Europawahl Bulgarien: Zarenpartei startet durch
Wahltermin: 20. Mai 2007

Von rechts die Kandiadaten 1-4, Biliana Raeva, Asparuch Panov, Antonia Parvanova, Radostina Ivanova. Unten links Parteichef Simeon Saxcoburggotzki Im Gegensatz zu den meisten anderen Parteien hat unsere Partnerpartei „Nationale Bewegung Simeon II“ (NBSII) die Vorstellung des Kandidatenteams am 21. April außerhalb von Sofia organisiert, in der Provinzstadt Blagoevgrad, in deren Nähe das bekannte Rila-Kloster liegt. Diese Großveranstaltung fand bei herrlichstem Wetter im Auditorium Maximum der dortigen amerikanischen Universität statt und mobilisierte anschließend mit einem „Pop Folk“-Konzert einen großen Teil der Bevölkerung von Blagoevgrad im Freien. Die gesamte Führungsriege der Partei, die bei der letzten Parlamentswahl im Sommer 2005 schon erheblich geschrumpft und bis zum Beginn des laufenden Jahres in den Umfragen schlecht abgeschnitten hatte, war bei der Kandidatenvorstellung mit dabei und feierte den Vorsitzenden, den ehemaligen König (abgesetzt 1946) und ehemaligen Ministerpräsidenten (2001 – 2005) Simeon von Sachsen-Coburg-Gotha, oder bürgerlich-bulgarisch Simeon Saxcoburggotzki, mit stehenden Ovationen. Die Partei hat offenkundig keineswegs aufgegeben – Totgesagte leben ja bekanntlich immer länger –, sondern scheint mit frischem Schwung in diesen Wahlkampf zu gehen, der auch ihre Stellung im Parteiensystem und in der Regierungskoalition wieder konsolidieren soll. Sie konzentriert die zentrale Botschaft denn auch folgerichtig auf die europäische Zukunft Bulgariens und die Expertise ihrer zahlreichen Minister und stellvertretenden Minister.
Alleinstellungsmerkmal der NBSII ist der höchst beachtliche Frauenanteil der Kandidaten, von den „18+1“ sind nur 6 Männer… Insofern ist der zweite Platz für unseren Kollegen Asparuch Panov auch für die Friedrich-Naumann-Stiftung eine besondere Auszeichnung. Seine reiche Europa-Erfahrung in den Jahren nach der Wende – als Vizepräsident der Liberalen Internationale und Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarats – eine gute Voraussetzung für einen Erfolg seiner Kandidatur.
Die Spitzenkandidatin, Biliana Raeva, ist nicht nur durch ihr blendendes Aussehen ein Pendant zur FDP-Spitzenfrau Silvana Koch-Mehrin, sondern als Abteilungsleiterin für Europaprogramme im Ministerium für Verwaltung und Verwaltungsreform ebenfalls eine ausgewiesene Expertin. Eine inzwischen auch von einigen Konkurrenzparteien kopierte hübsche Arabeske ist die Kandidatur des populären ehemaligen Außenministers Solomon Passy auf Platz 18. Wenn Passy auf dem letzten Listenplatz kandidiert, muss man auf den vorderen Plätzen ja doch großartige Experten vermuten!
Der Wahlkampf ist offiziell auf vier Wochen begrenzt, begann also am letzten Samstag. Doch im Anschluss an die politische „Erschöpfungspause“ nach dem Beitrittsendspurt im Herbst und dem Beitritt am 1. Januar brauchten die Parteien auch ihre Zeit, um den Wahlkampf vorzubereiten und pünktlich die Kandidatenlisten zusammenzustellen. Die Verabschiedung des Wahlgesetzes und die Festlegung der Modalitäten im Frühjahr, die auch noch für erheblichen Wirbel zwischen den beiden liberalen Parteien in der Regierungskoalition gesorgt hatten, sind inzwischen über die Bühne und der eigentliche Wahlkampf kann beginnen.





