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Drachentöter in Gummersbach

Kann staatliche Macht überhaupt legitimiert werden? Wenn ja, bis zu welchem Ausmaß? Welche Institutionen sind geeignet, die Freiheit jedes Einzelnen zu schützen? Welche Alternativen zur bestehenden Staatsform sind denkbar und erstrebenswert?

Das Seminar „Liberal-libertäre Strömungen, Kontroversen und Strategien in USA und Europa“ ging dieser Frage nach und führte über 80 Teilnehmer, zum Teil aus dem Ausland, in die Theodor-Heuss-Akademie nach Gummersbach. Die Teilnehmer waren angereist, um hierzu einige der profiliertesten Vertreter des Liberalismus und Libertarismus zu hören und diese auch persönlich kennenzulernen.

Prof. Hans-Hermann Hoppe
Prof. Hans-Hermann Hoppe
Eine besondere Attraktion war Prof. Hans-Hermann Hoppe, der umstrittene Wirtschaftsprofessor an der Universität von Las Vegas, dessen Buch „Demokratie – der Gott der keiner ist“ nach den USA nun auch in Deutschland zum Verkaufsschlager geworden ist. In seiner Auftaktrede am Freitagabend machte der bekannte Verfechter des Anarchokapitalismus noch einmal deutlich, was er vom Staat grundsätzlich hält: Eine gesetzlich institutionalisierte Organisation zum Erpressen von Schutzgeld, sprich Steuern. Hoppe hält es für einen historischen Fehler des Liberalismus, sich überhaupt mit der Politik eingelassen zu haben. Die Lösung hierzu läge in der vollkommenen Abkehr von Staat und Politik.

Prof. Guido Hülsmann
Prof. Guido Hülsmann
In eine ähnliche Kerbe schlug auch Prof. Guido Hülsmann von der Université d’Angers, der in seinem Referat die Österreichische Schule der „Nationalökonomie“ mit der Chicago-Schule verglich. Die Chicago-Schule um Milton Friedman habe vor allem mit ihrer Geldpolitik zu große Zugeständnisse an den Staat gemacht, der die monetäre Planwirtschaft dazu nutze, ungehemmt Schulden zu machen und die Geldmenge zu erhöhen. Hülsmann empfahl hierzu als Gegenmittel die konsequente Anwendung der Österreichischen Schule, bei der der Staat sich nur um die Rahmenbedingen kümmert und nicht in den Markt eingreift.

Dr. Oliver Marc Hartwich
Dr. Oliver Marc Hartwich
Der Publizist Roland Baader, der aus Krankheitsgründen leider nicht persönlich anwesend sein konnte, warnte in seinem Beitrag davor, sich mit dem Streit um die „reine Lehre“ aufzuhalten und dadurch den Kampf gegen den Leviathan zu verlieren. Angesichts der Bedrohung durch den mächtigen „Drachen“ Staat sollten die „liberalen Ritter“ ihn zuerst zu Boden bringen, bevor man darüber streitet, ob er in Ketten gelegt oder ganz getötet werden soll. Laut Baader sei es nötig das staatliche Geldmonopol zu beenden, um dem Staat sein „Drachenfutter“, der leichte Zugang zu Geld, zu entziehen. Der Vortrag von Roland Baader wurde von Dr. Oliver Marc Hartwich gehalten.

Geld und die Option von privatem Geld war ein Thema, das mit am lebhaftesten diskutiert wurde. Die sich Baaders Beitrag anschließende Diskussion drehte sich auch um die Frage, welche Strategien Libertäre gegen eine bevorstehende staatsgemachten Weltwirtschaftskrise entwickeln könnten. In diesem Rahmen verwies Reinhard Deutsch auf die bereits bestehenden alternativen Geldmittel, wie die Möglichkeit, ein durch Edelmetall gedecktes Konto bei e-gold zu führen.

Hardy Bouillon
Hardy Bouillon
Weitere Vorträge beschäftigten sich mit möglichen Methoden, liberales bis libertäres Gedankengut zu propagieren. Hardy Bouillon, Dozent an der Uni Trier und ehemals Präsident des Center for the New Europe, berichtete aus der Praxis eines Lobbyisten in Brüssel. Bouillon plädierte für eine Mischung aus Systemanpassung und Unterwanderung, versinnbildlicht durch das Maskottchen Krtek, ein Maulwurf-Stofftier.

Robert Nef
Robert Nef
Robert Nef, Präsident des Liberalen Instituts in Zürich, legte dar, dass Politik in einem System von Mehrheitsentscheidungen fast zwangsläufig populistisch ist. Diese systemimmanente Zwangsläufigkeit würde in der Praxis nur beim „rechten“ Populismus erkannt werden. Im Gegensatz hierzu werde der Populismus des politischen Establishments von ihm selbst und vom intellektuellen Mainstream als „Bürgernähe“ bezeichnet.

Stefan Blankertz
Stefan Blankertz
Der Schriftsteller und Management-Trainer Stefan Blankertz erörterte die Frage, inwiefern Libertäre und Konservative zueinander kompatibel sein können. Blankertz kam zu dem Schluss, dass es unüberbrückbare Gegensätze gebe, da Konservative im Machtfall und im Zweifel gegen die Freiheit entscheiden würden. Blankertz warnte die Liberalen davor, sich mit den falschen Leuten ins Bett zu legen.

Lorenz Jäger
Lorenz Jäger
Lorenz Jäger vom Feuilleton der FAZ sprach über die Dominanz „linker“ Ideen und warnte vor einer schleichenden Selbstzensur der Presse in Deutschland und damit verbunden vor einer falschen Toleranz gegenüber intoleranten Extremisten.

Dr. Theodor Paleologu
Dr. Theodor Paleologu
Dr. Theodor Paleologu äußerte in seinem Vortrag die Hoffnung, dass osteuropäische Liberale frischen Wind in die sozialistischen Strukturen des alten Europas bringen könnten, etwa durch einen Flat-Tax-Wettbewerb.

In der Schlussdebatte ging es noch einmal um Hoppes „Utopie“ einer anarchokapitalistischen Gesellschaft. Prof. Erich Weede von der Uni Bonn wandte sich in diesem Zusammenhang gegen Hoppes Naturrechtspositivismus und plädierte dafür, dass Hoppes fundamentale Demokratie-Kritik nicht zu einer Aufgabe der Demokratie an sich führen dürfe. Weede sieht die Notwendigkeit für Verbesserungen real existierender Demokratien, die dann durchaus in der Lage seien, Machtkonzentration entgegenzuwirken.

Dr. Detmar Doering, Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung
Dr. Detmar Doering, Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung
Ähnlich wichtig wie philosophische Fragen und praktische Strategien war für die Teilnehmer das gegenseitige Kennenlernen in den Pausen sowie abends in der akademieeigenen Wacholderstube. In diesem Rahmen trafen sich Liberale, Libertäre, Radikalliberale und Anarchokapitalisten, die sich bislang nur als Blogger, Schreiber im „Freiheitsforum“ oder Autoren der libertären Monatszeitschrift „eigentümlich frei“ ein Begriff waren. Dieser informelle Teil bot Gelegenheit sich auszutauschen, Synergien zu bilden und Pläne zu schmieden, egal ob Neugierige, Mitglieder der Libertären Plattform in der FDP, Mitglieder libertärer Hochschulgruppen oder Mitarbeiter von diversen ThinkTanks und Internet-Initiativen.

Wolfgang Müller
Theodor-Heuss-Akademie
letzte Änderung: 12.09.2008


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