Die "unbeirrbar Integrierte" – Necla Kelek in NRW

Necla Kelek zu Gast in NRW Der in Köln wohnhafte Publizist Ralph Giordano bezeichnete sie einmal als die „unbeirrbar Integrierte“. Die Sozialwissenschaftlerin, Publizistin und Bürgerrechtlerin Necla Kelek war nun zu zwei Abendveranstaltungen zu Gast in Nordrhein-Westfalen.
Im Heinrich-Heine-Haus in Düsseldorf sowie im Renaissance-Hotel in Köln referierte und diskutierte sie zum Thema „Integration und Integrationspolitik in Deutschland – Befunde und Perspektiven“. Natürlich spielte die Rolle des politischen Islam und damit das Prinzip Freiheit in der orientalischen Community in den Darlegungen der aktuellen Freiheitspreisträgerin der Stiftung eine zentrale Rolle.
Zunächst würdigte sie allerdings verschiedene Etappen erfolgreicher Integration in Deutschland. Das gelte sowohl für die polnischen Arbeiterfamilien zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts als auch für die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten nach dem zweiten Weltkrieg und die „Gastarbeiter“ aus Südeuropa und Asien seit den sechziger Jahren. Problematischer sei es mit den Migranten aus den islamischen Ländern, dabei - angesichts der Größe - insbesondere aus der Türkei.
„Freiheit ist nicht für uns Frauen gemacht, sondern eher für die Männer“
Necla Kelek weiß, wovon sie redet. 1966 kam sie als neunjährige gebürtige Istanbulerin nach Deutschland. Eine kleine anrührende Geschichte erhellt die ganze Komplexität eines bis heute währenden Problems, das den Islam nicht als Glaube in den Mittelpunkt der Kritik stellt, sondern als politische Weltanschauung. Necla Kelek eröffnete seinerzeit ihrer Mutter, dass sie auch gerne in den Genuss von individueller Freiheit kommen möchte. Die Mutter entgegnete: „Freiheit ist nicht für uns Frauen gemacht, sondern eher für die Männer“. Dahinter verberge sich das Verständnis, dass Männer im öffentlichen Raum agieren und Frauen im privaten, und dass man als Frau im Sinne der westlichen Freiheiten schutzlos, mithin „vogelfrei“ sei.
Hier setzt Necla Keleks Fundamentalkritik an patriarchalischen, religionsdogmatischen Einschränkungen individueller Freiheit in islamischen Communities (in Deutschland) an. Sie spricht nicht von Parallelgesellschaften, sondern dezidiert von „Gegengesellschaften“, die über die Jahre entstanden seien und in denen nicht nur Zwangsheiraten, sogenannte „Ehrenmorde“, ausufernde Sozialleistungen, Ghettoisierungen und Kriminalitätsgrade das Problemfeld umreißen, sondern auch ethnisch-familiäre Nischenwirtschaften mit prekären Arbeitsverhältnissen sowie Kopftuchzwang und Absonderung (weibliches Fernbleiben vom Schwimmunterricht) in den Schulen. Ein Vater, der lieber 20.000 € für die Hochzeit seiner Tochter ausgebe (in Duisburg-Marxloh soll es 60 türkische Hochzeitsläden geben), als 2.000 € in ihre Ausbildung zu investieren, folge traditionellen Verhaltensmustern und verhindere Mündigkeit und Integration.
Verwurzelung in den Imperativen der bürgerlichen Aufklärung
Was den Abend mit Necla Kelek so gewinnbringend machte, war ihre tiefe intellektuelle Verwurzelung in den Imperativen der bürgerlichen Aufklärung, der demokratischen Moderne und der freiheitlichen Individualrechte des Grundgesetzes. Hier erteilt eine deutsch-türkische Verfassungspatriotin, gläubige Muslima und engagierte Frauen- und Bürgerrechtlerin postmoderner Multikulti-Beliebigkeit und –Gleichgültigkeit auf dem Gebiet der Integrationspolitik eine überzeugende Abfuhr.





