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Berlin: Kubas Zukunft - Ruin oder Freiheit?

Im Kino <i>Babylon:</i> Das Filmteam stellt sich dem Publikum
Im Kino Babylon: Das Filmteam stellt sich dem Publikum
Kein Zufall, dass die Veranstaltung „Kubas Zukunft: Ruin oder Freiheit?“ emotional besonders aufgeladen war: Sie fand im Kino Babylon am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz statt, dort wo die Bundesgeschäftsstelle der PDS ist und genau dort, wo Erich Mielke 1931 zwei Polizisten aus dem Hinterhalt erschoss und einen schwer verletzte. Kuba mit dem Regime Castro ist heute für viele Sozialisten – nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa – so etwas wie ein Hoffnungsanker, Trutzburg und Symbol einer vergangenen Zeit. Im Publikum saßen einige von ihnen, wie sich in den Diskussionen zeigte, und es zeigte sich auch, dass sie sich schwer taten mit dem Bild, das auf dem Podium von Kuba gezeichnet wurde.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung hatte den Veranstaltungsort mit Bedacht gewählt: Im Anschluss an die Diskussion fand im Babylon die Deutschland-Premiere des Dokumentarfilms „Havanna – Die neue Kunst Ruinen zu bauen“ statt, erst kürzlich mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet und im Dezember in Havanna von der kubanischen Zensur aus dem Programm des dortigen Filmfestivals gestrichen.

Marina Schuster MdB, Florian Borchmeyer, Prof. Dr. Günther Maihold, Boris Santa Coloma
Marina Schuster MdB, Florian Borchmeyer, Prof. Dr. Günther Maihold, Boris Santa Coloma
Regisseur Florian Borchmeyer, Altstipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung, drehte die eindrucksvolle Dokumentation unter Bedingungen der real existierenden Diktatur, deren Einschränkungen und Behinderungen er sich geschickt entzog – sein Bericht darüber ist lesenswert. Er saß auf dem Podium neben Marina Schuster MdB (FDP), Boris Santa Coloma, freier Journalist und ehemaliger kubanischer Diplomat sowie Prof. Dr. Günther Maihold, Stellvertretender Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Dr. Wolfgang Gerhardt
Dr. Wolfgang Gerhardt
Nach der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung, Dr. Wolfgang Gerhardt, und dessen Hinweis, dass die Stiftung gerne in Kuba tätig wäre, wenn sie selbst entscheiden dürfte, mit wem sie dort wann, wo und worüber auch immer sprechen könne, zeichnete Maihold in seinem Impulsreferat ein ausgesprochen differenziertes Bild der Lage Kubas.

Prognosen über die Zukunft des Landes nach einem Ende der Ära Fidel Castro seien nur schwer zu treffen. Die wirtschaftliche Lage sei zwar wieder etwas entspannt, was mit der Unterstützung zusammenhänge, die Fidels neuer Partner Hugo Chavez aus Venezuela gewähre. Trotzdem herrsche in der Bevölkerung eine latente Stimmung der Unzufriedenheit. Daraus entstünde aber keine breitere Oppositionsbewegung, da es an Köpfen wie einst in Polen Lech Walesa fehle, die als Schrittmacher fungieren könnten. Fidel Castros Charisma habe in Kuba viele Intellektuelle fasziniert und gebunden, so Maihold, vielleicht werde ja aus diesem Fundus nach dem Tod des Maximo Lider die eine oder andere Führungsfigur kommen, vielleicht auch aus dem Umfeld der katholischen Kirche – konkrete Anhaltspunkte dafür gebe es aber nicht.
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letzte Änderung: 12.09.2008


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