Europa und der moderne Islam

Mobashar Jawed Akbar, Prof. Dr. Abdullahi Ahmed An-Na'im, Aiman Mazyek (v.l.) Auf der in Berlin durchgeführten Konferenz „Europa und der Moderne Islam“ bestand unter den Teilnehmern grundsätzliche Übereinstimmung in der Auffassung, dass Demokratie und Islam einander keineswegs ausschließen. Dieser Konsens wurde auch angesichts unterschiedlicher Einschätzungen in den Diskussionen und Hinweisen auf gegenläufige Entwicklungen in islamisch geprägten Ländern nicht in Frage gestellt. Der Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung zu dieser durch das Auswärtige Amt geförderten Dialogveranstaltung waren gut 100 Fachleute aus Politik, Religion, Universitäten und Zivilgesellschaft gefolgt. Behandelt wurde unter anderem das in letzter Zeit wieder verstärkt ins Blickfeld gerückte Verhältnis von Religion und Staat, dessen Ausgestaltung westliche säkulare Gesellschaften im Zuge der Integrationsbemühungen muslimischer Zuwanderer vor große Herausforderungen stellt. Angesichts der Vielzahl offener, aber nach Lösung drängender Fragen definierte Irmgard Schwaetzer, Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung, die Aufgabe der Veranstaltung als einen „Beitrag zur Durchsetzung eines vernunftgeleiteten Austausches von Informationen und Meinungen und zur Identifikation von Lösungsansätzen in den westlichen Demokratien.“

Dr. Heba Raouf Ezzat, Reiner Heufers, Dr. Irmgard Schwaetzer, Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber, Dr. Otto Graf Lambsdorff, Prof. Dr. Bacharuddin Jusuf Habibie „Ich bin nicht für einen islamischen Staat, sondern nachdrücklich dafür, dass islamische Fragen demokratisch diskutiert und geregelt werden. Islam und Demokratie sind miteinander kompatibel. Die Muslime selbst müssen sich mit allem Nachdruck für die Demokratie einsetzen“, erläuterte Dato Seri Anwar Ibrahim, ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister von Malaysia. Bacharuddin Jusuf Habbibie, ehemaliger Präsident Indonesiens, des mit über 200 Millionen Muslimen größten islamisch geprägten Landes der Erde, rief Europa dazu auf, seiner Vorbildfunktion in Sachen Demokratie und Religionsfreiheit gerecht zu werden. Durch ein ständiges Aufzeigen der Grenzen zwischen Toleranz und Intoleranz könne Europa zu einer „islamischen Reformation“ beitragen.

Dr. Otto Graf Lambsdorff, Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber, Prof. Dr. Bacharuddin Jusuf Habibie Unter den internationalen Teilnehmern der Veranstaltung waren außerdem Abdullahi Ahmed An-Na’im, Professor für Recht an der Emory University Atlanta, Amin Abdullah, Rektor der Nationalen Islamischen Universität Sunan Kalijaga in Yogyakarta (Indonesien), Heba Rauf Ezzat, Politikwissenschaftlerin an der Universität Kairo und Beraterin des Weltwirtschaftsforums zu Fragen der Verständigung des Westens mit dem Islam, Mobashar Jawed Akbar, Herausgeber der indischen Zeitung The Asia Age sowie François Zabbal, Herausgeber der in Paris erscheinenden Kulturzeitschrift Qantara. Sie diskutierten u. a. mit Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Otto Graf Lambsdorff, Vorstandvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung, den Bundestagsabgeordneten Markus Löning und Hans-Michael Goldmann, Jules Maaten, Mitglied des Europäischen Parlaments sowie Vertretern deutscher und europäischer muslimischer Organisationen wie der Islamischen Gemeinschaft Deutschland (IGD), des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion für den interreligiösen Dialog (DITIB) und der Islamischen Föderation Berlin (IFB) und der Föderation islamischer Organisationen Europas.

Jules Maaten, MEP Die Diskussionen setzten sich mit den Themen „Religionsfreiheit und Rechtsstaat“, „Integration und Verhinderung von Parallelgesellschaften“, „Freiheitsrechte im Islam“, „Kultur und Erziehung“ sowie mit Aspekten der Außen- und Entwicklungspolitik auseinander. Eine Dokumentation ist in Vorbereitung.
Christian Taaks,
Institut für Internationale Zusammenarbeit und Politikberatung der Friedrich-Naumann-Stiftung





