Familie und Beruf – ein Spagat, der gelingen kann!
In seinem Grußwort betonte Ludger Hinsen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Berlin ausdrücklich, dass Familienpolitik Wirtschaftspolitik sei. Die Republik Deutschland sei nicht überaltert sonder unterjungt! Für unsere Zukunft, so Hinsen, ist es entscheidend, den demographischen Sturzbach einzudämmen, um die ökonomischen und sozialpolitischen Basiswerte zu sichern.
Dr. Elisabeth Mantl, Auditorin der Beruf + Familie gGmbH, einer Initiative der Hertie-Stiftung, bedauert, dass die Arbeitswelt größtenteils so strukturiert ist, dass die Wirtschaft davon ausgeht, der Arbeitnehmer hätte keine Familienverpflichtung. Es gibt zwei Strategien: der „Durchlauferhitzer“ – die hire- and fire-Personalpolitik und die familienfreundliche Personalpolitik. Die Hertie-Stiftung bietet mit dem Audit Familie und Beruf Unterstützung und Vermittlung zu tragfähigen Modellen für eine familienbewusste, aber zugleich auch unternehmensgerechte Personalpolitik. Das Audit arbeitet mit einem Kriterienkatalog, der in acht Handlungsfeldern die klassischen Bereiche der Personalpolitik abdeckt und mehr als 140 Einzelmaßnahmen erfasst. Mantl war es wichtig, zu betonen, dass ein Paradigmenwechsel nur stattfinden kann, wenn auch die Wirtschaft in Verantwortung genommen wird.
Bianca Häsen, Mitglied des Aufsichtsrats und Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Deutschen Kreditbank AG, ist als „best practice“-Beispiel zur Podiumsdiskussion eingeladen worden. Ihre Ausführungen verdeutlichten, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur Wunschdenken ist, sondern erfolgreich praktiziert wird und beide Seiten davon profitieren. Zufriedenheit und Motivation stehen proportional zur Qualität der Arbeit. Das Unternehmen kann sich profilieren und ist im Vorteil beim Wettbewerb um qualifiziertes Fachpersonal.
Ulla Keienburg, Projektmanagerin – Balance von Familie und Arbeitswelt, Bertelsmann-Stiftung, stellte das Portal „Mittelstand und Familie“ vor, das ein Bestandteil des Projekts „Balance von Familie und Arbeitswelt“ ist. Es bietet Arbeitgebern, Beschäftigten und Multiplikatoren kleiner und mittlerer Unternehmen übersichtliche Informationen und praktische Lösungen, kostenfreie Beratung durch Experten sowie Hintergrundwissen. Das Portal umfasst 18.000 Datensätze, dynamisch steigend, ist kostenfrei und lebt vom Feedback seiner Nutzer.
Keienburg führte auch die „Lokalen Bündnisse für Familien“ auf, die sich in einer Region für Familien engagieren und konkrete Verbesserungen durch Projekte in verschiedenen Handlungsfeldern anbieten. Beispielsweise wollen Kommunen über diese Initiative jungen Menschen verstärkt ein lebenswertes Wohnumfeld und berufliche Perspektiven bieten. Ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität der Region ist eine aktive, lokale Familienpolitik, welche die Abwanderung insbesondere junger, gut qualifizierter Frauen verhindert.
Initiativen gibt es viele und auch gute, resümiert Keienburg, allerdings kann der Paradigmenwechsel zur familienfreundlichen Wirtschaftspolitik nur dann gelingen, wenn der Focus der Öffentlichkeit immer wieder auf diese Thematik gelenkt wird und vor allem diese, die Notwendigkeit verinnerlicht.
Mieke Senftleben, Bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, warb um mehr Beachtung der Soft-Skills, denn Mütter sind krisenerprobte Organisationstalente und auf ergebnisorientiertes Arbeiten „geeicht“. Senftleben spricht sich für individuelle Einzelmaßnahmen in den Unternehmen, wie flexible Arbeitszeitmodelle, familiengerechte Gestaltung von Arbeitsabläufen, Einführung von Telearbeit bis zur Kinderbetreuung in Ferienzeiten oder Notfällen, aus und fordert damit gleichzeitig mehr Flexibilität in den Familien.
Die Familienministerin Renate Schmidt war die erste Ministerin, die die Thematik Vereinbarkeit von Familie und Beruf systematisch angegangen ist und Rahmenbedingungen initiiert hat, die Senftleben „Den richtigen Weg in die richtige Richtung“ nannte.
www.mittelstand-und-familie.de
www.beruf-und-familie.de
Jeanette Hassenmeier
Büro Berlin-Brandenburg





