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Auf dem Sprung - Frauen in der Bürgergesellschaft

Axel Hoffmann im Gespräch mit Carola Ferstl und Cornelia Pieper
Axel Hoffmann im Gespräch mit Carola Ferstl und Cornelia Pieper
„Ein Jubiläum, das untergeht“, so nannte die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Cornelia Pieper MdB den 90. Jahrestag des Frauenwahlrechts in Deutschland und in der Tat: die Medien hatten das Jubiläum im Januar eher en passant gewürdigt. Frauen konnten in Deutschland bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erstmals auf nationaler Ebene ihr Wahlrecht nutzen. Wohlwollend könnte man meinen, weil das Frauenwahlrecht heute als blanke Selbstverständlichkeit angesehen wird…

Cornelis Pieper
Cornelis Pieper
Bei der Stiftungsveranstaltung in Potsdam, die vom Stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Axel Hoffmann eingeleitet und moderiert wurde und sich mit den Mitwirkungsmöglichkeiten von Frauen in der Bürgergesellschaft befasste, spielten die immer wieder zitierten Kennziffern des Themas eine Rolle, etwa die geringe Zahl an weiblichen Mitgliedern in den Vorständen der deutschen DAX-Unternehmen – obwohl laut einer Umfrage 69 Prozent der Deutschen Frauen „für die besseren Chefs“ halten.

„Frauen haben die Bildung erobert“

Briefmarkensatz
Briefmarkensatz "50 Jahre Frauenwahlrecht"
Dennoch wies Pieper auch auf Erfolge hin, bei den Liberalen und in der Gesellschaft. Fünf der zwölf bestplatzierten Kandidaten auf der gemeinsamen Liste der FDP für die anstehenden Europawahlen sind weiblich. Vor allem aber hätten Frauen „die Bildung erobert“, sagte Pieper und wies darauf hin, dass Mädchen und Frauen inzwischen die Mehrzahl der Abiturienten und Schulabgänger stellen. Ein großer Erfolg, so Prof. Ilse Nagelschmidt vom Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Leipzig, besonders vor dem Hintergrund, dass erst Anfang des 20. Jahrhunderts der Weg an die Universitäten für Frauen frei gemacht wurde und dies lange Zeit durchaus nur schleppend.

Ilse Nagelschmidt
Ilse Nagelschmidt
Nagelschmidt nannte das 21. Jahrhundert „das Jahrhundert der Frauen“, zählt aber auch einige Punkte auf, an denen es harkt. Das Durchdringen weiblichen Personals in die Führungsetagen der Wirtschaft werde immer noch deutlich von dem Umstand gebremst, dass es Frauen wie eh und je vorzögen, „in Softfächern zu studieren“. Dies erkläre teilweise die Analyse „gute Bildung, wenig Verdienst“. Ein Schatten auf die guten Zahlen bei Schul- und Studienabschluss werfe auch der geringe Anteil an weiblichen Promovierenden und Habilitierenden.

Pflege von Netzwerken, Mut zum Experiment

Nagelschmidt zitierte die Nobelpreisträgerin für Physiologie oder Medizin, Christiane Nüsslein-Volhard: „Frauen sind weniger zielstrebig und konkurrenzbewusst.“ Daran aber könne man arbeiten und empfahl den im Publikum zahlreich vertretenen jungen Frauen so einige Strategien, die in der Männerwelt selbstverständlich seien. Dazu gehörten der Aufbau und die Pflege von Netzwerken, Mut zum Experiment, die Suche nach Vorbildern und nicht zuletzt der „Mut zur Quote“.

Carola Ferstl
Carola Ferstl
Dass all dies funktioniert konnte schließlich n-tv-Moderatorin Carola Ferstl bezeugen, die (ohne Quote) eine steile Karriere in einer typischen Männerdomäne gemacht hat, dem Börsenfernsehen. “Im Sommer 1992 las ich in einer Zeitschrift, dass Karl-Ulrich Kuhlo“, Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, „einen Nachrichten-Sender aufbaut. Da musste ich hin.“ Kurz entschlossen griff sie zum Telefon – und 14 Tage später hatte sie ihren Vertrag als n-tv Mitarbeiterin in der Tasche.

Ferstl schloss sich prinzipiell den Ratschlägen Nagelschmidts an. Die dreifache Mutter betonte aber besonders die Notwendigkeit einer guten Kinderbetreuung – für die meisten Frauen unabdingbare Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier habe Deutschland in vielen Regionen erheblichen infrastrukturellen Nachholbedarf. Während sich der mit ausreichend Mitteln mittelfristig ausgleichen lasse, bestehe aber noch ein anderes Problem: Frauen, die Kinderbetreuung frühzeitig in Anspruch nähmen, um beruflich voranzukommen, gälten in Deutschland mehr als anderswo noch immer verbreitet als „Rabenmütter“ – sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

Boris Eichler

Veranstaltungen der Stiftung zum Thema Frauen
letzte Änderung: 09.04.2009


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