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Afrika: Freihandel und Wirtschaftsintegration fördern

Seth Quao, Ghana; James Shikwati, Kenia; Raenette Taljaard,  Südafrika; Frans Cronjé, Südafrika vor dem Sitz der Europäischen Kommission
Seth Quao, Ghana; James Shikwati, Kenia; Raenette Taljaard, Südafrika; Frans Cronjé, Südafrika vor dem Sitz der Europäischen Kommission
Afrika nimmt am Welthandel nur am Rande teil. Woran liegt das und wie lässt sich das ändern? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, haben Ende September 2006 vier Delegierte aus Ghana, Kenia und Südafrika an einer Studienreise nach Brüssel teilgenommen, um sich mit Vertretern der Welthandelsorganisation (WTO), der Europäischen Union, der European Free Trade Association (EFTA) sowie anderen Wirtschaftsverbänden zu treffen. Ziel der Treffen war es, zu erörtern, welche Folgen das Scheitern der Doha-Verhandlungsrunde auf den Multilateralismus im internationalen Handel haben könnte und festzustellen, inwiefern die Europäische Union als Vorbild für die regionale Wirtschaftsintegration dienen kann – sei es im guten oder im schlechten Sinne.

Die Studienreise wurde vom Dialogprogramm Brüssel (DPB) der Friedrich-Naumann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro der Stiftung in Johannesburg, Südafrika organisiert. Alle Teilnehmer interessieren sich besonders für Wirtschaftsfragen und verfügen auf diesem Gebiet über besondere Kenntnisse, sei es aus ihrer Arbeit in Forschungsinstituten und Unternehmen oder in Wirtschaftsverbänden.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen für die Teilnehmer zählte, dass die regionale Wirtschaftsintegration empirisch nachweisbare wirtschaftliche Vorteile bringt, die nicht auf dem Ausschluss extraregionaler Handelspartner beruhen, sondern auf der Steigerung des Handels innerhalb des Wirtschaftsverbundes. Dieses Argument wird in der öffentlichen Debatte vieler afrikanischer Länder oft zu wenig berücksichtigt, die sich vielmehr darauf konzentriert, dass die Marktöffnung eine Bedrohung für einheimische Produzenten darstellen kann. Insofern ist es wichtig, den Befürwortern der Integration Argumente an die Hand zu geben, mit der sie diese fördern können; insbesondere, da die Steigerung des Handels zu wirtschaftlichem Wachstum führen und damit einen Beitrag zur Verringerung der Armut leisten kann.

Was den Prozess der europäischen Integration betrifft, so war es wichtig zu erfahren, dass dieser im historischen Rückblick bei Weitem nicht so gleichmäßig und harmonisch vollzogen wurde, wie es für Außenstehende den Anschein hat. Vielmehr gab es zahlreiche Unterbrechungen, Zielverschiebungen und Wechsel. Insgesamt hat es den Anschein, dass im europäischen Integrationsprozess die Wirtschaft den Vorreiter spielte, während die Politik oft etwas nachhinkte. Bei den afrikanischen Integrationsprozessen, von denen keiner annähernd so weit vorangeschritten ist wie der europäische, scheint es umgekehrt zu sein; hieraus lässt sich die Hypothese ableiten, dass die Wirtschaft in den afrikanischen Ländern eine aktivere Rolle spielen sollte, wenn sie die regionale Wirtschaftsintegration fördern möchte.

Das Scheitern der Doha-Verhandlungsrunde wurde von den Teilnehmern und eingeladenen Gästen bedauert, bedeutet es doch, dass die Verhandlungen zwischen Staaten in Wirtschaftsfragen in Zukunft vermehrt auf bilateraler Ebene stattfinden werden, was ein höheres Maß an Komplexität und eine geringere Transparenz für Unternehmer im internationalen Umfeld bedeutet. Zugleich bieten bilaterale Verhandlungen dem wirtschaftlich stärkeren Gesprächspartner mehr Möglichkeiten zur Durchsetzung seiner wirtschaftlichen Interessen als multilaterale Verhandlungen. Im Fall vieler afrikanischer Länder ist die Kompetenz in Fragen des internationalen Handelsrechts auch nicht so groß wie in den Industrienationen, was die bilaterale Verhandlungsführung weiter erschwert. Insgesamt ist deshalb das Scheitern von Doha und die (hoffentlich nur vorübergehende) Krise der WTO ein herber Rückschlag für die Liberalisierung des Welthandels und das damit einhergehende Wirtschaftswachstum, das gerade auch den Entwicklungsländern in ihren Bemühungen um die Bekämpfung der Armut zugute kommt.

Die Teilnehmer an der Studienreise, die allesamt Multiplikatorenrollen in ihren jeweiligen Ländern haben, bewerteten die Veranstaltung und die Qualität der Referenten überaus positiv und nahmen zahlreiche Anregungen für die Beeinflussung der nationalen Wirtschaftspolitik mit.

John Endres
Friedrich-Naumann-Stiftung
Johannesburg
letzte Änderung: 12.09.2008


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