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"Gälfiäßler" und "Sauschwob" schenken sich nichts

(Schwäbische Zeitung, 4. Dezember 2007)

Wolfgang Miessmer ("Gälfiäßler") und Sven-Erik Sonntag ("Sauschwob"). Foto: Helmut Krissler
Wolfgang Miessmer ("Gälfiäßler") und Sven-Erik Sonntag ("Sauschwob"). Foto: Helmut Krissler
FRIEDRICHSHAFEN (hkr).

Amüsanten Geschichtsunterricht und Landeskunde haben das Liberale Forum Bodensee-Oberschwaben und die Reinhold-Maier-Stiftung im Graf-Zeppelin-Haus präsentiert. Wolfgang Miessmer ("Gälfiäßler") und Sven-Erik Sonntag ("Sauschwob") zeigten einen gut gelaunten Schlagabtausch zwischen Badenern und Württembergern.

Alfred Eger, Leiter des Liberalen Forums Bodensee-Oberschwaben, hatte im proppenvollen Claude-Dornier-Zimmer des Graf-Zeppelin-Hauses nicht zu viel versprochen, als er einen Geschichtsunterricht der besonderen Art ankündigte. Das "mundartige, musikalische Hass-Liebe-Programm" von Wolfgang Miessmer aus dem Schuttertal und Sven-Erik Sonntag aus Pfullingen war unterhaltsam und informativ zugleich. Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg Badener und Württemberger zum Südweststaat zusammenfanden, war dies keine Liebesheirat.

Auf badischer Seite stand der streitbare Leo Wohlleb, oft als "Hinterwäldler" tituliert, sein Gegenüber war der knitze Reinhold Maier, liberales schwäbisches Urgestein und später erster Ministerpräsident des neuen Landes Baden-Württemberg. Bei einer Abstimmung 1952 wurde dafür gestimmt, in Südbaden waren jedoch 63 Prozent dagegen. Ein Wahlplakat verkündete damals: "Durch Baden wird man erst gesund." Die speziellen Befindlichkeiten der beiden Volksgruppen sind auch heute noch nach Jahrzehnten spürbar. "Die Badener mögen eben die Badener und die Schwaben die Schwaben", sagten die Kabarettisten verschmitzt. Mit Wortwitz und lässiger Eleganz verkaufte der allefänzige "Gälfiäßler" seinen Standpunkt, furztrocken konterte der wunderfitzige "Sauschwob" und blieb keine Antwort schuldig.

Beide schöpften aus einem schier unerschöpflichen Fundus an Neckereien, Liedern und Anekdoten. Oft betrachteten die Württemberger ihre Landsleute als "nonchalante Westfranzosen" oder ignorierten sie einfach, was die "Gälfiäßler" besonders aufrege. Wolfgang Miessmer mit seiner Knopf-Harmonika intonierte stolz das Badner-Lied, das Württemberger Lied entstamme dagegen einer Räuberballade aus dem 18. Jahrhundert. Und ironisch fügte der "Gälfiäßler" hinzu, "die Schwaben fühlen sich nur wohl, wenn sie sich nicht wohlfühlen…".

Mittlerweile fühlen sich Badener und Württemberger im bundesdeutschen "Musterländle" gemeinsam wohl, das ist wenigstens zu hoffen. Speziell in der internationalen Bodenseeregion gebe es auch viele Gemeinsamkeiten. So werde hier, in Südbaden, aber auch in Vorarlberg, der Ostschweiz und dem Elsass alemannisch gesprochen. Und von hier, nämlich in Konstanz, sei einst auch die Revolution 1848 ausgegangen.

Für den "Gälfiäßler" war es natürlich eine Ehrensache, den traditionellen Heckerhut auch im Graf-Zeppelin-Haus zu tragen. Friedrich Hecker war der Anführer der Revolution und musste später in die Schweiz und nach Amerika fliehen, wo er begeistert gefeiert wurde. Eine Lanze brachen die Kabarettisten auch für die Mundart. Der badische Nationaldichter Johann Peter Hebel habe mit seiner gemütstiefen alemannischen Sprache die deutsche Literatur bereichert. Selbst der große Goethe schrieb: "Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem."

letzte Änderung: 17.11.2009


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