Europa und der Islam

Prof. Dr. Bassam Tibi Der Karikaturenstreit, die Lage im Irak, die Unruhen in den Pariser Vorstädten, Probleme bei der Integration von Einwanderern – national und international hat sich in der vergangenen Zeit ein Konfliktpotential entladen, das vielfach als ein Konflikt zwischen westlichen Wertvorstellungen und religiös-politisch motiviertem Islam gedeutet wird. Das Regionalbüro Hannover der Friedrich-Naumann-Stiftung hatte aus aktuellem Anlass den Politikprofessor und profunden Islamkenner Bassam Tibi eingeladen, um die unterschiedlichen Deutungen der Geschehnisse, Bewertungen und mögliche Lösungsansätze zu analysieren. In seiner Begrüßung betonte Phillip Rösler, Fraktionsvorsitzender der FDP im niedersächsischen Landtag, dass es wichtig sei, Probleme tabulos anzusprechen, wobei tabulos nicht den Umgang miteinander bezeichnen dürfe, sondern die Bereitschaft, auch schwierige Themen diskutieren zu können.
Dr. Philipp Rösler Auch Professor Bassam Tibi verwies in seinem Vortrag auf die durch Kommunikationsverweigerung, vielfach aufgrund von persönlichen Ressentiments und gekränkten Gefühlen geprägte Diskussion. Vehement sprach Professor Tibi sich dennoch für die Notwendigkeit eines offenen Dialogs aus, da man über Probleme reden müsse. Niemand könne Probleme lösen, wenn man über diese nicht reden können dürfe. Dieses verlange sowohl den Einwanderern als auch der Aufnahmegesellschaft vieles ab, dennoch sei es wichtig, eine gemeinsame Basis zu entwickeln; als diese könne in Deutschland und Europa nur die freiheitliche Grundordnung dienen. Diese Basis dürfe auch nicht im Sinne falsch verstandener Toleranz verlassen oder angetastet werden. Professor Tibi warb für das von ihm entwickelte Konzept des Euroislam, denn „entweder gelingt es, die Muslime zu europäisieren oder Europa werde islamisiert.“ Wichtig und möglich sei, so Tibi, die Verbindung aus religiöser Entfaltung in Europa und der Achtung und Wahrung des Fundamentes der freiheitlichen Gesellschaftsordnung.





