dehli, Berater der indischen Regierung verdeutlichte an konkreten Beispielen die Kosten und Probleme ökonomischer Entwicklung.

Angeregte Diskussion nach den Vorträgen
Angeregte Diskussion nach den Vorträgen
Am Folgetag bestimmten vier Diskussionsrunden die Tagung. Irrwege und Chancen der Entwicklungspolitik wurden von Rainer Erkens, Leiter des Regionalbüros Afrika der Friedrich-Naumann-Stiftung, am Beispiel Afrikas dargestellt. In seinem Beitrag, kam er zu dem Ergebnis, dass „good governance“, d.h. eine funktionierenden Verwaltung und Gesetzgebung, in Verbindung mit marktwirtschaftlichen Konzepten auch in Afrika mehr Wohlstand und soziale Teilhabe ermöglichen würde. Professor Ulrich Wurzel, Volkswirt an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, führte aus, dass Entwicklung häufig an Korruption und den herrschenden Eliten scheitere. Erfolgreicher internationaler Wettbewerb ist nur mit strukturellen Reformen gegen die herrschenden Patronagen in den Entwicklungsländern möglich, funktionierende Verwaltungen und Rechtssicherheit sind die Grundvoraussetzungen für Entwicklung fördernde Investitionen.

"Menschenrechte und Marktwirtschaft – ein Widerspruch?" war das Thema der Vorstandsvorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung, Dr. Otto Graf Lambsdorff. Menschenrechte und Marktwirtschaft bedingen einander. „Marktteilnehmer treten miteinander in Wettbewerb, gehen dabei Risiken ein, können aber gleichzeitig von ihrer Arbeit und ihrem Wissen profitieren. Unternehmergeist und Leistungsbereitschaft als Grundlagen des Wohlstandes werden durch positive Anreize befördert.
Menschen dagegen, deren körperliche Unversehrtheit, deren Freiheit und deren Eigentum nicht geschützt sind, werden sehr viele Ressourcen zu deren Schutz und nicht für eine produktive Tätigkeit verwenden. Das ist ein Zustand, den wir heute in vielen Entwicklungsländern vorfinden. Menschen, deren Rechte nicht geschützt sind, werden in vielen Fällen überhaupt von eigener Initiative abgehalten. Der Rechtsstaat ist also essentiell für die Entwicklung eines Landes.“ Dr. Richard Herzinger, Weltwoche Zürich, kommentierte Lambsdorffs Ausführungen und übte Kritik an der Zurückhaltung vieler Politiker in der Kritik von Menschenrechtsverletzungen in Dritt-Welt-Ländern. Lambsdorff bekräftigte diese Kritik, es sei Aufgabe der Politik Menschenrechtsverletzungen anzuprangern. Die Erfahrung zeige, dass dies keine langfristigen Auswirkungen auf Wirtschaftsbeziehungen habe.

Professor Wilfred Beckerman
Professor Wilfred Beckerman
Nachhaltige Entwicklung, Schlagwort in der aktuellen Diskussion, nahm Professor Wilfred Beckerman Emeritus Fellow des Balliol College, Oxford, England, in seinem Beitrag Substainable Development or Economic Growth kritisch unter die Lupe. Dem Problem zu Ende gehender Ressourcen könne man am besten mit marktwirtschaftlichen Instrumenten begegnen, die über Marktpreise Wirkung entfalten und nicht mit den Modellen der Epigonen des Club of Rome. Bürokratische und protektionistische Lösungen unter dem Vorwand der Nachhaltigkeit führen dazu, dass individuelle Freiheit und Demokratie, die Garanten der Lösung künftiger Herausforderungen, immer weiter eingeschränkt werden. Besonders hart geht Beckerman mit dem Konzept der Generationengerechtigkeit ins Gericht. Der Wohlstand der Menschen ist bis heute gestiegen und dieser Wohlstand ist Grundlage einer stabilen und lebenswerten Welt künftiger Generationen.

Dr. Andreas Renner vom Institut für Organisationskommunikation, Bensheim, vertrat hingegen das Konzept der nachhaltigen Entwicklung, da dadurch die langfristige Stabilität und Entwicklung der Entwicklungsländer gesichert werden kann.

Das letzte Diskussionsforum befasste sich mit den Bretton Wood Institutionen Internationaler Währungsfond (IWF) und Weltbank. Der vormalige Vizepräsident für Europa der Weltbank und jetzige Berater der britischen Regierung als Vorsitzender des Human Development Policy Department for International Development, London, Dr. Hans-Martin Böhmer, erläuterte die Funktionen des IWF als kurzfristiger Krisenmanager und der Weltbank als langfristiger Entwickler. Beide Institutionen seien für die Entwicklung notwendig. Wenn es sie nicht gäbe, wäre es höchste Zeit sie zu erfinden.

v.l.: Mohammed Nosseir, Patrick Welter, Barbie Haller, Dr. Hans-Martin Böhmer
v.l.: Mohammed Nosseir, Patrick Welter, Barbie Haller, Dr. Hans-Martin Böhmer
Patrick Welter, Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hingegen sprach sich in 15 Thesen für eine grundlegende Reform, wenn nicht gar für die Abschaffung, von IWF und Weltbank aus. Böhmer räumte in der Diskussion ein, dass der Einfluss der Politik, vor allem der „G8-Staaten“ in Vergangenheit und Gegenwart teilweise größer war, als es Sachentscheidungen gut tat. Dieser Einfluss beträfe aber nur wenige spektakuläre Fälle, mehrheitlich stünden Sachfragen im Vordergrund. Der Kritik an den Auflagen von IWF und Weltbank begegnete er mit dem Hinweis, dass keins der Länder gezwungen werde die Kredite in Anspruch zu nehmen. Mohammed Nosseir aus Ägypten präsentierte einen arabischen Blick auf beide Institutionen. Er kritisierte sowohl IWF und Weltbank für ihr mangelndes Eingehen auf regionale Gegebenheiten als auch die Regierungen in den Ländern selbst, die beide Institutionen immer wieder als Prügelknaben für eigenes Versagen missbrauchen.
Die mehr als 120 Teilnehmer des Kongresses führten im Plenum und in Einzelgesprächen intensive Diskussionen und waren mehrheitlich der Auffassung neue Erkenntnisse gewonnen zu haben und die Globalisierung aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Rede Dr. Otto Graf Lambsdorff
Rede Rainer Erkens, Regionalbüro Afrika
Rede Professor Wilfred Beckerman
Rede Patrick Welter
letzte Änderung: 16.10.2008


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