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Warum funktioniert der Kapitalismus nicht überall?

Hernando de Soto
Hernando de Soto
Mit seinem Buch “The Mystery of Capital: Why Capitalism Triumphs in the West and Fails Everywhere Else” (dt.: Freiheit für das Kapital!) hat Hernando de Soto die weltweite entwicklungspolitische Diskussion entscheidend beeinflusst. Heute berät er Regierungen in vielen Ländern der Welt. Auf einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung (FNSt) in Berlin stellte er vor über 120 Zuhörern seine Thesen vor: Verbriefte, allgemein anerkannte und damit durchsetzbare Eigentumstitel sind die Grundvoraussetzung dafür, dass die Menschen ihre produktiven Potentiale nutzen und wirtschaftlich erfolgreich sein können. Alle Menschen sollten von den Chancen der Marktwirtschaft profitieren können. Anhand vieler plastischer Beispiele zeigte er, dass ohne rechtsstaatliche Institutionen sehr viele Menschen dazu verurteilt seien, in der Schattenwirtschaft zu überleben. Dort sei es aber praktisch unmöglich, das vorhandene Kapital produktiv zu nutzen.

Viele Dinge, die in westlichen Staaten selbstverständlich sind, wie etwa Grundbücher, funktionierende Banken oder auch nur Dokumente, die die Identität der Menschen verbriefen, sind für die Mehrheit der Weltbevölkerung bis heute nicht zugänglich. De Soto forderte die westlichen Länder auf, sich der Grundlagen ihres eigenen Erfolges wieder stärker bewusst zu werden und diese in ihre Entwicklungspolitik zu integrieren.

In der von Manfred Richter, Vorstandsmitglied der FNSt, moderierten Diskussion, in der unter anderem Dr. Otto Graf Lambsdorff und Professor Günter Faltin von der FU Berlin zu Wort kamen, gab es viel Zustimmung zu den Thesen de Sotos. Es wurde aber auch deutlich, dass die Realisierung funktionierender Eigentumsordnungen von vielen, von Land zu Land verschiedenen Faktoren abhängt. Es gibt also kein einfaches „Modell“, das sich einfach überall auf der Welt umsetzen ließe.

Hellmut Königshaus MdB, Sprecher für wirtschaftliche Zusammenarbeit der FDP-Bundestagsfraktion, unterstrich in seinem Schlusswort, dass sich die Entwicklungszusammenarbeit viel mehr als bisher darauf konzentrieren müsse, den Aufbau rechtsstaatlicher Institutionen zu unterstützen und so den Entwicklungsländern den Weg aus Armut und Abhängigkeit zu eröffnen. Die FDP werde darauf hinwirken, die deutsche Entwicklungspolitik in diese Richtung weiter zu entwickeln.

Sascha Tamm
letzte Änderung: 12.09.2008


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