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Paulskirche Frankfurt: Necla Kelek erhält Freiheitspreis

Necla Kelek erhält den Freiheitspreis aus den Händen von...
Necla Kelek erhält den Freiheitspreis aus den Händen von...
Die Soziologin Necla Kelek hat in der Frankfurter Paulskirche den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit erhalten. "Uns war klar, dass diese unsere Wahl nicht ohne Widerspruch bleiben würde; dass es Menschen geben würde, die mit den Thesen von Frau Kelek nicht übereinstimmen oder sich sogar provoziert fühlen", sagte die Vorsitzende der Jury, Karen Horn. "Wir ersuchen all die, auf die dies zutreffen mag, um ein wenig Besonnenheit, um Toleranz und Respekt nicht zuletzt gegenüber dem hohen Gut der Meinungsfreiheit. Wir fordern dies gerade wegen der Freiheit, unserem höchsten Gut."

...aus den Händen von Wolfgang Gerhardt und Jürgen Morlok (Vors. des Kuratoriums)
...aus den Händen von Wolfgang Gerhardt und Jürgen Morlok (Vors. des Kuratoriums)
In einer freien Gesellschaft, so Horn, sei "eine Vielfalt der Überzeugungen und Argumente nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Hier wird kein Glaubenskrieg geführt", mahnte Horn, "sondern bloß eine gesellschaftliche Wertedebatte ausgetragen."

Necla Kelek ist die dritte Trägerin des Freiheitspreises, 2006 war die Auszeichnung an Hans-Dietrich Genscher gegangen, 2008 an den Schriftsteller Mario Vargas Llosa, der unlängst mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Den Vertretern konfrontativer Weltsicht nicht allein die Bühne überlassen

Wolfgang Gerhardt
Wolfgang Gerhardt
"Die Jury hat eine großartige Entscheidung getroffen", stellte der Vorsitzende des Vorstandes der Stiftung, Wolfgang Gerhardt, in seiner Begrüßung in der bis auf den letzten Platz besetzten Paulskirche fest. Necla Kelek verkörpere "eine Maßstäblichkeit in religiösem Bekenntnis und Freiheitswillen in Menschenrechten, vor allem in ihrem Engagement für die Rechte von Frauen." Sie sei in ihrem Selbstvertrauen tapfer und bescheiden zugleich – ein großartiges Beispiel des Willens und der Fähigkeit zum Dialog. Gerhardt weiter: "Sie kehrt nichts unter den Teppich. Sie stellt sich in klaren Debatten erkennbar. Sie weicht nicht aus. Sie will ganz einfach nicht den Vertretern konfrontativer Weltsicht allein die Bühne überlassen."

Jörg-Uwe Hahn
Jörg-Uwe Hahn
Auch der Hessische Minister für Justiz, für Integration und Europa, Jörg-Uwe Hahn, spielte auf den teils heftigen Widerspruch an, den die Entscheidung der Jury ausgelöst hatte und warnte, wer politische Ansprüche stelle, dürfe sich nicht der Diskussion darüber entziehen und der Durchleuchtung seiner Interessen – hier ende der Schutz der Religion. Der stellvertretende Ministerpräsident gratulierte Necla Kelek im Namen der Landesregierung.

Die Aufgabe der Laudatorin übernahm die Journalistin Alice Schwarzer, die "gewiss wirkungsmächtigste Journalistin der Bundesrepublik", wie es Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth in ihrem Grußwort formulierte.

Bittere Wahrheiten aus der Perspektive der Opfer

Petra Roth
Petra Roth
Vor sechs Jahren habe ihr Verleger sie um die Meinung zu einem Manuskript gebeten. Es war der Text „Die fremde Braut“ – "und ich war begeistert, ja gerührt. Endlich! Endlich brach auch in Deutschland die zweite Generation das Schweigen", sagte Schwarzer. Erstmals habe uns eine Betroffene, die sich selber von den inneren und äußeren Zwängen offensichtlich hinreichend befreit hatte, auch hierzulande einen Blick ins Innere der Community gewährt. "In Necla Keleks erstem Buch", so Schwarzer, "ging es um das Elend, in dem mindestens jede zweite türkische Ehefrau in Deutschland gefangen ist: nämlich in einer Zwangsehe. Jung, manchmal noch minderjährig, werden diese fremden Bräute vom türkischen Land in deutsche Städte geholt, um dort verheiratet zu werden – mit den ebenfalls keineswegs immer begeisterten Söhnen. Oder umgekehrt: In Deutschland geboren kehren die 14-, 15-, 16-Jährigen niemals zurück aus den Schulferien in der Türkei."
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letzte Änderung: 02.02.2011


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