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Bonn: Liberale Außenpolitik im 20. Jahrhundert

Im Haus der Geschichte in Bonn
Im Haus der Geschichte in Bonn
Zwischen 1922 und 1998 haben die Liberalen 37 Jahre lang den deutschen Außenminister gestellt. Das sei unter allen Parteien ein einsamer Rekord, wie das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Rolf Berndt, feststellte. Dennoch werde die Bedeutung des Liberalismus für die Außenpolitik immer noch von der Zeitgeschichtsschreibung unterschätzt oder kaum thematisiert. Dem sollte das Kolloquium „Liberale Außenpolitik im 20. Jahrhundert – Grundmuster und Wandel“ entgegenwirken, das in Bonn stattfand. Das Bonner „Haus der Geschichte“ war Kooperationspartner für die Tagung, bei der führende Zeithistoriker und ehemalige Bundesminister vor rund 200 Gästen in den Dialog traten.

 

Hütter
Hütter
Nach der Begrüßung durch Rolf Berndt und den Hausherren, Prof. Hans Walter Hütter, ging Prof. Wolfgang Michalka auf Walter Rathenau ein und fragte danach, ob der 1922 amtierende erste Chef des Auswärtigen Amtes aus den Reihen des organisierten Liberalismus eine „liberale“ Tradition in dieser Funktion begründet habe. Michalka stellte zwar heraus, dass Rathenau sich offiziell als „unabhängiger Fachminister“ verstanden habe. Es sei aber mit ihm in Stil und Mitteln eine veränderte außenpolitische Linie zu erkennen, indem erstens vornehmlich die Wirtschaft als Instrument der Außenpolitik genutzt werden sollte.

 

Michalka
Michalka
Außerdem sei der Wiederaufstieg Deutschlands nach dem I. Weltkrieg nur im Gleichklang mit den anderen west-europäischen Staaten und unter der Einbeziehung der USA als möglich angesehen worden. Der Aufsehen erregende Vertrag von Rapallo sei dagegen für Rathenau eher ein Notbehelf gewesen, der aber bereits die mögliche Rolle Deutschlands als Mittler zwischen Ost und West andeutete. So sei Rathenau zwar nicht Begründer einer genuin liberalen, wohl aber einer republikanisch-demokratischen Außenpolitik und damit zu einem Vorgänger Gustav Stresemanns geworden.

 

Ersetzung der militärischen Macht durch Wirtschaftskraft

 

Kolb
Kolb
Diesem, dem Außenminister von 1923 bis 1929 und Friedensnobelpreisträger von 1926, widmete Prof. Eberhard Kolb einen Vortrag unter der Leitlinie „Liberalismus und Nationalismus in Stresemanns außenpolitischer Konzeption“. Der emeritierte Kölner Ordinarius machte darauf aufmerksam, dass Stresemann der erste liberale Außenminister war, der zugleich den Parteivorsitz innehatte. Zwar sei er stark von der nationalliberalen und imperialen Tradition geprägt gewesen, habe dann aber die Notwendigkeit erkannt, dass Deutschland nach 1918 außenpolitisch nicht auf diesem Wege fortfahren konnte. Unter dem Schlagwort „nationale Realpolitik“ setzte Stresemann den von Rathenau eingeschlagenen Kurs im Grunde genommen fort und konnte dabei auf vielen Feldern weit größere Erfolge erzielen als sein nach kurzer Amtszeit ermordeter liberaler Vorgänger. Interessanterweise verstand Stresemann selbst seine Außenpolitik als „bismarckianisch“, nun eben „republikanisch“ gewendet und unter Ersetzung der militärischen Macht durch Wirtschaftskraft. Wie bei dem von ihm verehrten „Reichsgründer“ galt die Hauptsorge Stresemanns, außenpolitisch als berechenbar zu erscheinen. Obwohl sich parteipolitisch Stresemanns Außenpolitik nicht auszahlte, habe dieser, so Kolb, „nicht wenig für Deutschland erreicht“.

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letzte Änderung: 27.10.2009


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