„Die Probleme Afrikas zu Chancen machen!“

James Shikwati Beim zurzeit laufenden internationalen Literaturfestival in Berlin sprachen der afrikanische Ökonom und langjährige Partner der Stiftung James Shikwati aus Kenia und der Leiter des Planungsreferates im BMZ, Daniel Kempken über Entwicklungshilfe. Kooperationspartner dieser Veranstaltung im Haus der Berliner Festspiele war die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Die Organisatoren hatten den Titel der Podiumsdiskussion bewusst breit angelegt und dementsprechend blieb auch die Grundfrage nach Sinn und Unsinn der Entwicklungshilfe nicht ausgespart.
„…die Afrikaner dazu erzogen, Geld zu verlangen“
Nach Berechnungen des Weltbankökonomen William Easterly sind seit den sechziger Jahren 2,3 Billionen Dollar Entwicklungshilfe geflossen – der größere Teil davon nach Afrika. Beim kürzlich abgehaltenen UN-Gipfel wurden die Geberländer erneut daran erinnert, dass sie sich im Jahre 2000 mit den Millennium Development Goals ambitionierte Ziele gesetzt haben, beispielsweise eine Halbierung der Armut bis 2015. Während eine große Zahl von Politikern und Nichtregierungs-Organisationen eine Aufstockung der Hilfe fordern, tritt der kenianische Ökonom James Shikwati, Direktor des Inter Region Economic Network und Herausgeber des African Executive seit Jahren für deren Beendigung ein.
Shikwatis Analyse fiel auch an diesem Abend ernüchternd aus. Das Erste, was Entwicklungshilfe in Afrika erreiche, sei eine völlige Konfusion. Afrikanische Politiker versuchten heute nicht, die Interessen ihrer Länder oder des Kontinents zu bedienen, sondern jene der Geber. Das eingehende Geld bewirke zwar, dass auch arme Menschen weiterleben könnten, verhindere aber gleichzeitig, dass sie selbst zu Produzenten werden. Jedes Jahr höre man die vielfältigen Rufe „Helft uns“, doch ändere sich durch die eingehende Hilfe nichts zum Besseren, denn die Menschen verblieben in ihrer gewohnten Passivität. Die Geberländer hätten die Afrikaner dazu erzogen, Geld zu verlangen. Schlechte, korrupte und ineffiziente Regime würden durch die „Entwicklungshilfeindustrie“ am Leben erhalten und die Selbstentfaltungs- und immanenten Entwicklungskräfte Afrikas unterdrückt. Bei Lichte betrachtet erweise sich die Entwicklungshilfe als Bestechung der Afrikaner, die in ihren Ländern gehalten werden sollen. Ehrlicher sei es, wirkliche Migration und gleichberechtigten Handel zu ermöglichen.
„Hilfsleistungen machen die Menschen müde“
Daniel Kempken, dessen Ministerium vehement für eine Intensivierung der Entwicklungspolitik eintritt, verwies darauf, dass die weltweite Entwicklungshilfe in Höhe von 100 Milliarden Dollar jährlich eigentlich sehr gering sei – vor allem, wenn man in Anrechnung bringe, dass gleichzeitig 1,3 Billionen Dollar für Rüstung ausgegeben werden. Auch der Rettungsplan der amerikanischen Regierung im Zuge der Bankenkrise, für den (vorerst) immerhin 700 Milliarden Dollar bereitgestellt werden sollen, sage viel über das Vorhandensein von Geld und dessen Einsatz aus. Der Umgang mit den Auswirkungen führe anschaulich vor Augen, welche Prioritäten gesetzt werden. Gleichwohl räumte er ein, dass sich die entwicklungsorientierte Kooperation zwischen Industrie- und Entwicklungsländern in den letzten Jahren sehr gewandelt habe.





