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Freiheitssymposium 2012 – Mehr Vertrauen in Europa

Im dbb Forum Berlin
Im dbb Forum Berlin
Gerade jetzt einmal über Europa sprechen, ohne sich auf Schuldenkrise und Euro zu beschränken – das war das Anliegen des Freiheitssymposiums in Berlin, bei dem Hans-Dietrich Genscher, Heinrich August Winkler, John Kornblum und Sir Graham Watson auf dem Podium des mit 400 Gästen voll besetzten dbb-Forums saßen.

Gerhardt
Gerhardt
In der Tat: In den letzten Monaten ist in Vergessenheit geraten, welche "historischen Trümmer Europa einmal beiseite räumen" musste, wie Wolfgang Gerhardt es in seiner Begrüßung ausdrückte, um den "Rückfall in alte Katastrophen" zu verhindern. Der Vorsitzende des Vorstands der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hob hervor, es gebe auf keinem Kontinent der Erde Länder, die wie in Europa auch mit der eigenen Geschichte ins Gericht gegangen seien. Zu dieser Gemeinschaft seien vor zwanzig Jahren Nationen dazugekommen, "wie aus dem Gefrierfach der Geschichte aufgetaucht." Die kritische Masse für eine wirkliche europäische Loyalität sei jedoch noch nicht erreicht, so Gerhardt: "Wir müssen uns darum bemühen."

Kornblum: "Das war nicht pessimistisch, das war realistisch."

Was Gerhardt von Beginn an klar machte: Es geht nicht nur um Europa, sondern auch um das transatlantische Bündnis. Dies wurde nicht zuletzt durch die Besetzung des Podiums mit einem Gast aus den USA deutlich: John Kornblum, Ehemaliger US-Botschafter in Deutschland und ehemaliger US-Botschafter bei der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Kornblum machte seine Perspektive deutlich, nach der transatlantische Nähe keine Selbstverständlichkeit ist. Immerhin hätte ein großer Teil der Einwanderer in die USA Europa bewusst den Rücken gekehrt. Und europäische Intellektuelle hätten auch heute nichts Besseres zu tun, als zu beweisen, dass Amerikaner inhaltslos, asozial und kulturlos seien. Amerikaner dagegen bereite es Vergnügen, sich über die Langsamkeit und Schwäche Europas auszulassen.

Kornblum
Kornblum
Sowohl die USA als auch Europa seien heute nur noch Punkte in einem weltweiten Netzwerk – beide beschäftige es sehr, sich darin und damit zurechtzufinden. In den USA gewänne man aber mehr und mehr den Eindruck, dass Europa nicht mehr funktioniert: "Die Strukturen sind überholt." Was in Europa kaum wahrgenommen werde: Als militärische Größe habe man Europa in den USA bereits abgeschrieben. Insgesamt kämen Europäer fast immer nur mit negativen Beschreibungen ihres eigenen Kontinents: Eine Gemeinschaft, die ein Ausscheren Deutschlands verhindere oder Krieg in der Alten Welt. Positives höre man kaum, nur Warnungen davor, was ohne Europa wäre.

"Ein sehr pessimistisches Urteil über Europa", resümierte Moderator Udo van Kampen – dem Kornblum flugs widersprach: "Das ist euer Problem – das war nicht pessimistisch, das war realistisch."

Die Bürgerinnen und Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt

Heinrich August Winkler, em. Professor für Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, betonte vor allem zwei Punkte: Zum einen den europäischen Konstruktionsfehler, die Union als Objekt der Exekutive zu behandeln, zum anderen die mangelnde Einsicht darin, dass wir in keiner europäischen Wertegemeinschaft, sondern in einer Wertegemeinschaft des Westens leben.

Die Hoffnung, die gemeinsame Währung bringe "mit innerer Zwangsläufigkeit" auch die politische Einheit, habe sich als nicht begründet herausgestellt. Zwar bestehe Einigkeit unter den Euro-Staaten, dass der Währungsunion eine Fiskalunion und später eine politische Union folgen müsse. Nicht aber über den Weg dorthin.
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letzte Änderung: 14.06.2012


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