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Die Weiße Rose und ihr Widerstand

Franz-Joseph Müller, Mitglied der Weißen Rose
Franz-Joseph Müller, Mitglied der Weißen Rose
Was bedeutete es konkret im Dritten Reich Widerstand zu leisten? Welchen Gefahren, aber auch praktischen Problemen waren die Widerständler ausgesetzt? Wie kamen überhaupt Jugendliche dazu, sich gegen ein übermächtiges Regime aufzulehnen?
Was muss heute gegen Rechtsextremismus im Vorfeld und in der Bekämpfung getan werden? Auf welchen - oft scheinbar unpolitischen – Wegen werden vor allem Jugendliche mit rechtsextremistischem Gedankengut vertraut gemacht?

Sabine Leutheusser- Schnarrenberger
Sabine Leutheusser- Schnarrenberger
Solche und weitere Fragen wurden in der gut besuchten Podiumsveranstaltung diskutiert. Die Friedrich-Naumann-Stiftung hatte gemeinsam mit dem Margareta-Rothe-Gymnasium, das die Aula zur Verfügung stellte, eingeladen. Es kamen 180 Teilnehmer. Im ersten Teil der Veranstaltung sprachen Franz-Joseph Müller, unterstützt durch seine Frau Britta Müller-Baltschun, und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Franz-Joseph Müller machte u.a. deutlich, dass Bildung und eigenständiges Denken, Individualität und echte Freundschaft Schlüssel zum Widerstand gewesen seien, gepaart mit jugendlichem Engagement und Eifer. Er mochte die Nazis nicht, das Exerzieren, Marschieren und „Herumstehen“ empfand er als unsägliche Zeitverschwendung; unter seinen Freunden und Kameraden waren auch Juden gewesen, die er später vermisste ...

Franz-Joseph Müller und Britta Müller-Baltschun
Franz-Joseph Müller und Britta Müller-Baltschun
Müller, heute 81 Jahre alt, wurde als 17-Jähriger im zweiten Prozess gegen die Weiße Rose vom „Präsidenten des Volksgerichtshofs“, Roland Freisler, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er gut zwei Jahre absaß, dann endete der Krieg. Sein Leben verdankte er – vielleicht – seinem jugendlichen und vor allem eher „germanischen“ Aussehen. Aber das weiß auch er nicht ganz genau…

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger stellte fest, dass Rechtsextremismus heute viele Gesichter habe: Er manifestiere sich nicht nur in Parteien und nicht nur im politischen Raum, sondern vielfach in vorpolitischen, gesellschaftlichen Kontexten. Fremdenfeindlichkeit und Schuldsuche bei Arbeitslosigkeit seien zwei Ausdruckweisen, hinter denen sich häufig latenter Rechtsextremismus verberge. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger machte deutlich, dass es keine einfachen Antworten auf diese Gefahr gebe. Alle denkbaren Anstrengungen müssten von allen – in Schule, in Familie, vor allem auch in der Politik …- unternommen werden.

Nach einer Pause schloss sich eine kleine Lesung an: Schülerinnen und Schüler lasen aus „Sophie Scholl und Fritz Hartnagel. Damit wir uns nicht verlieren. Briefwechsel 1937-1943“. Thomas Hartnagel, Lehrer am Margaretha-Rothe-Gymnasium und Sohn von Elisabeth Scholl und Fritz Hartnagel hatte die Briefe editiert und veröffentlicht. Er erläuterte eingangs seine persönlichen Motive zu dieser Arbeit: Zwei junge Leute mussten über Jahre hinweg ihre Beziehung in Briefen ausleben. U. a. wurde auch deutlich, dass der anfangs noch ein wenig alberne Teenager Sophie Scholl sehr bald zu einer ernsten jungen Frau heranwuchs und offenbar den Offizier Fritz Hartnagel in dessen Denken sehr beeinflusst hatte.

Mit Franz-Joseph Müller und Britta Müller-Baltschun fanden auf Initiative der Friedrich-Naumann-Stiftung Hamburg in neun Hamburger Schulen zehn Veranstaltungen zum Thema „Die Weiße Rose – Gespräche mit dem Zeitzeugen Franz-Joseph Müller“ statt, an denen insgesamt über 700 Schüler teilnahmen.

Dr. Petra Beckmann-Schulz
letzte Änderung: 12.09.2008


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