Erinnern für die Zukunft
Lesung mit den Schauspielern Jürgen Kloth, Tatja Seibt, Joachim Bliese (v.l.) Am historischen Ort, dem Truman-Haus und heutigem Sitz der Friedrich-Naumann-Stiftung erinnerte eine Tagung an die Potsdamer Konferenz 1945. In der Veranstaltung unter freiem Himmel lasen zur Eröffnung Schauspieler aus Dokumenten zur Zeit.
Unter dem Titel „Die Potsdamer Konferenz 1945 und die Neuordnung Europas“ waren das Truman-Haus und das Alte Rathaus Potsdam am 23. und 24. Juni 2005 Tagungsorte zur Erinnerung an das Treffen der „Großen Drei“ - Truman, Churchill und Stalin – im Sommer vor sechzig Jahren. Gemeinsame Veranstalter waren die Friedrich-Naumann-Stiftung und ihre Kooperationspartner, das Zentrum für Zeithistorische Forschung, das Historische Institut der Universität Potsdam, die Landeshauptstadt Potsdam und die Brandenburgische und Berliner Landeszentrale für Politische Bildung.
Bei herrlichem Sommerwetter folgten zweihundert Gäste auf der Wiese vor dem Truman-Haus (wegen des großen Interesses fand die Auftaktveranstaltung unter freiem Himmel statt!) der Lesung „Sieger und Besiegte – Die Potsdamer Konferenz 1945: Dokumente, Aufzeichnungen, Tagebücher“ und dem anschließenden Eröffnungsvortrag des Heidelberger Historikers, Professor Detlef Junker.
Die Schauspieler Tatja Seibt, Joachim Bliese und Jürgen Kloth vermittelten mit den Texten ein anschauliches Bild vom Klima vor und während der Potsdamer Konferenz Auszüge aus den Memoiren von Harry S. Truman, Winston Churchill und Marschall Shukow, dem Chef der sowjetischen Besatzungstruppen, warfen ein Licht auf die Ziele, Visionen und Verhandlungsführung der Alliierten. Die Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen von Zeitzeugen, der Journalistin Ruth Andreas-Friedrich, der Kunsthistorikerin Hanna Grisebach und dem Schriftsteller Hermann Kasack zeigten das Noch-Verhaftetsein in die Propaganda des Dritten Reiches, die Verwirrung und Erschöpfung, die die letzten Monate und Wochen vor der Kapitulation bewirkt haben, die Ohnmacht der gerade Besiegten gegenüber den Siegern und die Angst vor einer ungewissen Zukunft.
Diese Thematik stand im Mittelpunkt des folgenden Tages in einer Reihe von Vorträgen und Diskussionen mit Wissenschaftlern aus Deutschland, USA, Polen und Tschechien. Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jacobs eröffnete mit einem Grußwort und einem Dank an die Friedrich-Naumann-Stiftung und die Kooperationspartner den zweiten Teil der Tagung im Alten Rathaus. Die Landeshauptstadt Potsdam habe in diesem Jahr in würdiger Weise die Gedenktage, die sich auf das Jahr 1945 beziehen, begangen: den 8. Mai als Tag der Befreiung und Ende des Zweiten Weltkriegs und den 14. April, dem Tag der Zerstörung Potsdams. Dazu gehöre auch das „Potsdamer Abkommen“, das er im Zusammenhang mit dem „Tag von Potsdam“ 1933 sähe.
In den Vorträgen des Tages stellte immer wieder die zentrale und zugleich zweifelnde Frage, wieweit die Potsdamer Konferenz heute noch ein „Erinnerungsort“ darstelle, und welche Bedeutung das Potsdamer Abkommen in der deutschen Öffentlichkeit habe. Einig war man, in der Unterschiedlichkeit der Deutungen, Potsdam sozusagen als Drehscheibe für alle möglichen Interpretationen, und wie es Prof. Konrad Jarausch, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung, auf den Punkt brachte: „Jedem sein Potsdam!“.
Während die deutsche Regierung den völkerrechtlichen Charakter des Abkommens verneinte, betrachteten die Tschechen es als völkerrechtlich verbindlich, zumal es die Grundlage ihrer staatlichen Existenz darstelle. Die einen deuteten die Potsdamer Ergebnisse als uneingelöste Hoffnung und zeigten den beginnenden Ost-West-Konflikt, während die anderen darin die diplomatische Legitimation der Sowjet-Union oder sie als Angelpunkt des deutsch-polnischen Verhältnisses sahen. Unbestritten blieben die globalen Implikationen des Potsdamer Abkommens.
Christian Däubler
Leiter Büro Berlin-Brandenburg





