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Freiheit und Islam – ein Widerspruch ?

Internationale Konferenz

Freiheitsbegriff und Freiheitsverständnis in der islamischen und
der abendländischen Welt


Am Montag und Dienstag haben in Bonn zwei Tage lang Experten auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung das Thema „Freiheit und Islam – ein Widerspruch?“ diskutiert. Im Mittelpunkt standen der Freiheitsbegriff und das Freiheitsverständnis in der islamischen und der abendländischen Welt. Mehr als zwanzig renommierte Experten und Vordenker aus der islamischen Welt Nordafrikas, des Nahen Ostens und der Türkei sowie Vertreter der europäisch-abendländischen Welt nahmen Stellung unter anderem zu Fragen der Rezeption bürgerlicher Freiheiten in der islamischen Welt, zur Religionsfreiheit oder der Stellung der Frau.

Irmgard Schwaetzer
Irmgard Schwaetzer
Mehr als hundert Anmeldungen und das große Interesse der Medien zeigen, dass mit dieser Konferenz der Nerv der Zeit getroffen wird. Das sagte Irmgard Schwaetzer, Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung in ihrer Rede zur Eröffnung der Konferenz. Die Auseinandersetzungen um die Äußerungen des Papstes während des jüngsten Deutschlandbesuchs und die Diskussion um die Absetzung der Mozart-Oper Idomeneo an der Deutschen Oper Berlin verleihen dem Thema zusätzliche Aktualität.

„Gerade in einer Zeit wieder aufflammender Konflikte im Nahen Osten sehen wir es als Aufgabe besonders für uns Liberale, Vorurteile abzubauen, Brücken zu bauen und liberale Werte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einzubringen“ verdeutlichte Irmgard Schwaetzer und betonte die Rolle der mutigen Partner der Stiftung vor Ort, die für diese Werte eintreten.

Hans-Günter Gnodtke
Hans-Günter Gnodtke
Hans-Günter Gnodke, Beauftragter für den Dialog mit der islamischen Welt im Auswärtigen Amt, sagte in einem einführenden Referat, wer die öffentliche Diskussion verfolgt habe, bekomme den Eindruck, dass aufgeklärte Werte geradezu belagert würden vom Islam. Die verantwortungslose Ausübung individueller Freiheitsrechte werde als Angriff auf die islamische Welt betrachtet. Dies sei der Reflex einer fundamentalen Reformdiskussion innerhalb der islamischen Welt, die weltumspannend sei. Entscheidend werde sein, dass der Westen einen Dialog ohne Paternalismus und Überheblichkeit anbiete, im Bewusstsein, dass die Freiheit auch bei uns gegen erhebliche Widerstände erkämpft wurde und für ihre Bewahrung Wachsamkeit notwendig ist.

„Freiheit und Islam – ein Widerspruch?“, die Leitfrage des ersten Panels am ersten Konferenztag, wurde von den hochrangigen Referenten aus der arabischen Welt differenziert beantwortet.

Erich Weede, Jalal al-Azm
Erich Weede, Jalal al-Azm
Jalal al-Azm, Professor für Philosophie an der Universität Damaskus, erklärte, innerhalb islamisch geprägter Gesellschaften gebe es eine Reihe von Debatten auf sehr konkreter Ebene, die Gedanken über kollektive und individuelle Freiheit beinhalten und verbunden seien mit Fragen zu Bürgerrechten und Demokratie. Sogar die Muslimbrothers in Syrien und Ägypten, die er als Mutter allen Fundamentalismus’ bezeichnete, sprächen sich jetzt offiziell für Reformen aus und plädierten für eine bürgerliche Gesellschaft samt Demokratie, Gewaltenteilung, bürgerlichen Freiheiten und Freiheit des Glaubens.
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letzte Änderung: 12.09.2008


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