Die “Schwelle der Besonnenheit” überschreiten

Carlos Alberto Montaner Der Schriftsteller kubanischer Herkunft und mit spanischem Wohnsitz ist vor allem aufgrund seiner millionenfach gelesenen wöchentlichen Zeitungskolumne in Lateinamerika, Spanien und den USA bekannt und gilt als einer der einflussreichsten Intellektuellen und Journalisten der spanischsprachigen Welt. Montaner ist darüber hinaus einer der führenden Köpfe der Liberalen Cubanischen Union und Vizepräsident der Liberal Internacional.
Anlass der Reise Montaners vom 2. bis 12. Mai waren die Präsentation seines neuesten Buches “Die Freiheit und ihre Feinde” sowie Vorträge und Gespräche mit Jugendlichen. Die Veranstaltungen in Bogotá (Kolumbien), San José (Costa Rica), Managua (Nicaragua) und Mexiko-Stadt (Mexiko) fanden großes Echo in den Medien.
Bei seinen Vorträgen hob Montaner die Notwendigkeit hervor, dass die Demokratien Lateinamerikas über “die Schwelle der Besonnenheit” treten müssten. Vor allem die Politiker müssten langfristige Entwicklungsziele als roten Faden ihrer Arbeit nehmen, um so das demokratische System “narrensicher” zu machen. Populisten wie Hugo Chávez, Evo Morales oder der aus dem Nichts aufgetauchte peruanische Ollanta Humala hätten so keine Chance. Notwendig sind Demokratien, „in der auch Linke die Privatwirtschaft ankurbeln und Marktmechanismen stärken, anstatt Produktionsmittel zu verstaatlichen.”Diesbezüglich betonte Montaner, dass Lateinamerika derzeit zwischen drei politischen Modellen hin und her schwanke: Es gibt ein Lateinamerika, das Anschluss an den Globalisierungsprozess sucht und dessen Vorreiter Mexiko, Chile, Kolumbien und mit etwas Glück Peru sind. Ein zweite Gruppe von Ländern – angeführt von Brasilien, Argentinien und Uruguay – bewegt sich zwar nach marktwirschaftlichen Gesetzen, weist aber dennoch einen ausgeprägten Staatsinterventionismus auf. Achse der dritten Gruppe sind La Habana - Caracas – La Paz. Hier stehen weder Entwicklung noch Demokratie im Mittepunkt der Politik, sondern ideologische Beherrschung, politischer Authoritarismus und die Plünderung der Produktionsmittel.
"Auf die Frage warum in Lateinamerika so häufig demokratische Regierungen scheitern, muss man die Antwort in unserer Missachtung der republikanischen Institutionen, der Verfassung und der Gesetze suchen," meint Montaner.
Ein Höhepunkt seiner Reise war die Verleihung der höchsten nicaraguanischen Auszeichnung, des Rúben-Darío-Ordens, durch den Staatspräsidenten Enrique Bolaños. In seiner Dankesrede wies Montaner auf die Erfolge von zehn Jahren Demokratie in Nicaragua hin, in denen nach der Wahlniederlage der Sandinisten die Wirtschaft wieder aufgebaut, die Privatwirtschaft geschützt und die Streitkräfte unter zivile Kontrolle gestellt werden konnten, alles ohne Gewaltanwendung und mit Respekt gegenüber den fundamentalen Freiheiten. Anders als bei seinen zentralamerikanischen Nachbarn ist steigende Gewaltkriminalität kein Problem in Nicaragua. Dies war die zweite von der Friedrich Naumann Stiftung und dem Liberalen Netzwerk Lateinamerika organisierte Vortragsreise Montaners durch Lateinamerika. Im Vorjahr hatte der Schriftsteller Uruguay, Argentinien, Chile, Peru und Ecuador besucht. Der Erfolg seiner jüngsten Tour beruhte maßgeblich auf der Unterstützung zahlreicher liberaler Organisationen und Institutionen, unter ihnen das Institut für Politikwissenschaft (Kolumbien), die Liberale Jugend Amerikas (JuLiA), die kolumbianische Union junger Demokraten, die Partei Movimiento Libertario (Costa Rica), die Nicaraguanische Liberale Allianz, das Ständige Forum der Jungliberalen Nicaraguas, der Verlag Zona Editorial Esquipulas, das Mexiko Business Forum, das Zentrum für Entwicklungsstudien, die Zeitschrift Foreign Affairs auf spanisch und die Partei Neue Allianz. Hilfestellungen bot auch die Verlagsgruppe Random House Mondadori.





