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Freiheit und Demokratie in der islamischen Welt

Dr. Irmgard Schwaetzer, Dr. Anwar Ibrahim, Hubertus von Welck
Dr. Irmgard Schwaetzer, Dr. Anwar Ibrahim, Hubertus von Welck
Die Friedrich-Naumann-Stiftung diskutierte in Malaysia ihren Beitrag zur Stärkung liberaler Demokratie in islamischen Gesellschaften. Vorstandsmitglied Dr. Schwaetzer leitete den Dialog von 19 Mitarbeitern aus 12 Ländern über Ziele und Erfahrungen der Stiftung in ihrer Arbeit mit muslimischen Zielgruppen.

Bombenangriffe in Afghanistan, Irak, Palästina, Tschetschenien, Indonesien und Sudan bezeichnen nur einige der Konflikte in muslimischen Gesellschaften. Terrorangriffe in New York, Madrid, London und Paris tragen diese Konflikte auch in die nicht-islamische Welt.

Eine zunehmende Zahl westlicher Politiker in Europa und Amerika sehen die Werte von Demokratie und Freiheit in Bedrängnis. Allzu leicht sind sie bereit, zivile Rechte und individuelle Freiheit zum Schutze des westlichen Gesellschaftsmodells zu opfern.

Zugleich herrscht unter Muslimen die verbreitete Meinung, der Islam sei Opfer einer Belagerung nationaler und internationaler Kräfte. Diese Hypothese wird gerade auch mit Blick auf säkulare, aber autoritäre Regierungen in islamischen Ländern vorgebracht. So schreibt sich beispielsweise die muslimische Bruderschaft in Ägypten den Kampf für gute Regierungsführung und offene Märkte auf die Fahnen.

Der Konflikt besteht insofern nicht zwischen liberalen Werten und dem Islam oder jeglichem anderen Glaubensbekenntnis. Er entzündet sich vielmehr an Fragen der Implementierung von Demokratie, Menschenrechten und der Marktwirtschaft. Da diese zu den Kernzielen der Friedrich-Naumann-Stiftung gehören, bestand der Bedarf an einer Diskussion der jeweiligen Erfahrungen der Stiftungsarbeit in Ägypten, Palästina, Jordanien, Libanon, Syrien, Irak, Marokko, Algerien, Tunesien, Türkei, Bosnien, Kosovo, Aserbaidschan, Usbekistan, Malaysia, Indonesien, Bangladesh, Indien, Pakistan und Afghanistan.

Die Diskussion wurde unterstützt durch Referate herausragender malaysischer Experten, darunter des ehemaligen stellvertretenden Premierministers Datuk Seri Dr. Anwar Ibrahim und der Geschäftsführerin von Sisters in Islam Zainah Anwar.

Programme der Friedrich-Naumann-Stiftung in islamischen Gesellschaften sind geprägt von den spezifischen politischen Rahmenbedingungen. Es wurden generell drei Szenarien unterschieden, die den aufkommenden islamischen Extremismus und dessen Ablehnung von Liberalismus und Pluralismus begünstigen:

Die größten Probleme bestehen in autoritären Regimes, die Muslime veranlassen, nach alternativen Quellen für Gerechtigkeit und gute Regierungsführung zu suchen. Dies geschieht vor allem in den arabischen Staaten; aber auch Malaysia gibt hierfür ein Beispiel.

Das zweite Szenario besteht in post-Konflikt Gesellschaften, vor allem im ehemaligen Jugoslawien. Nach den traumatischen Erfahrungen des Bürgerkriegs suchen muslimische Gruppen in diesen Ländern nach höheren moralischen Werten. Hier fällt es Vertretern des saudischen Wahabismus leicht, ihre Vision einer asketischen islamischen Lebensführung zu verbreiten. Die saudische Regierung unterstützt dies durch die großzügige Finanzierung von Moscheen, Religionserziehung und sozialen Fürsorgeprogrammen.

Schließlich gibt es marginalisierte muslimische Gruppen in demokratischen Gesellschaften, wie Frankreich und England. Sie schließen sich islamischen Extremisten an, weil sie ein Gefühl der Entfremdung oder des Neides entwickelt haben und sich grundsätzlich als entrechtet betrachten. Diese Gruppen können den globalisierungskritischen Kräften zugeordnet werden. In der zunehmend integrierten und kompetitiven Welt fürchten sie um ihre kulturelle Identität und um ihre soziale Wohlfahrt.

Der dreitägige Austausch vom 12. - 15. Juni in Kuala Lumpur / Malaysia gab den Stiftungsmitarbeitern Hilfestellung für die Projektarbeit zum Auf- und Ausbau liberaler Demokratie in islamischen Ländern. Dies wird durch ein Konzeptpapier über die Arbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung in muslimischen Gesellschaften weitergeführt. Schließlich diente das Treffen auch der Diskussion eines geplanten internationalen Dialogforums über Freiheit und Demokratie in der islamischen Welt.

Rainer Heufers
letzte Änderung: 12.09.2008


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