Bürokratie ist teuer - weltweit

Studie von dem Forschungsinstitut `Strategic Partnerships for Business Growth´ Im Juni 2005 erschien eine gründliche Studie des Systems von Gesetzen, Vorschriften, Verordnungen und Anweisungen die Firmen im Umgang mit Behörden und Ämtern zu beachten haben. Sie hat ergeben, dass der südafrikanischen Wirtschaft durch diese Auflagen 2004 Kosten in Höhe von 79 Milliarden Rand (fast 10 Millionen Euro) entstanden. Dieser Betrag entspricht 6,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Südafrikas und hat eine breite Diskussion entfacht, da der bürokratische Aufwand als ein Hindernis für Wirtschaftswachstum gesehen wird.
Ein Ergebnis der Studie, die von dem Forschungsinstitut `Strategic Partnerships for Business Growth´ in Afrika erstellt und von der Friedrich Naumann Stiftung teilfinanziert wurde, hat zu besonders kritischen Kommentaren geführt: nämlich die Tatsache, dass kleine Unternehmen von dem zu leistenden bürokratischen Aufwand viel härter betroffen sind als die größten Firmen. So mussten Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 1 Millionen Rand (etwa 125.000 Euro) für den verordneten Papierkrieg 8,3 Prozent ihres Umsatzes aufbringen, während die größten Betriebe mit einem Umsatz von mehr als 1 Milliarde Rand (etwa 125 Millionen Euro) für die bürokratischen Erfordernisse im Jahr nur mit 0,2 Prozent ihres Umsatzes belastet waren.
Zwar ist es das erklärte Ziel der vom African National Congress (ANC) gestellten Regierung, die im Parlament über eine zweidrittel Mehrheit verfügt, gerade für den weit überwiegenden schwarzen Teil der Bevölkerung des Landes Voraussetzungen für eine Besserung ihrer harschen Lebensbedingungen zu schaffen. Aber bisher verstrickt sich die Regierung bei ihrem Versuch den Forderungen einer global-orientierten modernen Wirtschaftsentwicklung gerecht zu werden, jedoch gleichzeitig bestrebt bleibt an einer interventionistischen, regulativen Wirtschaftsform festzuhalten, fortwährend in Widersprüche, und schafft unnötige Hindernisse, die den Fortschritte hemmen. Der Grund für diese Haltung ist, dass der ANC von seinem Herkommen her einer freien Marktwirtschaft mit Skepsis gegenübersteht.
Es ist eine Binsenwahrheit, dass Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze von den Rahmenbedingung eines Landes und den Entfaltungsmöglichkeiten für klein- und Mittelunternehmen abhängen, denn gerade sie schaffen die Voraussetzung für mehr Beschäftigung. Doch just der zukünftige Kleinunternehmer, der eine Firma mit einem Umsatz von mehr als 300 000 Rand – das sind nicht einmal 40 000 Euro – gründen will, muss neun Voraussetzungen erfüllen und fünf verschiedene Regierungsstellen besucht haben, um die notwendige Registrierung zu erreichen. Um alles erledigt zu haben, braucht er im Durchschnitt 26 Tage.
Zwar liegt Südafrika im weltweiten Vergleich im guten Mittelfeld - im überregulierten Deutschland müssen 10 Voraussetzungen erfüllt sein und die Prozedur dauert im Durchschnitt 45 Tage – aber das wird den zukünftigen Unternehmer in Südafrika kaum trösten, denn er möchte mit möglichst wenig Aufwand am Wirtschaftsgeschehen teilhaben und dies ist zweifellos von Vorteil für sein Land.
Eva-Maria Köhler-Renfordt
Regionalbüroleiterin Afrika





