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Auftaktveranstaltung zur Reihe "Polen verstehen"

Deutsch-polnische Beziehungen: Gestern - Heute - Morgen

v.l. Andrzej Osiak, Heiko Vosgerau, Petra Beckmann-Schulz, Julia Witte, Marek Prawda
v.l. Andrzej Osiak, Heiko Vosgerau, Petra Beckmann-Schulz, Julia Witte, Marek Prawda
Wo befinden sich die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland - im Gestern, Heute und Morgen? Zum Beginn der fünfteiligen Reihe „Polen verstehen“, die die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit gemeinsam mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg durchführt, kam der polnische Botschafter in Deutschland, Marek Prawda, nach Hamburg, um die deutsch-polnischen Beziehungen in verschiedenen Kontexten zu lokalisieren.



Das Verbindende zwischen beiden Völkern

 

Andrzej Osiak, Generalkonsul der Republik Polen in Hamburg
Andrzej Osiak, Generalkonsul der Republik Polen in Hamburg
Der Erfolg des einen Nachbarn war sehr lange stets der Misserfolg des anderen gewesen und es gab nach dem Ende des zweiten Weltkriegs 20 Jahre lang keinerlei offizielle Beziehungen zwischen Polen und Deutschland. Dies ist lange her. Einen Neubeginn wagten nach den 20 Jahren die Kirchen. Als die polnischen Bischöfe sagten „Wir vergeben und bitten um Vergebung“, wurde diese ausgestreckte Hand aber zunächst „im Asbesthandschuh“ ergriffen: Das Hindernis bei der Weiterentwicklung der Beziehungen war noch die Nichtanerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Doch die Kirche und andere Gruppen, wie unter vielen Genannten „Aktion Sühnezeichen“, brachten die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland voran. Sie bewegten die Menschen dazu, sich auch mit den Augen des Nachbarn zu betrachten, so dass Deutsche und Polen heute schon auf eine lange Tradition der Begegnung auf ethischer Ebene zurückblicken können.

 


1980 - 1989 und danach: „Der Osten will Westen werden“

 

Marek Prawda, Botschafter der Republik Polen in Deutschland
Marek Prawda, Botschafter der Republik Polen in Deutschland
Vor 1980 herrschte in Polen eine „Warteraum-Mentalität“, d. h. wenn man noch etwas von Leben wollte, wartete man, um dann in einen Zug zu steigen und Polen zu verlassen. Denn – so war die allgemeine Meinung vor 1980 – in Polen würde sich nichts mehr ändern. Aber 1980 wurde Solidarnosc gegründet und nach den darauf folgenden Jahren der Freiheitsbewegung in der Illegalität (aufgrund des Kriegsrechts), kam das Jahr 1989. Polen sah sich vor zwei Alternativen gestellt: Die eine war riskant, die andere hoffnungslos. So hieß in Polen nach 1989 die Devise „Der Osten will Westen werden!“ Einen „dritten Weg“ wollte man nicht gehen, man wollte alles Mögliche, auch eine vorübergehende Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen, um möglichst schnell den Transformationsprozess hinter sich zu lassen und in jeder Beziehung zum Westen zu werden. Es sei damals nicht unbedingt Deutschlands Stärke gewesen, an Polen zu glauben, während die Amerikaner sehr wohl sagten: „Ihr schafft es.“


 

Ungleichzeitigkeiten und unterschiedliche Entscheidungen

 

Ähnlich wie es Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg erlebt hatte, gab es in Polen nach 1989 keine Zeit für die Aufarbeitung von Geschichte. Denn man wollte möglichst schnell ein demokratischer und kapitalistischer Staat werden. Etwa 15 Jahre später setzte dann sehr wohl die Aufarbeitung, gerade auch von „weißen Flecken“ in der polnischen Geschichte ein. Das sei in Deutschland aber nicht so recht bekannt.

 

Wie grundsätzlich unterschiedlich sich die beiden Nachbarn in der Außenpolitik entscheiden können, zeigte, so Marek Prawda, die Frage der Beteiligung am Irak-Krieg: Dies sei das erste Mal gewesen, dass sich eine deutsche Regierung eindeutig gegen den Verbündeten USA entschied, Polen sich hingegen als „loyaler Partner der USA“ erwies. Konträrer hätte die Entscheidung in dieser Frage zwischen Deutschland und Polen nicht ausfallen können.



Zentrum gegen Vertreibungen

 

Deutschland sei an Polen mit dem Projekt „Zentrum gegen Vertreibungen“ herangetreten. Die polnische Seite habe gar nicht unbedingt mitwirken wollen. Man habe den Deutschen gesagt, ein solches Engagement sei auch ohne polnische Mitwirkung möglich. Doch Deutschland habe das Zentrum unbedingt mit Polen aufsetzen wollen. Daraufhin sei das zentrale Argument Polens gewesen (das ist es immer noch), dass Vertreibungen sicher Teil der humanitären Katastrophe des zweiten Weltkriegs seien, aber nicht der primäre Teil. Inhaltlich drehe sich die Diskussion vor allem um diese Auffassung und ihre Konsequenzen.

 


Die friedliche Revolution als der Beginn einer neuen Zukunft

 

Die Bedeutung, die die friedliche Revolution von 1989 für Polen und Deutschland hat, müsse stärker ins öffentliche Bewusstsein gelangen. Sie war der Beginn einer neuen Nachbarschaft und auch die Voraussetzung für eine (spätere) Mitgliedschaft Polens in der EU.




Julia Witte, Marek Prawda
Julia Witte, Marek Prawda
Marak Prawda...
Marak Prawda...
...im Gespräch mit Teilnehmern.
...im Gespräch mit Teilnehmern.
letzte Änderung: 15.01.2010


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