60 Jahre liberaler Neubeginn

Die Ehrenvorsitzenden der FDP, Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher „Was uns eint, das ist die liberale Weltanschauung“ heißt es im Gründungsaufruf der LDP in Berlin vom 5. Juli 1945. Schon zweieinhalb Wochen vor der Veröffentlichung dieses Aufrufs traf sich am 16. Juni 1945 ein Kreis um Wilhelm Külz und Eugen Schiffer, um die Wiedergeburt des organisierten Liberalismus in Deutschland nach der politischen und moralischen Katastrophe des Naziregimes in die Wege zu leiten. Anlass genug für die Friedrich-Naumann-Stiftung, dieses Jubiläums zusammen mit 350 Gästen, zu denen auch die Vorsitzende der CDU und CDU/CSU-Fraktion Dr. Angela Merkel zählte, zu gedenken. Unter anderem würdigten der Ehernvorsitzende der FDP, Hans-Dietrich Genscher, und der Bundesvorsitzende Dr. Guido Westerwelle, in den Berliner Reinhardtstraßenhöfen das Eintreten der Liberalen der ersten Stunde für ein freies und demokratisches Deutschland.

Dr. h. c. Rolf Berndt Das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung, Dr. h.c. Rolf Berndt, begrüßte in seiner Eröffnung u.a. die Vorsitzende der CDU und CDU/CSU-Fraktion, Dr. Angela Merkel, die Ehrenvorsitzenden der FDP Bundespräsident a.D. Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher, sowie den Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages Hermann Otto Solms. Stellvertretend für viele Liberale der ersten Stunde schloss er in seine Begrüßung Elvira Hamann und Peter Menke-Glückert ein.

Auch Angela Merkel zählte zu den Gästen Das Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung, Dr. Günter Kröber, erinnerte in seiner persönlichen Sicht an die Schwierigkeiten des liberalen Neuaufbaus insbesondre in Sachsen, er schilderte die Probleme mit der sowjetischen Besatzungsmacht und die Auseinandersetzungen der Hochschulgruppe der LDP mit dieser. Nicht zuletzt würdigte er auch die konsequente Haltung des liberalen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt Erhard Hübener.

Cornelia Pieper Die stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Cornelia Pieper, die als Landesvorsitzende der sachsen-anhaltinischen Liberalen und in ihrer Zeit als Generalsekretärin der FDP maßgeblich zum Wiedererstarken der FDP in den neuen Bundesländern beigetragen hat, verwies in ihrem Grußwort darauf, dass nach der Niederschlagung der Hitlerdiktatur 1945 die Menschen den Wiederaufbau Deutschlands in Angriff nahmen. Auch heute gelte es nach der Vereinigung Deutschlands die Zukunft zu gestalten und sie hoffe, dass die FDP in Zukunft mehr Gelegenheit dazu haben werde. Sie zitierte Hans-Dietrich Genscher: „Nichts wird so sein, wie es vorher einmal war, weder in Ost noch in West“ – und dieser letzte Halbsatz, so Frau Pieper, würde häufig vergessen.
Westerwelle würdigte in seiner Rede die Aufbauleistung der Liberalen in der Nachkriegszeit und nahm auf Thomas Dehler Bezug, in dem er feststellte, die Liberalen seien keine Partei einer Klasse, eines Standes, einer Religion oder Einkommensschicht, die FDP sei eine Partei für alle, für das ganze Volk. Liberale Politik ist gut für das ganze Land, weil Freiheit für Liberale immer mit Verantwortung verbunden sei, Verantwortung für sich selbst und Verantwortung für andere. Es gehe darum verantwortlich dafür einzutreten, dass den Menschen in Deutschland die Freiheit gegeben werde für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten. Wohlstand für alle sei das Ziel. Die Freiheit in Deutschland war häufig bedroht, heute liegt die Bedrohung der Freiheit in der Arbeitslosigkeit, dieser Bedrohung könne nur begegnet werden, wenn die Leistungsfähigkeit des Einzelnen wieder Vorrang erreiche, wenn nicht „Schuldige“ wie Globalisierung, Europa und Deutsche Einheit gesucht würden, sondern die Rahmenbedingungen für verantwortliches Wirtschaften geschaffen werden, es gehe darum, unser Land wieder besser aufzustellen. Und die Liberalen seien gut aufgestellt, Verantwortung in einer Regierung zu übernehmen, damit wieder das Erwirtschaften und nicht das Verteilen im Vordergrund stehe.
Dr. Guido Westerwelle Der Herausgeber des Tagesspiegel, Dr. Hermann Rudolph, ging in seinem Beitrag noch einmal auf die Schwierigkeiten der Parteigründungen nach der Befreiung von der Nazidiktatur ein. Das Zusammenkommen des Gründungskreises der Liberalen sei neben den persönlichen und politischen Bindungen aus der Weimarer Republik auch den Zufälligkeiten der Wohnorte und Verkehrsverbindungen geschuldet. Zwar hätten die Sowjets als erste die Gründung von Parteien ermöglicht, diese Freiheiten aber schon nach kurzer Zeit durch Zwangsvereinigungen und Blockbildungen wieder eingeschränkt. Rudolph bedauerte das Fehlen einer Gedenktafel am noch stehenden Haus in der Bayrischen Straße im Wilmersdorf, in dem sich der Gründerkreis der LDP traf.
Zum Schluss ergriff der Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher das Wort, auch er zitierte Thomas Dehler, wonach der Liberalismus die umfassendste Form des Widerstandes gegen jegliche Form des Totalitarismus sei. Freiheit und Verantwortung sind zwei Seiten einer Medaille, man müsse die Menschen frei machen, damit sie Verantwortung für sich und die anderen übernehmen können. Die Liberalen trügen die große Verantwortung dafür, dass es in Deutschland zu einem Neuanfang komme.
Wolfgang Schweiger
Büro Berlin Brandenburg





