Ausstellungseröffnung: Geschichte des Liberalismus

Akademieleiter Dr. Karl-Heinz Hense Das Bild des deutschen Liberalismus ist seit je starken Schwankungen ausgesetzt. Die einen negieren seine Bedeutung weitgehend und halten Deutschland für einen Staat ohne nennenswerte liberale Tradition. Liberale Einflüsse seien immer von außen gekommen und hätten kaum Spuren in der politischen Kultur hinterlassen. Andere dagegen sehen Deutschland seit der Reformation und der Aufklärung als ein Kerngebiet liberaler Philosophie, die zwar nicht so stark wie in Westeuropa, aber weit stärker als im Osten des Kontinents die politische und gesellschaftliche Entwicklung hierzulande beeinflusste. Vor allem die Bundesrepublik stelle eine liberale Erfolgsgeschichte dar.

Dr. Jürgen Frölich Dr. Jürgen Frölich vom Archiv des Liberalismus in Gummersbach führte in seinem Vortrag aus, dass die historische Wahrheit häufig irgendwo in der Mitte zwischen beiden extremen Positionen liege, seiner Auffassung nach näher allerdings bei der zweiten, positiven Sicht des Liberalismus. Denn es gebe ohne Zweifel in Deutschland eine starke Tradition, die sich in verschiedenen Epochen deutlich nachweisen lasse: Dass Deutschland im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einem nationalen Verfassungsstaat umgewandelt worden sei, verdanke sich ebenso dem Drängen liberaler Politiker wie der Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland: Deren Verfassung, Sozialordnung und außenpolitische Ausrichtung sei ohne die Mithilfe von Liberalen nicht denkbar, auch nicht die Wiedervereinigung von 1989/90.
Der Referent machte schließlich auf einige Klippen bei der Umsetzung der liberalen Geschichte in eine Ausstellung aufmerksam. Die Ausstellung gebe dennoch einen guten und ausgewogenen, das heißt: nicht unkritischen Einblick in mehr als zwei Jahrhunderte liberaler Geschichte in Deutschland.Vortrag Dr. Jürgen Frölich




