Navigation

Zur Startseite

Inhalt

Künstlernachwuchsförderung in Deutschland

Kann Deutschland noch als kulturelles Zentrum Europas bezeichnet werden? Sind andere Länder mittlerweile weiter? Welche Chancen, aber auch welche Herausforderungen gibt es bei der Förderung des künstlerischen Nachwuchses? Über diese Fragen wurde in der St. Matthäuskirche im Kulturforum Berlin diskutiert. Anschließend war ein Konzert der Philharmonie der Nationen in der Philharmonie Berlin zu hören.

Kulturnation Deutschland?

Auf dem Podium diskutierten Ekaterina Baeva, Gesangsstudentin aus Russland und Stipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Cornelia Pieper MdB, Staatsministerin im Auswärtigen Amt für den Arbeitsbereich Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sowie Stardirigent Justus Frantz. Moderiert wurde die Diskussion von Andreas Knaesche, rbb Kulturradio.

Justus Frantz
Justus Frantz
Zur ersten Frage nach dem Status der „Kulturnation Deutschland“ konstatierte Frantz, Deutschland habe sich in den letzten 20 Jahren von diesem Status bedauerlicherweise wegbewegt: In Konzerten sind vor allem Zuhörer über fünfzig anzutreffen. In Russland ist das Publikum mit durchschnittlich dreißig Jahren wesentlich jünger, in China liegt das Durchschnittsalter gar bei zwanzig Jahren. Der Stellenwert der Kultur, insbesondere auch der Musik, so Frantz weiter, sei im Ausland größer. Dies machte Frantz an einem persönlichen Erlebnis deutlich: In Russland sei die Heilige-Nikolaus-Stiftung an ihn herangetreten und habe sich CDs mit klassischer Musik erbeten – um damit russische Kriegsschiffe auszustatten. Dies sei in Deutschland nicht vorstellbar.

Zudem wies Frantz darauf hin, dass die Musik des 20. Jahrhunderts in Deutschland besonders durch Komponisten wie Strawinsky, Schostakowitsch und Prokofjew beeinflusst worden, die eben keine Deutsche gewesen seien.

Baeva stimmte der Einschätzung Frantz' nur teilweise zu. In Russland sei man an Kunst und Kultur interessiert. Allerdings nicht in einem stärkeren Maße als in Deutschland. Deutschland mit seinem großen kulturellen Erbe sei immer ein großes Vorbild auch für Russland gewesen. Baeva selbst sei sehr froh, die Chance eines Stipendiums in Deutschland erhalten zu haben. Schon immer sei es ihr Wunsch gewesen, das Land von Goethe, Schiller, Heine und anderen kennenzulernen und die deutsche Sprache zu erlernen.

Trotzdem bemerke man, gab sie zu, dass das Publikum in Deutschland großteils aus älteren Leuten bestehe. Natürlich freut man sich auch über ältere Besucher – trotzdem müsse mehr getan werden, um die jüngere Generation für klassische Musik zu begeistern.

Mehr in „Köpfe“ investieren

Podium
Podium
Auf die Frage Knaesches, was in der Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte falsch gemacht worden sei, betonte Pieper, dass immer noch zu wenig in Bildung investiert werde. Noch mehr Anstrengungen müssten unternommen werden, um die frühkindliche Bildung ebenso wie die Lehrerausbildung zu fördern. Man plane zwar, in der jetzigen Legislaturperiode 12 Milliarden Euro mehr in Bildung und Forschung zu investieren, also jährlich etwa 3 Milliarden Euro. Doch ein Problem sei, dass der Bund sich aufgrund des im Rahmen der Föderalismusreform entstandenen Kooperationsverbots weder finanziell noch inhaltlich im allgemeinbildenden Schulwesen engagieren kann, da dies Ländersache - nach Piepers Einschätzung ein Fehler.

Die Förderung der frühkindlichen Bildung gelinge im Ausland besser, sagte Frantz. Dort werde „Frühkindliche Bildung“ direkt als Fach gelehrt.
Mozart, so Frantz weiter, wäre in Deutschland in einer „normalen“ Ganztagsschule ohne Musikförderung sicher nicht kein so großer Künstler werden können, lautete seine These.

Künstlerförderung in Deutschland

Anschließend wurde über die Stipendienvergabe in Deutschland diskutiert. Baeva berichtete, sie sei nach einem Konzert von einer Mitarbeiterin der Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit angesprochen und auf die Möglichkeiten der Förderung durch die Stiftung aufmerksam gemacht worden.

Pieper betonte, bei der Begabtenauswahl wäre zunächst die fachliche Eignung wichtig. Diese werde in der Friedrich-Naumann-Stiftung auch bei Studierenden eines künstlerisch-musischen Faches im Rahmen des Auswahlgespräches geprüft.

Die Stiftung lege ausdrücklich Wert darauf, auch Studierende eines künstlerisch- musischen Faches auszuwählen, sodass ein vielfältiger „Mix“ an Studiengängen gefördert wird. Neben der fachlichen Eignung sei ebenso die Persönlichkeit des Bewerbers entscheidend sowie ein gesellschaftspolitisches Engagement.

Gleichzeitig wies Pieper auf die Notwendigkeit des Ausbaus der Förderung des Künstlernachwuchses hin. Die Regierung plane ein nationales Stipendienprogramm. Dadurch soll die Zahl der Stipendienempfänger von 2 Prozent auf insgesamt 10 Prozent erhöht werden.

Daneben werde jedoch auch die finanzielle und ideelle Unterstützung von privater Seite, wie zum Beispiel durch Stiftungen oder Privatpersonen benötigt.

Frantz stellte dar, dass gerade im Ausland Stipendien sehr wichtig seien, da sie oftmals die einzige Chance für viele Menschen bieten, ins Ausland zu reisen. So sei man dort oft sehr ehrgeizig bei der Förderung des künstlerischen Nachwuchses.

Pieper ergänzte, dass junge Menschen grenzüberschreitend als Kulturmittler dienen könnten. Kunst und Kultur seien Friedensmittler in der Außenpolitik, von dieser Einstellung lasse auch sie sich bei ihrer künftigen Arbeit leiten.

Nach der Diskussion waren alle Veranstaltungsteilnehmer zu einem Konzert der Philharmonie der Nationen in die Philharmonie Berlin eingeladen. Es standen Werke von Bach, Händel, Marcello, Manfredini und Corelli auf dem Programm, dirigiert wurde das Konzert von Justus Frantz.

Anne Wellingerhof
Regionalbüro Berlin-Brandenburg
letzte Änderung: 29.12.2009


12.06.2012: Der 17. Juni 1953

17.06.2012: 2. Lord Ralf Dahrendorf Lecture

22.06.2012 bis 23.06.2012: Kommunikationstraining (Modul I)

Schaufenster Stiftung

Blog des Liberalen Instituts

22.05.2012: Lieber ein Ende mit Schrecken mehr...

22.05.2012: Es gibt Besseres als die Benzinbesteuerung mehr...

21.05.2012: Peak Oil mal wieder verschoben mehr...

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit