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Die Macht der Medien in der Mediendemokratie

Ringvorlesung Macht und Medien

Cornelia Schmalz-Jacobsen, Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung, und Uwe Vorkötter, Chefredakteur der Berliner Zeitung, eröffneten die Ringvorlesung „Macht und Medien“ im Otto-Suhr-Institut (OSI) der FU Berlin. Die zehn Vorlesungen wurden durch das Büro Berlin-Brandenburg der Stiftung in Kooperation mit dem OSI-Club organisiert.

Im Namen des OSI-Clubs und als Vertreter des Otto-Suhr-Institutes begrüßte Professor Gerhard Göhler die rund 200 anwesenden Studenten und Besucher.

Cornelia Schmalz-Jacobsen
Cornelia Schmalz-Jacobsen
Cornelia Schmalz-Jacobsen erinnerte in ihrem Grußwort, dass das Otto-Suhr-Institut und die Friedrich-Naumann-Stiftung bekanntlich einen gemeinsamen Ursprung hätten, nämlich in der Staatsbürgerschule resp. der Deutschen Hochschule für Politik. „Der Ursprung ist eng mit dem Stiftungspatron Friedrich Naumann verbunden. Er und seine Konzeption von ,Erziehung zur Politik` standen hauptsächlich hinter der Gründung der Staatsbürgerschule nach dem Ersten Weltkrieg.“

Der spätere erste Bundespräsident der jungen Bundesrepublik, Theodor Heuss. lehrte in den zwanziger Jahren an der Hochschule für Politik. „Übrigens war es Theodor Heuss, der im Jahre 1958 die Friedrich-Naumann-Stiftung aus der Taufe gehoben hat. Ein weiterer bekannter Liberaler ist mit dieser Hochschule eng verbunden, der Journalist, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau und spätere Generalsekretär der FDP. Karl-Hermann Flach hat hier studiert und sein Diplom erworben.“

Dass sich die Ringvorlesung der Rolle von publizistischen Medien in der bundesdeutschen Gesellschaft widme, sei aber kein Zufall, so Schmalz-Jacobsen. "Dazu sei schon das Thema an sich zu wichtig, und zwar sowohl in einer allgemeinen als auch in genuin liberaler Perspektive. Meinungsfreiheit und – daraus folgend – die freie öffentliche Diskussion der Dinge, die alle angehen, mithin also von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und Problemen, sind seit den Zeiten der Aufklärung eine Herzensangelegenheit aller Liberalen."

Die Rede von Cornelia Schmalz-Jacobsen finden Sie hier.

Uwe Vorkötter
Uwe Vorkötter
Uwe Vorkötter begann seine Vorlesung mit einer Frage in Anspielung auf das Thema: „Was hat ein Chefredakteur für eine Macht?“ Macht hätten die Medien nicht, es sei eher Einfluss, der darin zum Ausdruck komme, Artikel zu drucken oder nicht.
Am Beispiel des Regierungswechsels von „Rot-Grün“ zu „Schwarz-Rot“ illustrierte Vorkötter, dass nicht die Medien die Wahlen entschieden hätten. Richtig sei aber, dass die Medien den Demoskopen gefolgt seien und deren Ergebnisse verkürzt sowie pointiert kommuniziert hätten: „Merkel wird Kanzler“.

Doch wer oder was sind die Medien? Sicherlich könne man sie nicht als Block oder Einheit begreifen. So gebe es regionale, überregionale, elektronische und Print-Medien. Somit könne es auch keine konzertierte Aktion „der“ Medien zur Abwahl von Rot-Grün gegeben haben. Es lag, so Vorkötter, eine voreilige Positionierung und Fehleinschätzung der Journalisten auf „breiter Front“ vor. Eine Strategie hätte es nicht gegeben. Die rot-grüne Koalition sei es immerhin gewesen, welche mehrheitlich Sympathie unter den Journalisten genoss.

Begrüßung durch Prof. Gerhard Göhler
Begrüßung durch Prof. Gerhard Göhler
Journalisten stünden generell in einem Zwiespalt zwischen Distanz und Nähe zur Politik. Distanz sichere Unabhängigkeit – Nähe ermögliche Informationen und Kontakte. Worin zeichne sich die Macht der Medien aus?
(1) Medien verfügten über ein Informationspotential, indem sie Informationen über die Wirklichkeit an Menschen weitergeben. Dies erfolge über ein „verzerrtes Bild der Wirklichkeit“. Kontroverses, Negatives und Contrapositionen ließen sich hierbei einfacher darstellen.
(2) Die Politik/ die Politiker seien auf Selbstdarstellung angewiesen. Der mittelbare, mediale Kontakt sichere die Streuung von Informationen an viele Personen – im Gegensatz zum direkten Kontakt mit einer kleinen Gruppe.
(3) Medien sind eine Vermittlungsinstanz (intermediäre Institution). Sie hätten eine „Agenda-setting- und Gatekeeper-Position“. Journalisten entscheiden, was, wann und in welcher Form medial transportiert wird.

Ein weiterer Aspekt sei, dass die Politik sich mehr und mehr inszeniere, sich mediengerecht verhielte. Dennoch gebe es auch Gegenbeispiele: So seien Kohl, Böhmer und Carstensen keine Lieblinge der Medien, wurden aber dennoch gewählt. Hier könnte man abermals fragen, haben Medien Macht?

Macht gehe schließlich auch mit Machtbeschränkung einher. Kartellgesetze kontrollierten anhand wirtschaftlicher Maßstäbe, ob es zu einer Konzentration innerhalb der Medienlandschaft komme. Dies kritisierte Vorkötter, indem er das Beispiel der seinerseits geplanten Verlagsfusion Berliner Zeitung – Der Tagesspiel ansprach. Publizistische Macht sei ferner nicht willkürlich: Meinungs- und Pressefreiheit hätten auch in Deutschland und Europa Grenzen (Persönlichkeitsrechte, Geheimnisverrat etc.). Die Tätigkeit der Journalisten finde darüber hinaus in der Androhung und Umsetzung von Gegendarstellungen, Widerrufen, Richtigstellungen und Schadensersatzforderungen Grenzen. Abschließend resümierte Vorkötter über die Selbstkontrolle der Medien in Form des „Pressekodex“.

Anschließend fand eine rege Diskussion statt, in welcher Fragen zu wirtschaftlichen Problemen der Journalisten sowie der Medienkonzerne und damit deren Unabhängigkeit und darüber hinaus zur Übernahme von Medienkonzernen durch internationale Investoren sowie zur Reduzierung von Redakteursstellen und der damit verbunden journalistischen Qualität aufgeworfen wurden.

Die weiteren Themen und Termine

08.05. Politikberichterstattung zwischen Plenum und Talkshow
Tissy Bruns, Parlamentsbüro, Der Tagesspiegel

15.05. Das Lokale ist politisch
Lorenz Maroldt, Chefredakteur, Der Tagesspiegel

22.05. Personalisierung in der Politikberichterstattung
Jürgen Leinemann, Autor, Der Spiegel


29.05. Wie alternativ ist die Alternativpresse wenn es um die Frauenfrage geht?
Bascha Mika, Chefredakteurin, Die Tageszeitung

12.06. Wahlen und Werbung – Was Wahlkampf bewirkt, und was nicht
Peter Radunski, Senator a.D., Publicis-PR

19.06. Von Atomkonsens bis Hartz IV - Möglichkeiten (und Grenzen) der Regierungskommunikation
Jürgen Trittin MdB, Bundesminister a.D.

26.06. Grenzen der Reformkommunikation am Beispiel der Agenda 2010
Prof. Josef Klein, Universitäts-Präsident a.D., Gutachter der Bertelsmann-Stiftung

03.07. Auf verlorenem Posten? Als Korrespondent in Afrika
Bartholomäus Grill, Korrespondent, Die ZEIT

10.07. Abschlussvorlesung
Beruf als Politik – Karl Hermann Flach zwischen FDP und FR
Jutta Roitsch, Ressortleiterin a.D., Frankfurter Rundschau

Informationen zum OSI-Club finden Sie hier.

Michael Gold
Büro Berlin-Brandenburg
letzte Änderung: 12.09.2008


04.06.2012: Islamdebatte: Wie viel Freiheit erlaubt der Islam?

18.06.2012: Strafjustiz und Medien. Ringvorlesung

21.06.2012 bis 22.06.2012: Nürnberger Sicherheitstagung 2012: Die Welt im Umbruch – von ...

Schaufenster Stiftung
Blog des Liberalen Instituts

22.05.2012: Lieber ein Ende mit Schrecken mehr...

22.05.2012: Es gibt Besseres als die Benzinbesteuerung mehr...

21.05.2012: Peak Oil mal wieder verschoben mehr...

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit