Vergleich: Bewältigung kommunistischer Vergangenheit

Dr. Anneli Ute Gabanyi im Gespräch mit den Teilnehmern der Studienreise Dr. Anneli Ute Gabanyi von der Forschungsgruppe EU-Außenbeziehungen der Stiftung Wissenschaft und Politik brachte es auf den Punkt: Sie wäre froh gewesen, hätte sie an dem Besuchsprogramm für Liberale aus Bulgarien, Mazedonien, Moldawien und Rumänien vollständig teilnehmen können – so vielfältig waren die Angebote, so hochkarätig die Referenten.

Innerdeutsche Grenze* Das Thema „Bewältigung der kommunistischen Vergangenheit am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland“ führte die Teilnehmer eine Woche lang unter anderem in die Forschungsgedenkstätte Normannenstraße in Berlin, zur Gedenkstätte Hohenschönhausen, an die Bernauer Straße, zur Stasi-Unterlagenbehörde nach Dresden, ins Zeitgeschichtliche Forum nach Leipzig und schließlich zur Friedrich-Naumann-Stiftung nach Potsdam.

Begrüßung durch Dr. Detmar Doering Im dortigen Kaminzimmer mit Blick auf die ehemalige Grenze zwischen Ost und West galt es nach einer Begrüßung durch Dr. Detmar Doering, Leiter des Liberalen Instituts, und einführenden Statements von Rainer Willert (Projektleiter Büro Belgrad) sowie Dr. Gabanyi Bilanz zu ziehen – dabei interessierten vor allem die Unterschiede, die bei der Bewältigung der kommunistischen Vergangenheit in Deutschland und in den Herkunftsstaaten der Teilnehmer auffällig wurden.

Rainer Willert So wurde mehrfach der im wahrsten Sinne des Wortes ‚sortierte’ Umgang mit den Stasi-Akten hierzulande hervorgehoben und der Umstand, dass damit Missstände verhindert werden konnten – wie etwa Erpressungsversuche mit unterschlagenen Akten durch ehemalige Geheimdienstmitarbeiter, die in manchen Staaten des ehemaligen Ostblocks auf der Tagesordnung stehen. Ein Teilnehmer beschrieb seine Eindrücke aus Deutschland so: „Deutschland hat wohl bei der Öffnung der Akten große Erfolge gehabt, aber weniger bei der juristischen Verfolgung des DDR- und SED-Unrechts.“ Auch über Karrieren ehemaliger Stasi-Offiziere nach der Wende gab es Verwunderung.

Engagierte Diskussion: Nadejda Kosseva, Sibel Redzheb (beide Bulgarien) Der Umstand, dass Deutschland schon einmal mit dem Nationalsozialismus ein Unrechtsregime politisch und gesellschaftlich zu verarbeiten hatte und damit über gewisse Erfahrungen verfügt, wurde thematisiert; ebenso der Eindruck, dass die Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen auf dem Boden der DDR wohl angesichts dieses Umstandes und aufgrund immer noch weit verbreiteter Sympathie für die Ideen des Kommunismus auf ungerechtfertigte Nachsicht stoßen. Phänomene wie die in den neuen Ländern weit verbreitete ‚Ostalgie’ waren den Gästen vorher so nicht bekannt.
Dies zusammengenommen, müsse – so einer der Teilnehmer – den traurigen Eindruck vermitteln, dass sich die Opfer des kommunistischen Unrechts in der DDR auch jetzt, bald 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des Systems, noch immer als Opfer fühlten – und nicht als Sieger der Geschichte.
Veranstaltungstipp: Störfaktor Literatur - Zeitzeugen der DDR
* Foto: Andreas Praefcke





