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DDR-Geschichte: Schlussstrich versus Erinnerungskultur?

Müller-Sönksen, Jahn
Müller-Sönksen, Jahn
Das Gedenken an den Mauerbau vor 50 Jahren, an die Opfer des SED-Regimes und auch der Fall der Mauer vor 22 Jahren führen immer wieder die Menschenverachtung dieses Regimes vor Augen. Der wichtigen Frage, ob es einen Schlussstrich hierbei überhaupt geben darf oder ob nicht eher eine Erinnerungskultur für das durch die SED ergangene Unrecht aufgebaut werden muss, gingen Roland Jahn, Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde und Burkhardt Müller-Sönksen, Mitglied der FDP-Bundestagsfraktion in einem Podiumsgespräch in Hamburg nach.

Sich der eigenen Geschichte stellen heißt, sich mit den entsprechenden Phasen der eigenen Geschichte zu beschäftigen und sie nicht zu ignorieren. Das muss man nicht tagtäglich tun, kann man meist auch nicht. Aber Phasen in unserer Geschichte, die unter dem Zeichen der Unfreiheit und Unterdrückung standen, zu denen unter anderem auch mindestens die Zeit zwischen 1961 und 1989 im Osten Deutschlands stand, dürfen nicht vergessen, negiert und relativiert werden.

Für letzteres gibt es immer wieder traurige Beispiele, zu denen Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens gehören, die sich nicht vom Unrechtsstaat DDR distanzieren. Im Gespräch zwischen Roland Jahn und Burkhardt Müller-Sönksen ging es insofern nicht um DDR-Schelte, sondern um die Aufarbeitung des von Stasi und SED begangenen Unrechts sowie die Erinnerung daran.

Reges Zuschauerintresse zum Thema
Reges Zuschauerintresse zum Thema "Geschichte der DDR"
Erinnern – Aufarbeiten – Kommunikation: Täter und Opfer heute

Roland Jahn, Journalist und Jenaer Bürgerrechtler, ist nicht nur Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, sondern selbst ein Opfer des SED-Regimes. Er hat nach der Ausweisung Wolf Biermanns durch etliche unkonventionelle Protestaktionen auf Missstände in der DDR aufmerksam gemacht, die sanktioniert wurden. Er wurde 1983 gewaltsam aus der DDR ausgewiesen. Bis 1989 unterstützte er von West-Berlin aus die DDR-Opposition mit journalistischen Beiträgen. Durch seine persönlichen Erfahrungen sowohl als Betroffener, als auch als Journalist, ist er einer der wichtigsten Experten im Bereich der Stasi-Aufarbeitung. Roland Jahn sprach sich ganz klar für Erinnern, Aufarbeiten und Kommunikation zwischen Opfern und Tätern aus, wobei die Initiative von den Tätern ausgehen muss. Es suchten wenige der ehemaligen IMs heute den Kontakt zu ihren früheren Opfern, so Jahn, aber es gebe einige, die dies doch täten.

Kein Schlussstrich, sondern eine Erinnerungskultur

Es war keine Überraschung, dass nicht nur Roland Jahn und Burkhardt Müller-Sönksen, sondern auch viele Diskutanten aus dem Publikum der Meinung waren, dass es keinen Schlussstrich geben darf. Der Bundestag hatte im September mit der Novelle des Stasi-Unterlagen-Gesetzes ein Zeichen gesetzt, die Stasi-Aufarbeitung nicht „Geschichte werden zu lassen“. Denn sie gehört in die politische und öffentliche Debatte. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Etablierung einer Erinnerungskultur. Zu den Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert ist, zählt die Notwendigkeit, einer Generation von jungen Menschen, die die DDR nur aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern kennt, zu helfen das Unrecht des SED-Regimes zu begreifen. Dasselbe gilt für die Kinder von Migranten, die aufgrund ihres Hintergrundes auch keinen unmittelbaren, persönlichen Bezug zum Thema haben.

Burkhardt Müller-Sönksen, seit 2005 Mitglied des Bundestags und von 2005 bis 2009 im Menschenrechtsausschuss für die FDP, war im Sommer 2011 in seiner Funktion als Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Kultur und Medien zusammen mit seinem Thüringer Kollegen Patrick Kurth mit den Verhandlungen um die Novellierung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes betraut.

Petra Beckmann-Schulz


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letzte Änderung: 16.12.2011


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