Europa: Vorbild für eine multipolare Welt

Allianz Stiftungsforum am Pariser Platz in Berlin Vor zwanzig Jahren, im September 1990, wurde in Moskau der Zwei-plus-Vier-Vertrag unterzeichnet. Er gilt als einer der wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zur Deutschen Einheit und wird gerne als „diplomatische Meisterleistung“ bezeichnet.
Aus Anlass dieses Jahrestages hat die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zu einer Festveranstaltung nach Berlin eingeladen. Ihr Titel – „Ein Dokument des Friedenswillens aller Beteiligter…“ – griff ein Zitat Hans-Dietrich Genschers auf, der für die damalige Bundesrepublik am Verhandlungstisch saß. Die Stiftung wollte an die historische Bedeutung des Vertragswerks erinnern, aber auch nach vorne blicken und die Frage nach der Zukunft der europäischen Staatengemeinschaft erörtern. Rund 450 Gäste waren der Einladung in die Allianz Repräsentanz am Pariser Platz in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor gefolgt.
Deutsche Einheit: ein „modernes Märchen“

Westerwelle Das Grußwort hielt Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Den Prozess, der zur Deutsche Einheit geführt habe, bezeichnete er als wunderbares „modernes Märchen“. Ausdrücklich würdigte Westerwelle den Freiheitswillen der Menschen in den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Im Hinblick auf die Erweiterung der Europäischen Union nach Osten in den zurückliegenden Jahren sei 1990 zum Jahr nicht nur der deutschen, sondern auch der europäischen Einheit geworden. Deutschland sah er in der Pflicht, sich zum Anwalt der Interessen gerade der kleineren und mittleren EU-Staaten zu machen.
Die Festrede hielt Hans-Dietrich Genscher, erster gesamtdeutscher Außenminister. Auch Genscher ging auf die europäische Dimension des Mauerfalls und der Deutschen Einheit vor zwanzig Jahren ein. Nie seien die europäischen Völker einander so nahe gewesen wie im Wendejahr 1989. Europa habe damals gezeigt, dass man aus der Geschichte von Krieg und Diktatur lernen könne, es habe eine Botschaft beherzigt: die anderen als ebenbürtige Partner akzeptieren, den Dialog suchen und Gegensätze überwinden. In diesem Geiste sei auch der Zwei-plus-Vier-Vertrag zustande gekommen.




