"Die Freiheit hat ihren Preis"
(Waiblinger Kreiszeitung, 16. Oktober 2007)
Wolfgang Gerhardt (FDP) für weltweiten Einsatz der Bundeswehr / Gedenken an Karl-Georg Pfleiderer
Weinstadt (nip).
Unterstützung für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und heftige Kritik an US-Präsident George Bush – Wolfgang Gerhardt, FDP-Außenpolitiker und Chef der parteinahen „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“, hat auf dem Landgut Burg die Grundpfeiler „liberaler Außen- und Sicherheitspolitik“ vorgestellt.
Der Dialog mit der moslemischen Welt kann nur von einem festen Standpunkt geführt werden, bei dem Menschenrechte und der Rechtsstaat im Mittelpunkt stehen, sagt Wolfgang Gerhardt bei seinem Auftritt im Landgut Burg in Weinstadt.
Bild: Schneider „Wir müssen bereit sein, Menschen zu helfen, die keine Freiheit genießen. Das ist eine Entscheidung, die gründet auf den Werten der Aufklärung, des Humanismus und der Renaissance. Es war ein Fehler, dass wir die Menschen 1989 nach dem Abzug der Sowjetunion aus Afghanistan alleine gelassen haben“, sagte der ehemalige FDP-Parteichef. „Wir haben eine Verpflichtung, an den Brennpunkten dieser Welt die Probleme zu bereinigen.“ Heftige Kritik übte Gerhardt an der Politik des amerikanischen Präsidenten: „Ich bin kein Liebhaber von George W. Bush. Seine Außenpolitik ist imperial und er hat das Ansehen der USA in der Welt mehr beschädigt, als dies je bei einem anderen Präsidenten der Fall war.“ Dennoch bekannte sich Gerhardt zum „transatlantischen Bündnis“, das auf gemeinsame Werte gegründet sei.
Wolfgang Gerhardt sprach bei einem außenpolitischen Kolloquium, das die Stiftung zum 50. Todestag von Karl-Georg Pfleiderer ausrichtete. Pfleiderer (1899-1957) gehörte zu den großen Liberalen aus dem Remstal. Sein Vater erwarb vor 99 Jahren das Landgut Burg. Pfleiderers Nichte Dr. Iris Kindt ist die Seniorchefin des heutigen Seminar- und Tagungshotels.
Karl-Georg Pfleiderer arbeitete bis 1945 als Diplomat im Auswärtigen Amt, wurde 1948 für zwei Jahre zum Landrat in Waiblingen gewählt und kam 1949 als Direktkandidat in den ersten deutschen Bundestag. Pfleiderer gehörte dort zu den Kritikern der Politik von Bundeskanzler Konrad Adenauer. Pfleiderer war die Wiedervereinigung wichtiger als Integration des Nachkriegsdeutschlands in das westliche Bündnissystem. 1952 forderte Pfleiderer ein gesamteuropäisches Sicherheitssystem unter Berücksichtigung der Interessen der Sowjetunion. Seine Vorschläge wurden von Kritikern als „Remstalpolitik“ verspottet. 1955 schied Pfleiderer aus dem Bundestag aus und war bis zu seinem Tod deutscher Botschafter in Jugoslawien.
Der Heidelberger Politikwissenschaftler Prof. Frank R. Pfetsch würdigte Pfleiderer als einen frühen Vordenker von Entspannung und Abrüstung. Allerdings sei Pfleiderers Denken noch von machtstaatlichen Strategien aus der Zeit der Weimarer Republik bestimmt gewesen. Die Ostpolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt habe zwar Impulse Pfleiderers aufgenommen, sie habe aber ausdrücklich auf dem Fundament der Westintegration beruht, die von Adenauer durchgesetzt wurde. Positiver sah FDP-Kreischef Jörg Brehmer das Erbe und gab einen Rat von Hans-Dietrich Genscher weiter:
„Schlag nach bei Pfleiderer.“




