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Fortsetzung des Dialogs mit Nordkorea

Workshop in Pjöngjang<br />
Workshop in Pjöngjang
Die Friedrich-Naumann-Stiftung (FNSt) veranstaltete zusammen mit der Europäischen Kommission einen zweiten Workshop über Wirtschaftsreformen in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjönjang. Im Mittelpunkt des diesjährigen Workshops stand der Erfahrungsaustausch zwischen europäischen Wirtschaftsexperten, die über Transformationserfahrung verfügen, und nordkoreanischen Vertretern, die in die Umsetzung von wirtschaftlichen Modernisierungsmassnahmen in der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) involviert sind.

Während der erste Workshop im August 2004 einen allgemeinen Überblick über wirtschaftliche Transformationsprozesse und die Veränderungen in der DVR Korea seit der Einleitung der Reformmassnahmen im Jahr 2002 gab, konzentrierte sich die zweite Veranstaltung viel stärker auf praktische Fragen, wie beispielsweise die Rolle des Staates im Wirtschaftsmanagement, Strategien für Auslandsinvestitionen sowie die Modernisierung der Staatsbetriebe und der Landwirtschaft.

Joint-Venture-Kabelfabrik<br />
Joint-Venture-Kabelfabrik
Der nordkoreanische Vize-Aussenminister Kung Sok Ung eröffnete die Veranstaltung, an der knapp 100 Vertreter aus Ministerien und Institutionen sowie 25 Europäer aus zehn EU-Mitgliedstaaten teilnahmen. Im ersten Teil der Veranstaltung wurde die Rolle der Regierungsinstitutionen in einer Transformationswirtschaft vorgestellt, unter anderem der Handlungsspielraum der Regierung in einer zentralen Planwirtschaft und, im Vergleich dazu, in einer reinen laissez-faire Marktwirtschaft. Ausserdem wurde die Frage behandelt, inwieweit sich die Aufgaben des Staates ändern, wenn sich die Planwirtschaft zu einer Wirtschaftsform mit martkwirtschaftlichen Anreizen verändert. Den Abschluss der Sitzung bildete ein Vortrag über makroökonomische Instrumente wie zum Beispiel Haushaltsplanung, Kredite und Zinssätze.

Die Notwendigkeit von ausländischen Investitionen für Transformationsländer und Rahmenbedingungen für das Heranziehen von Investoren wurden in der zweiten Sitzung angesprochen. Konkret ging es um Strategien, die in Ungarn, Polen und in der Tschechischen Republik umgesetzt wurden. Auch beschrieben die europäischen Vertreter, wie das gesetzliche Rahmenwerk für wirtschaftliche Aktivitäten geschaffen wurde. Experten beider Seiten tauschten sich über Methoden des betrieblichen Managements und der Fortbildung des Personals aus. Die Sitzung endete mit einer Diskussion über die Gründe für Erfolge und Misserfolge von Klein- und Mittelunternehmen in europäischen Transformationsländern.

Zwei nordkoreanische Wirtschaftsexperten gaben einen Überblick über die Modernisierungsmassnahmen, die die nordkoreanische Regierung in den letzten Jahren eingeleitet hat. Dazu gehören die Modernisierung von Staatsbetrieben und mehr Eigenverantwortung für Manager. Die Teilnehmer aus Europa und der DVR Korea hatten Gelegenheit, in zwei separaten Arbeitsgruppen die Themen „Praktische Massnahmen zur Modernisierung von Staatsunternehmen“ und „Anreize für Manager und Arbeitnehmer“ zu vertiefen. Der Erfahrungsaustausch und die Diskussionen verliefen sehr offen und zeigten ein grosses Interesse der Nordkoreaner an marktwirtschaftlichen Abläufen.

Nach dem Workshop besuchte die Europäische Delegation die „16. März“-Kabelfabrik in Pjöngjang, ein kürzlich modernisiertes Staatsunternehmen mit einer Joint-Venture-Produktionsanlage für Computerkabel. Ebenfalls Teil des Programms war ein Besuch der Sonderwirtschaftszone in Kaesong, wo die Europäer durch zwei Produktionsstätten, eine Fabrik für Isolierringe und Schuhe geführt wurden. Inzwischen haben dort sechs südkoreanische Fabriken ihre Produktion aufgenommen.

Der Europäische Teilnehmerkreis bestand aus Wirtschaftsexperten aus acht EU-Mitgliedstaaten, europäischen Diplomaten, Geschäftsleuten und Vertretern ausländischer Organisationen in Pjöngjang. Der Workshop wurde von den Ko-Organisatoren in enger Zusammenarbeit mit dem Aussenministerium der DVR Korea durchgeführt und unterstützt von der britischen Botschaft in Pjöngjang, die derzeit die EU-Präsidentschaft repräsentiert. Mehrere europäische Mitgliedstaaten sponserten die Teilnahme ihrer Experten und Diplomaten.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung führt seit 2004 regelmässig Seminare und Workshops zur Vermittlung marktwirtschaftlicher Kenntnisse in Nordkorea durch. Im September führte sie eine Delegation nordkoreanischer Finanzexperten zu einer Informationsreise nach Deutschland.
letzte Änderung: 12.09.2008


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