Der Untergang
Der "Thingplatz" 60 Jahre nach Kriegsende ist die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus immer noch ein hochaktuelles Thema. Mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 7. Mai 45 in Reims und am 9. Mai in Berlin-Karlshorst ging die unvorstellbares Leid erzeugende Nazi-Diktatur in Deutschland und Europa zu Ende.
" /> Die "Kameradschaftshäuser" der "NS-Ordensburg Vogelsang"
Für die politische Bildung ist die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus seit dem Bestehen der Bundesrepublik eine konstante Größe. Deshalb lud die Theodor-Heuss-Akademie vor wenigen Wochen zu dem Seminar „Der Untergang und seine Folgen“ ein, das die Diskussion der neuesten For-schungsergebnisse zur NS-Herrschaftsstruktur mit einer Analyse der Etappen bundesdeutscher NS-Aufarbeitung bis heute zu verbinden versuchte. Neben Vorträgen und Gruppenarbeiten im Seminarstil zählte auch eine Exkursion in den Aachener Raum, wo mit der „NS-Ordensburg Vogelsang“ und den „Höckerlinien“ des „Westwalls“ zwei steinerne Zeugen der NS-Zeit zu besichtigen waren, zu den Programmteilen.

Der ehemalige "Westwall" bei Aachen Insbesondere die Mitte der dreißiger Jahre im faschistischen Stil gebaute Parteischule Vogelsang, die bis zum Jahresende noch den belgischen Nato-Truppen untersteht, veranschaulichte auf erschreckend eindrucksvolle Art die rassistische Hybris der NS-Machthaber. Die mit germanisierenden Formelementen angereicherte, wuchtige Großanlage birgt zahlreiche gut erhaltene Wohn-, Kult- und Sportstätten, die seinerzeit das passende Ambiente für die ideologische Züchtung von Partei-Führungsnachwuchskräften schaffen sollten. Nach Auskunft des Journalisten F. A. Heinen, der den Seminarteilnehmern einen instruktiven Überblick über diese Stätte in Vergangenheit und Gegenwart gab, war aber selbst der für das Projekt verantwortliche NSDAP-Bonze Robert Ley von den ersten Ergebnissen des Ausbildungsganges nicht so recht überzeugt. Kriegsbedingt wurde die Parteischule dann zum militärischen (Aufmarsch-) Gelände.
Learning by goingDie Auswertung der Exkursion führte zu spannenden Ergebnissen. Auf die Frage, welche Nutzung des Vogelsang-Geländes, das ab Januar in den Besitz des Bundes übergeht, zukünftig zu empfehlen sei, entschieden sich die Teilnehmer eindeutig für ein pluralistisches Konzept. Die Teil-Verwendung als Jugendherberge könne einhergehen mit der Ansiedlung der Naturpark-Verwaltung und einer privaten Hotelerrichtung. Dieser beabsichtigte Mehrzweck wäre auch ein sichtbares demokratisches Zeichen gegenüber der uniformen rassistischen Zweckbestimmung des diktatorischen Entstehungszusammenhangs.
" title="Kompetente Führung am "Westwall" durch Walter Hanf (links)" /> Kompetente Führung am "Westwall" durch Walter Hanf (links)
Zum Seminarprogramm gehörten darüber hinaus noch Vorträge von PD Dr. Michael Zimmermann über das symbiotische Verhältnis von Hitler und den Deutschen, von Prof. Dr. Rolf Sachsse über die NS-Herrschaftsarchitektur und NS-Bild-Propaganda sowie von Prof. Dr. Bernd Faulenbach über die bundesdeutsche Erinnerungskultur seit den Umwälzungen von 1989/90.
Vogelsang ist bis zum Jahresende noch unter belgischem Kommando.Der Teilnehmerkreis umfasste junge Studenten wie ehemalige Wehrmachtssoldaten und bot somit die Gelegenheit zu einer spannenden, zum Teil emotional aufwühlenden Zeitreise in das kollektive Gedächtnis Nachkriegs-Deutschlands, frei nach der Geschichtsdefinition des niederländischen Historikers Johann Huizinga: „Geschichte ist die geistige Form, in der sich eine Kultur Rechenschaft über ihre Vergangenheit ablegt.“
Klaus Füßmann, Leiter des Veranstaltungsprogramms der Theodor-Heuss-Akademie
Vortrag von PD Dr. Michael Zimmermann: Hitler und die Deutschen





