Freiheits-Veranstaltungen mit Wolfgang Gerhardt in NRW

Gerhardt mit NRW-FDP-Generalsekretär Christian Lindner MdL (rechts) und Klaus Füßmann in Bergisch Gladbach „Wären alle Menschen gleich, würde einer reichen“ zitierte Wolfgang Gerhardt den Philosophen und Science-Fiction-Schriftsteller Stanislaw Lem in Absetzung zu der derzeit in Deutschland grassierenden Gleichheits- und Sozial-Demagogie. Der Vorsitzende des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat zu Beginn des Jahres die vielbeachtete Schrift „Für Freiheit und Fairness“ vorgelegt, aus der sich dann deutschlandweit eine Veranstaltungsreihe der Stiftung ergeben hat, die nun mit Terminen in Bergisch Gladbach und Iserlohn in Nordrhein-Westfalen Station machte.
Gerhardt behandelte in einer aktuellen tour d´horizon fundamentale Fragen des Beziehungsgeflechtes von individueller Freiheit und Verantwortung auf der einen und kollektiver Ordnung, Sicherheit und Prosperität auf der anderen Seite. So setze beispielsweise der viel beschworene Wert der gesellschaftlichen Solidarität das individuelle Erfordernis eigenen Lernens und Arbeitens voraus. Bildungs- und Erziehungschancen seien auch und vor allem die „zivilisatorische Mitgift des Elternhauses“ und „mehr Netto“ die fundamentale „vertrauensbildende Maßnahme“ des Staates gegenüber seinen Bürgern. Das dergestalt skizzierte liberale Subsidiaritätsprinzip sei einer der Eckpfeiler der freiheitlichen Ordnungslehre, biete es doch eine wirksame Alternative zu „dem politischen Bodenturnen“ der Großkoalitionäre in Berlin.

Wolfgang Gerhardt in Bergisch Gladbach Die mit ausufernder Gerechtigkeits-Rhetorik ummäntelte staatliche Umverteilungspolitik lähme nämlich dringend benötigte Freiheits- und Innovations-Potentiale in unserer Gesellschaft. Sie befördere auch eine modische Wiederkehr alt-linker Positionen, so dass ein Oskar Lafontaine immer mehr anbieten könne als eine mittlerweile in weiten Teilen den Agenda-2010-Kurs rückabwickelnde SPD à la Ypsilanti.
Leidenschaftlich beklagte Gerhardt die mangelnden Geschichtskenntnisse weiter Teile der (jüngeren) Bevölkerung über Art, Intensität und Reichweite der DDR-Diktatur. „Können Sie sich vorstellen, dass Gregor Gysi aus den Protokollen des Politbüros der SED vorliest?“, fragte Gerhardt pointiert ins Publikum hinein, nachdem er zuvor die Neu-Edition dieser Protokolle als wichtigen Beitrag zur politischen Bildung gelobt hatte. Und anschließend räsonierte er, ob nicht die DDR auch durch eine Neidvermeidungsstrategie gestärkt worden sei. Ein interessanter Aspekt, der deutlich macht, dass heutige Gerechtigkeits-Diskurse im Stile absurder Gleichheits-Vorstellungen genau das Gegenteil anstreben.
Auch die internationale Lage – etwa die imperiale Attitüde Russlands im Ossetien-Konflikt oder die Beschädigung der normsetzenden Autorität der westlichen Führungsmacht USA durch Guantanamo und ähnliches - wurde behandelt. Mit Blick auf das Jahrhundertthema Dialog der (religiös-zivilisatorischen) Kulturen warnte Gerhardt unter dem Beifall der zahlreichen Veranstaltungsteilnehmer vor einem „Kulturbonus für Intoleranz“.
Überhaupt zeichneten sich die beiden Veranstaltungen durch intensives Ringen um liberale Meinungsführerschaft in den perspektivischen gesellschaftlichen und politischen Debatten unserer Republik aus. Denn gerade für Liberale gilt: wo die Begriffe verschwimmen, verschwinden die Ordnungen.
Klaus Füßmann
Leiter des Veranstaltungsprogramms der Theodor-Heuss-Akademie




