Afrika muss auf eigenen Füssen stehen
40 Jahre staatliche Entwicklungshilfe haben in Afrika kaum positive Ergebnisse gezeitigt. Der Stiftungspartner IREN in Kenia fordert daher in einer neuen Publikation, dass sich Afrika endlich auf seine eigenen Kräfte besinnen und marktwirtschaftlichen Rezepten folgen muss. Rainer Erkens stellt das neue Buch vor. In Mombasa, Kenia trafen sich im Jahre 2003 mit Unterstützung der Friedrich-Naumann-Stiftung auf Einladung des Inter Region Economic Network (IREN) Afrikaexperten, um über die Zukunft des Kontinents zu diskutieren. Während Afrikas Staatsoberhäupter unterstützt von Tony Blair und anderen derzeit lautstark mehr Entwicklungshilfe für Afrika fordern, ging man in Mombasa andere Wege. In schonungsloser Weise zeigten verschiedene Beiträge auf, wer für Afrikas Krise verantwortlich ist: Afrikas Eliten und eine missverstandene Entwicklungshilfe, die beispielsweise im Umweltbereich Afrika vor den Afrikanern schützen will. Für die Referenten gab es schon damals nur eine Lösung: Afrika muss sich auf seine eigenen Kräfte besinnen und dabei auf marktwirtschaftliche Rezepte zurückgreifen.
Jetzt liegen die damaligen Vorträge aktualisiert einer breiten Öffentlichkeit in einer vom Leiter von IREN, James Shikwati herausgegebenen Publikation mit dem provokanten Titel "Reclaiming Africa" vor. Sie machen sichtbar, wo es in Afrika trotz aller Reformrethorik noch hapert. Martin Tupuy kritisert beispielsweise, dass Afrika zwar einerseits zu Recht den Handelsprotektionismus der Ersten Welt attackiert, anderseits aber selbst die weltweit höchsten Zölle erhebt und damit den innerafrikanischen Handel blockiert. James Kathuri zeigt am Beispiel der Blumenindustrie in Kenia, dass es in Afrika sehr wohl ein international erfolgreiches Unternehmertum gibt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und Laurence Reed fügt "Seven Principles of Sound Public Policy" an, die allen Entwicklungspolitikern alter Schule in die Bücher geschrieben werden sollten. Erwähnt sei hier nur das Prinzip Nr. 3: "Nobody spends somebody else's money as carefully as he spents his own." Afrika ist dafür das beste Beispiel, zeitigt doch seit vier Jahrzehnten der Tansfer von Steuergeldern aus dem Norden nach Afrika kaum irgendwo positive Ergebnisse, weil er geradezu zur Verschwendung einlädt.
Etwas schwierig wird das Buch allerdings für Liberale dann, wenn zu sehr afrikanistische Aspekte das Bild bestimmen. Der renommierte, heute in Washington lebende George B.N. Ayittey geißelt etwa den Zynismus afrikanischer Eliten und kontrastiert ihn mit einem edlen, hart arbeitenden Farmer und traditionellen Werten verpflichteten Familienvater, der auf Grund der Haltung der korrupten Politiker kaum eine Chance hat. Solche Beiträge wirken in ihrer Schwarz-Weiss-Zeichnung nicht nur leicht sentimental, sondern sie versäumen es auch, die wichtigste Frage zu stellen: warum sind Afrikas Eliten so wie sie sind? Man wird ja wohl kaum davon ausgehen können, dass Afrikas Politiker per se, sozusagen von Natur aus anders sind als die poltiisch Verantwortlichen sonstwo in der Welt. Eine der Antworten liegt bei der Entwicklungshilfe, die seit vielen Jahrzehnten die falschen Anreize setzt. Sie hat die Erwartung geschaffen, dass Entwcklung von außen importiert und bezahlt werden muss und dass man sich in Afrika den mühsamen Weg ersparen kann, die lokalen Produktivkräfte zu entwickeln und vor Ort die Rahmenbedingungen zu schaffen, die wirtschaftliche Dynamik freisetzen. Wie das gehen kann, verdeutlichen heute ja China und Inden.
Bei aller Notwendigkeit, dass Afrika sich auf die eigenen Kräfte besinnt, darf man also nicht in einen überholten Afrikanismus verfallen. Glücklicherweise bekennen sich die meisten Autoren des vorliegenden Buches zur Globalisierung. "Reclaiming Africa" bietet jedenfalls eine interessante Lektüre und einen Gegenpol zu den gängigen Afrikapublikationen, die entweder für den Kontinent nur noch eine "Totenklage" anstimmen oder alle Afrikaner zu Hilfsbedürftigen erklären, die nur durch noch mehr Entwickungshilfe gerettet werden können.
Die Publikation kann online über folgende Adresse erworben werden: http://www.lfb.com/index/php
Rainer Erkens
Liberales Institut
Friedrich-Naumann-Stiftung





