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Ehrung für Cornelia Schmalz-Jacobsen

Cornelia Schmalz-Jacobsen
Cornelia Schmalz-Jacobsen
Friedrich-Naumann-Stiftung, FDP, und Bundestagsfraktion ehrten Cornelia Schmalz-Jacobsen, langjährige Kommunalpolitikerin, Berliner Senatorin, ehemalige Generalsekretärin der FDP, dann Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, heute Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung. Am 11. November 2004 hatte sie ihren 70. Geburtstag gefeiert. Rund 250 Gäste, ihre Familie und Freunde, langjährige Weggefährten und Mitarbeiter, erlebten einen Geburtstagsempfang, wie ihn das Atrium des Thomas-Dehler-Hauses wohl noch nicht erlebt hat.

Dr. Otto Graf Lambsdorff
Dr. Otto Graf Lambsdorff
In seinen Begrüßungsworten traf Otto Graf Lambsdorff als Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung und als der ehemalige FDP-Bundesvorsitzender, der Cornelia Schmalz-Jacobsen als seine Generalsekretärin wollte – „keine andere“ -, das Thema, das auch die so herzliche Ehrung des FDP-Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle und die beeindruckende Laudatio von Avi Primor durchzog: die „große Dame des Liberalismus“. Auch als Generalsekretärin der FDP habe Cornelia Schmalz-Jacobsen ideal verkörpert, womit sie auch noch heute als Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann über Parteigrenzen hinweg die Aufrechten überzeugt: die Einheit von liberaler Überzeugung und mutiger Tat, die Einheit von Freiheit und sozialer Verantwortung in einer wehrhaften Bürgergesellschaft: „gelebte, nicht geschwafelte Solidarität“.

Das habe schon die sechsjährige Cornelia von ihren Eltern gelernt, als sie in das Netzwerk von Bürgern eingeweiht wurde, die unter Lebensgefahr für sich und ihre Angehörigen Verfolgten halfen und viele retteten. Solche Zivilcourage sei auch heute gefragt; sie könne gelehrt und gelernt werden. Kaum ein Buch lehre das so eindrucksvoll wie Cornelia Schmalz-Jacobsens Buch „Zwei Bäume in Jerusalem“, das Otto Graf Lambsdorff vor allem der Jugend empfahl (s. Anhang).

Der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle ließ es sich nicht nehmen, seine Ehrung mit einer taufrischen Frage Cornelia Schmalz-Jacobsens einzuleiten, die sie ihm gerade zugeflüstert hatte: ob sie denn jetzt auch klatschen dürfe: Solche Bescheidenheit mache eben die echten Helden aus. Die „große Dame der FDP“ verkörpere den Mut, die Zivilcourage, ohne die Liberale nicht erfolgreich für Freiheit, Verantwortung, Toleranz und Weltoffenheit kämpfen könnten. Was Cornelia Schmalz-Jacobsen als große Dame auszeichne, sei auch ihre Loyalität gegenüber der FDP, ihre Treue zur liberalen Überzeugung – bei all ihrer ehrlichen, offenen, aber nicht in eine erwartungsvolle Öffentlichkeit gestreuten Kritik an Positionen und Darstellung der Partei. Mit ihrem „klaren Kompass“ eines Pflichtgefühls, das für Cornelia Schmalz-Jacobsens Eltern selbstverständlich war, sei für sie Widerstand gegen jede Intoleranz und der Einsatz für die Schwachen, die Ausgegrenzten und die Verfolgten Bürgerpflicht.

Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels und als Kosmopolit noch heute ständiger Botschafter für Menschenrechte, Toleranz und Zivilcourage, verband seine Ehrung der großen Dame Cornelia Schmalz-Jacobsen mit einem beeindruckenden Stück Zeitgeschichte, das seine Lebensgeschichte mit ihr und ihren Eltern, Donata und Eberhard Helmrich, im Widerstand gegen den Nationalsozialismus verband: Für diese beiden, damit aber auch für die vielen ungenannten Helden, die den Helmrichs geholfen hatten, seien in der „Allee der Gerechten“ in Yad Vashem der Johannisbrotbaum und der Olivenbaum gepflanzt worden, der erste noch vom Vater selbst, der zweite, für die Mutter, von Cornelia Schmalz-Jacobsen. Und mehrfach hob Avi Primor hervor, worauf Deutsche stolz sein können: Die Zahl der zu solchem Widerstand Mutigen sei weitaus höher gewesen als meist angenommen, und „nirgendwo sonst war es mutiger, als in Deutschland Widerstandskämpfer zu sein.“

Zu diesen aufrechten Deutschen zu gehören habe Cornelia Schmalz-Jacobsen die so wichtige Rolle erleichtert, in einer Zeit noch großen Misstrauens in Israel „das Eis gebrochen“ zu haben. „Toleranz im Handeln“ und Mut habe sie auch als Jugendsenatorin des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen bewiesen, ebenso als Maßstäbe setzende Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Vorgängerin von Marieluise Beck, die wie Eberhard Diepgen zur Ehrung von Cornelia Schmalz-Jacobsen gekommen war.

In ihrer Erwiderung stellte Cornelia Schmalz-Jacobsen die selbstbewusste, dem Bürger vertrauende und gerade auch dadurch wehrhafte Demokratie in den Mittelpunkt. Sie war dabei sehr konkret und höchst aktuell in ihrer Kritik, von der schleichenden Demontage des Bankgeheimnisses über die ausufernde Telefonüberwachung, das völlig überzogene Antidiskriminierungsgesetz der Bundesregierung, mangelnder Glaubwürdigkeit in der NPD-Debatte angesichts von Kürzungen in der politischen Bildungsarbeit bis hin zur Bildungspolitik. Was gute Erziehung hier leisten könne, habe sie in ihrer Familie erfahren. Es gehe nicht nur um ein „Schulversagen auf breiter Front“, nachdem die Politik vom Pisa-Schock geweckt worden sei. Ohne gute Erziehung und Bildung fehlten für eine Bürgergesellschaft die Werte lebenden Bürger, die diese Werte mit Zivilcourage auch zu verteidigen bereit seien. Ohne all das gehe es für uns alle aber auch darum: „Wir verschleudern sonst unsere Chancen und eine Menge Glück.“
Das gab Cornelia Schmalz-Jacobsen allen mit auf den Weg.


Rede Otto Graf Lambsdorff
letzte Änderung: 12.09.2008


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