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Bonn: Konferenz "Liberalismus und Religion"

Gesellschaften zwischen Säkularismus und Renaissance des Religiösen

Internationale Konferenz im Gremiensaal der Deutschen Welle in Bonn
Internationale Konferenz im Gremiensaal der Deutschen Welle in Bonn
„Es gilt, das Vorurteil zu widerlegen, dass Liberalismus gegen die Religion und Liberale gegen die Hinwendung zum Transzendenten seien“, hieß es in der Einladung. Wer die drei Panels des internationalen Kongresses „Liberalismus und Religion – Gesellschaften zwischen Säkularismus und Renaissance des Religiösen“ in Bonn aufmerksam verfolgt hatte konnte sich fragen, ob es dieses Vorurteil je gegeben hat – die Vertreter der verschiedenen Religionen waren sich nämlich weitgehend einig über das Verhältnis von Religionsgemeinschaften und dem Staat – über das Verhältnis wie es ist und wie es sein sollte.

 

Das erstaunliche Maß an Harmonie zwischen Politik und Religionen im Gremiensaal der Deutschen Welle beruhte sicher ein gutes Stück darauf, dass viele der Panelisten von liberaler Grundüberzeugung waren. Es machte zugleich Hoffnung in einer Zeit, in der das Thema fast regelmäßig mit Unterzeilen à la „Kampf der Kulturen“ versehen wird.

 

Beteiligte sich an der Diskussion: Otto Graf Lambsdorff
Beteiligte sich an der Diskussion: Otto Graf Lambsdorff
So wurden klassische Aufreger wie ein Kopftuchverbot an deutschen Schulen, Religion und Terrorismus oder Menschenrechte insbesondere in islamisch geprägten Staaten zwar gestreift, sie standen aber nicht im Mittelpunkt. Stattdessen zeigte sich vor allem in den Diskussionsrunden zum Verhältnis von Staat und Religion aus liberaler Sicht und zum Weg Deutschlands im Umgang mit den Religionen eine weitgehende Einigkeit von Politikern und Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften, die allesamt den Wert von Religion für eine Gesellschaft hervorhoben und keine wirklich tiefgreifende Veränderung im Verhältnis von Staat und Religion forderten – jedenfalls nicht in Deutschland.


Eröffnung und Schlussworte von Irmgard Schwaetzer
Eröffnung und Schlussworte von Irmgard Schwaetzer
Ein Stück – fast schon beruhigende – Normalität. Feuer erhielt die Diskussion eher durch Hinweise aus dem Publikum, die in Deutschland inzwischen zu nennenswerter Größe gekommene Schar der Konfessionslosen, Agnostiker und Atheisten nicht aus dem Auge zu verlieren, eine Gruppe, die mangels organisierter und schlagkräftiger Interessenvertretung gerne außen vor gelassen wird.

 

Publikum im vollbesetzten Saal
Publikum im vollbesetzten Saal
Dass eine solche Normalität global betrachtet eher die Ausnahme ist, zeigte plastisch das Abschlusspanel, in dem Vertreter aus den USA, aus Israel, aus Malaysia und aus Indien berichteten. Jeder für sich konnte durch ausgesprochen engagierte Vorträge beeindrucken, jeder Vortrag zeigte, wie viel konfliktträchtiger das Thema in den jeweiligen Heimatländern ist. Man hätte den Podiumsvertretern gewünscht, etwas von dem entspannten Umgang der Religionen mit dem Staat und untereinander nach Hause mitnehmen zu können, wie er in Deutschland üblich ist.

 

„Vor allem in muslimisch geprägten Ländern befinden sich die Liberalen in der Defensive“, hieß es in der Einladung zur Konferenz. Gäbe es mehr Religionsvertreter vom Schlage und der Überzeugungskraft derer, die die Abschlussdiskussion bestritten, müsste das nicht auf Dauer gelten. Sie benötigen jedoch, und das wurde überdeutlich, jede Unterstützung, die sie bekommen können.

 

Boris Eichler

 

Die komplette Audiodokumentation der Konferenz finden Sie auf der Folgeseite.

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letzte Änderung: 05.12.2008


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