Frühkindliche Bildung im internationalen Vergleich

Frühkindliche Bildung - ein Zukunftsthema der Politik Frühkindliche Bildung – ein Thema, dessen Bedeutung in der bildungspolitischen Diskussion lange vernachlässigt wurde. Gerade die frühe Kindheit ist jener Lebensabschnitt, in dem die Lernfähigkeit am größten ist, und die wesentlichen Weichenstellungen für den weiteren Bildungsweg gestellt werden. Das Liberale Institut hatte deshalb internationale Experten der frühkindlichen Bildung zu einem eintägigen Kolloquium nach Potsdam eingeladen.

Maria Mickelin Maria Mickelin und Kristina Lundin stellten das vorbildliche Bildungsgutscheinsystem der Gemeine Nacka in der Nähe Stockholms vor. Schon 1985 wurde dort ein umfangreiches Gutscheinsystem eingeführt, so dass langjährige Erfahrungen vorliegen. Der Gutschein bietet Freiheit: Er gilt sowohl für private als auch öffentliche Vorschulen, Kindertageseinrichtungen und Tagesbetreuungen. Vor allem wurden die Bereitstellung der Kinderbetreuung und die Finanzierung voneinander getrennt. Verantwortung und Entscheidungskompetenz wurden dezentral an die ausführenden Institutionen delegiert. Natürlich wurde auch der Erfolg und die Akzeptanz des Gutscheinsystems in der frühkindlichen Bildung evaluiert: Über 90 Prozent der befragten Eltern waren mit dem System vollständig zufrieden.

Prof. Dr. Jay Belsky Prof. Dr. Jay Belsky, Direktor des Institute for the Study of Children, Families and Social Issues an der Birkbeck University of London, referierte über die “NICHD Study of Early Child Care and Youth Development”. Die Studie ist die umfangreichste empirische Längsschnittstudie in der frühkindlichen Bildung und wird insgesamt geschätzte 150 Mio. Dollar kosten. Bisher angenommene Effekte der Kinderbetreuung werden von der Studie in Frage gestellt. So stellte sich heraus, dass sich die Quantität der Kinderbetreuung eher negativ auf die spätere Entwicklung auswirke, während Familienfaktoren einen dominanten Einfluss haben. Auch die Zusammensetzung der Betreuungsgruppen beeinflusst die spätere Entwicklung maßgeblich. Zwischen Jungen und Mädchen sind zudem keine Unterschiede zu verzeichnen.

Dr. Liisa Heinämäki Dr. Liisa Heinämäki vom finnischen National Research and Development Centre for Welfare and Health stellte die frühkindliche Bildung in Finnland vor. Alle Kinder unterhalb des Schulalters haben einen Anspruch auf Betreuung. 50 Prozent der Kinder werden in Kindergärten, Vorschulen und Kindertageseinrichtungen betreut, die andere Hälfte wird innerhalb der Familie betreut. Einerseits werden den Institutionen und Anbietern große Freiräume gelassen, andererseits wird durch die Notwendigkeit, dass Kommunen ihre Dienstleistungen nun für mindestens 20.000 Einwohner organisieren müssen, eine komplette Neustrukturierung in vielen kleineren Kommunen erzwungen. Finnland legt großen Wert auf multi-disziplinär ausgerichtetes Personal. Ein Drittel der Erzieher muss einen Bachelor oder einen Master haben. Für jedes Kind muss ein individueller Bildungs- und Entwicklungsplan aufgestellt werden.

Patricia Morgan Patricia Morgan, Wissenschaftlerin an der School of Humanities der Buckingham University, veranschaulichte den negativen Einfluss staatlicher Steuer- und Sozialsysteme auf die Familienstruktur anhand von Daten aus Großbritannien. Zunehmend werden mehr Kinder in Familien mit den niedrigsten Einkommen geboren. Hatte sich die Kinderarmut 1965 nur mit 15 Prozent auf allein erziehende Väter und Mütter verteilt, waren es 1998 schon 34 Prozent. Die bestehenden Systeme fördern allein erziehende Mütter und Väter und reduzieren die Anreize, zu heiraten. Eine allein erziehende Mutter mit zwei Kindern unter elf Jahren, die 16 Stunden pro Woche zum Mindestlohn arbeitet, verdient ein Nettoeinkommen von 487 Pfund pro Woche, vor allem durch Sozialtransfers. Um das gleiche Wocheneinkommen zu erzielen, muss eine Familie mit zwei Eltern insgesamt 116 Stunden pro Woche arbeiten.
Die präsentierten internationalen Ansätze unterstützen die Forderung, den Eltern möglichst viel Wahlfreiheit im Bildungsangebot zur Verfügung zu stellen. Der Wettbewerb der Bildungsträger hat sich auch in der frühkindlichen Bildung besser als das staatliche Monopol erwiesen. Deutschland liegt beim Wettbewerb in der frühkindlichen Bildung noch weit zurück. Andere Länder wie z.B. Finnland oder Schweden haben damit gute Erfahrungen gemacht. Peter Altmiks, Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Alle Vorträge werden im Herbst 2007 vom Liberalen Institut publiziert und sind bei Janett Engel (E-Mail: janett.engel@fnst-freiheit.org oder telefonisch unter 0331-7019-210) kostenfrei erhältlich.
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