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8. Mai - Tag der Befreiung

Otto Graf Lambsdorff, Peter Gillies (Moderation), Johannes Vogel, Axel Lange (von rechts)
Otto Graf Lambsdorff, Peter Gillies (Moderation), Johannes Vogel, Axel Lange (von rechts)
Was bedeutet das Kriegsende 1945 für die Bundesrepublik? – Zusammenbruch, Neubeginn, Gnadengeschenk…? - Das diskutierten Otto Graf Lambsdorff, der neue JuLi-Bundesvorsitzende Johannes Vogel und Schuldirektor Axel Lange aus Euskirchen im Uni Club Bonn.

Das Ende des 2. Weltkrieges am 8. Mai 1945 war das entscheidende Ereignis für die politische (Welt-)Ordnung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überhaupt und ursächlich für die Gründung der Bundesrepublik. Deshalb ist es ganz selbstverständlich, dass die Debatte über die Bewertung dieses Ereignisses bis heute anhält und zu immer neuen Diskussionen führt, nicht nur bei Historikern. Dr. Jürgen Frölich vom Archiv des Liberalismus gab zunächst eine Einführung in die historische Fachdiskussion. Welche Bedeutung hat der 8. Mai 1945 für unsere Gesellschaft und wie gehen wir damit um? Wahrnehmung und Bewertung der Ereignisse sind individuell und über die Generationen hinweg sehr unterschiedlich. Das machte die anschließende Diskussion schnell deutlich.

Graf Lambsdorff betonte, dass er den 8. Mai 1945 und die unmittelbare Nachkriegszeit zur damaligen Zeit keineswegs positiv empfunden habe. „ Ich habe damals zunächst gar nichts gedacht. Es ging um’s Überleben“ so Lambsdorff. Erst mit den Nürnberger Prozessen boten sich ihm Einblicke in das Nazi-System, die zu einer Neubewertung führten. Man müsse also die unmittelbare Wahrnehmung und das Erleben aus der damaligen Zeit heraus von der rückblickenden Bewertung späterer Jahre und der Gegenwart sauber trennen.

Die beiden anderen Referenten hoben hervor, dass auch für die nachfolgenden Generationen der 2. Weltkrieg und seine Folgen immer noch relevant sind. Jedoch sei das Kriegsende vor allem eine Befreiung gewesen, die eine demokratische Entwicklung erst ermöglichte und Organisationen wie die UNO hervorbrachte. Lambsdorff kritisierte allerdings, dass die UNO ihrer Aufgabe in vielen Fällen wie in Burundi, Ruanda oder dem Sudan nicht gerecht wird.

Die Bundesrepublik - so Lambsdorff - kann selbstbewusst auf die Aufbauleistung nach dem Krieg zurück blicken. Damit ist aber auch die Verantwortung verbunden, sich national und international für die Wahrung der Bürgerrechte einzusetzen. Leider nimmt die Bundesrepublik die Verantwortung, die sich aus ihren politischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten ergibt, nicht genügend wahr, kritisierte er, „Das wird die internationale Gemeinschaft nicht mehr lange so hinnehmen.“

Birgit Lamm
Theodor-Heuss-Akademie

Der 8. Mai in der Historiographie
Vortrag von Dr. Jürgen Frölich
letzte Änderung: 12.09.2008


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