Ausstellung: Paradoxien und Reflexionen
1980 flüchtete Thekla Furch in einem Diplomatenwagen von Ost-Berlin nach West-Berlin. Der Bruch mit dem DDR-System, ihr Neustart in Freiheit und die Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands prägen ihr Schaffen. Thekla Furch lebt seit der Wende wieder in Brandenburg. Im Truman-Haus zeigt sie bis zum 1. Juni 2007 26 politische Bilder.Lanfermann Heinz Lanfermann MdB, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung, verwies in seiner Eröffnungsrede auf die am Tag zuvor erfolgte Stiftungs-Umbenennung in ‚Friedrich Naumann – Stiftung für die Freiheit’. Nunmehr rücke der Wert der Freiheit in den Mittelpunkt der Stiftungsarbeit. Thekla Furch verkörpere die persönlichen Erlebnisse von Unfreiheit sowie Freiheit, so Lanfermann. Die Werke Furchs zeigen, dass die DDR nie verharmlost und verklärt werden dürfe.
In einem äußerst interessanten Vortrag setzte sich Hannelore Offner, Kunsthistorikerin, mit der Frage „Freiheit der Kunst in der DDR?“ auseinander. Künstler fürchteten in der DDR die Einengung ihrer künstlerischen Freiheit, der Staat fürchtete die in Infragestellung seiner Macht durch die Künstler, so Offner. „Obwohl Kunstschaffende um Freiräume gerungen haben und viele konsequent ihrem inneren Auftrag folgten, blieben sie von staatlicher Bevormundung nicht unberührt. Selbst die subkulturelle und alternative Kunstszene konnte nicht völlig autark agieren.“ Ein individueller Stil von Künstlern habe bis zuletzt als „Zeichen einer politisch feindlichen Gesinnung“ gegolten, der Künstler war per se schon verdächtig, sich von der gleich geschalteten Gesellschaft abzuwenden.
Furch, Offner (v.l.) „Obwohl im Umgang mit den Intellektuellen Phasen der Restriktion immer wieder von so genannten Tauwetterperioden abgelöst wurden, gab die Partei nie ihren Anspruch auf, die Kunstpolitik zu dirigieren. Gewährte Freiräume sollten kurzfristig nur der Stabilisierung des Systems dienen, auch wenn sie auf lange Zeit gesehen die Position der Künstler stärkten. In der Kunstpolitik gab es periodische Schwankungen zwischen Anspannung und Entkrampfung, aber die Partei bestimmte wann und in welcher Form - Zensur war hierfür ein Mittel und immer ein Akt der Willkür und der Gnade.“
Resümierend stellte Offner dar: „Die Auseinandersetzung mit Bevormundung und Gängelei in totalitären Systemen bezeugt, welche Gefährdung des für die Kunst unabdingbaren Freiraums zu allen Zeiten besteht.“Michael Gold
Büro Berlin-Brandenburg
Dauer der Ausstellung:
26. April bis 1. Juni
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 17.00 bis 19.00 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 10.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt: frei
Ausstellungsort:
Friedrich Naumann - Stiftung für die Freiheit
Truman-Haus
Atrium im Neubau
Karl-Marx-Straße 2
14482 Potsdam-Babelsberg
S-Bahn Griebnitzsee
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