Freiheitskongress: Eine Lektion zum Thema Freiheit
Der 2. Freiheitskongress der Stiftung
Zur vollständigen Videodokumentation des 2. Freiheitskongresses
Welches Zeugnis kann man den Deutschen 20 Jahre nach dem Fall der Mauer ausstellen? Sind sie noch immer das euphorisch-freiheitsliebende Volk, das die Mauer zu Fall brachte? Oder ist Freiheit nur noch ein bürgerlicher Luxus, wie es der Titel des 2. Freiheitskongresses der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit andeutete?
Der Abend im Berliner Admiralspalast war ein Auftakt nach Maß für das Jahr des Erinnerns, in dem viele Veranstaltungen folgen werden, die die Ereignisse des Jahres 1989 nachzeichnen und die Entwicklung seitdem bilanzieren werden. Ein Auftakt nach Maß, weil Joachim Gauck, Reiner Kunze, Klaus Schroeder und Elke Urban eine ausgesprochen differenzierte Bestandsaufnahme des Wiedervereinigungsprozesses – immer in Bezug auf den Wert der Freiheit – vornahmen, die in ihrer Vielschichtigkeit nur schwer zu überbieten sein wird – vor allem nicht von den Dutzenden Talkshows, die uns zu diesem Thema 2009 erwarten.

Thema Freiheit im Admiralspalast Berlin
Hätte man ein paar ausgewählten Deutschen aus Ost und West eine Zeitreise direkt aus der Euphorie der Wiedervereinigungszeit hinein in den mit 350 Gästen gefüllten Admiralspalast des Januar 2009 ermöglichen können, sie wären aus dem Staunen nicht herausgekommen. Sie hätten vielleicht eine freudig-zufriedene Bilanz erwartet. Und nun waren sie in eine Podiumsdiskussion geraten, in der es darum ging, wie man es großen Teilen der Ost- und Westdeutschen denn nun endlich begreiflich machen könne, dass die DDR tatsächlich eine Diktatur war, ja was eine Diktatur überhaupt ist; eine Diskussion, in der aus dem Publikum der Bundesnachrichtendienst als „West-Stasi“ bezeichnet wird, in der ausgerechnet der Begriff der Ohnmacht eine große Rolle spielt und Wege gesucht werden, zu vermitteln, was eigentlich Freiheit ist und von welch fundamentaler Bedeutung sie ist. Sie wären, nicht zu Unrecht, von einem Gefühl beschlichen gewesen, dass der Wiedervereinigungsprozess nicht etwa abgeschlossen ist, sondern offenbar erst ganz am Anfang steht und eine ausgesprochen komplexe Aufgabe zu sein scheint.
„Dummheit und Arbeit haben – das ist das Glück“

Klaus Schroeder
Ausgangspunkt des Abends war die im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie von Professor Klaus Schroeder, die bundesweit für Entsetzen gesorgt hatte. In ihr manifestierte sich ein in seinen Ausmaßen unglaubliches Nichtwissen über das Staatsgebilde, das sich DDR nannte. Schroeder präsentierte nicht nur Details seiner Erhebung, er vermochte es, das Entsetzen noch einmal zu steigern, indem er Reaktionen aus der Lehrerschaft zu seinen Ergebnissen schilderte: Von dort habe er vielfach hören müssen, es sei ihre Aufgabe nicht, Wissen zu vermitteln, sondern Kompetenzen. Als hätten diese Dinge nichts miteinander zu tun! An dieser Stelle hätten sich die Besucher aus dem Jahr 1989 erneut erstaunt die Augen gerieben und erst recht, als Schroeder die demoskopisch ermittelte Akzeptanz der bundesrepublikanischen Demokratie bei einem Drittel ansetzte und die Zustimmung zum Wirtschaftssystem so niedrig, dass es droht, an der 5-Prozent-Hürde zu scheitern.






