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Liberales Symposium Mainz zur Globalen Finanzkrise

Voscherau, Walter, Fritz, Brüderle
Voscherau, Walter, Fritz, Brüderle
Aktueller hätte das Thema beim diesjährigen Liberalen Symposium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Rheinland-Pfalz nicht sein können. Die „Globale Finanzkrise“ die in den letzten Wochen die internationalen Märkte aus den Fugen hob, stand im Mittelpunkt einer hochkarätigen Expertendiskussion im Leibniz-Saal des Mainzer Schlosses.

Justizminister a.D. Herbert Mertin MdL bedauerte in seiner Einführung vor allem den schweren Vertrauensverlust in die soziale Marktwirtschaft. Unter der kompetenten Gesprächsführung der Wirtschaftsjournalistin Sabrina Fritz, Leiterin der Redaktion Wirtschaft und Soziales beim SWR Fernsehen, bewerteten der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion Rainer Brüderle MdB, der Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie e.V. und frühere Vorstand der BASF, Eggert Vorscherau und der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Gruppe Prof. Norbert Walter die internationalen Verwerfungen und deren Folgen.

Rainer Brüderle hielt „politisch die Luft an“, weil die Konsequenzen von langer Dauer sein würden und die Gegner der sozialen Marktwirtschaft jetzt Aufwind bekämen. Aber nicht die soziale Marktwirtschaft sei das falsche System, vielmehr habe zuallererst die amerikanische Bankenaufsicht vollständig versagt. Eggert Voscherau sah das Versagen auch bei Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsgremien.
30-jährige verzocken Milliarden und wenn das Risiko überproportional wachse, sollen andere die Quittung übernehmen, sagte er.

Gier sei nicht nur das Privileg junger Leute in den Banken, die Kunden seien genauso gierig und sprängen auf noch so dubiose Züge auf, entgegnete Professor Walter. Die Systeme seien so hochkomplex, dass sie viele Mitarbeiter im Finanzgewerbe und Kunden nicht mehr durchschauen könnten. Um den „Saustall des Finanzgewerbes“ aufzuräumen, müssten andere Besoldungssysteme mit Anreizen, die nicht an das Volumen von Transaktionen gekoppelt sind, und international ausreichende Strukturen der Selbstkontrolle gefunden werden. Auch wenn „die Kernschmelze im Finanzmarkt“ jetzt durch die US-Regierung aufgefangen werden soll, sei die Strukturfrage nicht gelöst.

Übereinstimmend wurde der Mangel an verantwortungsvollen Führungskräften beklagt. „Ich kenne sehr viele intelligente und smarte, aber sehr wenig kluge Menschen“, sagte Walter. Eggert Voscherau sah hierfür die Ursache in unserem Bildungssystem, weil es keine Persönlichkeitsbildung zulasse. „Heute sind alle uniform. Der Biss ist nicht mehr da. “ Ob Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, hänge ausschließlich davon ab, wie wir Wissen in Innovation und Innovation in Wohlstand verwandeln würden.

Regionalbüro Wiesbaden

Foto: Hennig Paul Fox, Mainz
letzte Änderung: 23.10.2008


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