Freiheit zur Verantwortung
60 Jahre liberaler Neubeginn in Bremen
„Es gibt keinen anstrengungslosen Erfolg!“ An diese so einfache wie gerne vergessene Erfahrung erinnerte der Bundesvorsitzende der FDP, Dr. Guido Westerwelle, in einer Feierstunde in Bremen. Der stellvertretende Vorsitzende der Liberalen Gesellschaft, Horst-Jürgen Lahmann, hatte zunächst die über 300 Gäste begrüßt und dabei die Verdienste der Liberalen in Bremen hervorgehoben. Es ginge nun darum, die Fackel des Liberalismus neu zu entfachen und weiter zu tragen.
Dr. Magnus Buhlert In einem Grußwort erinnerte der stellvertretende Landesvorsitzende, Dr. Magnus Buhlert, an die lange Tradition aus Freiheit und Verantwortung und versprach den Bürgerinnen und Bürgern Bremens für die Zukunft eine wirklich liberale Politik. Prof. Karl Holl sprach in seinem Vortrag von den zentralen Politikfeldern im Lande Bremen, die von Anfang an und über mehrere Legislaturperioden hinweg eindeutige Domänen der FDP gewesen seien: die Verfassungs- und Rechtspolitik mit dem überragenden Theodor Spitta, die Finanzpolitik unter den Senatoren Wilhelm Nolting-Hauff, Johann Dietrich Noltenius und Rolf Speckmann sowie schließlich das Ressort für Häfen, Schifffahrt und Verkehr mit den erfolgreichen Hermann Apelt und Georg Bortscheller.

Prof. Karl Holl Allerdings, so Holl weiter, befand sich unter den von der FDP angestrebten Senatsressorts nie das Ressort für Bildung bzw. Bildung und Wissenschaft. Um dieses Ressort hätte die FDP lange vor dem Ende der damaligen sozialliberalen Koalition kämpfen können. Sie habe aber darauf verzichtet. Dieses „Versäumnis“, so Holl weiter, habe dazu geführt, dass zum Zeitpunkt der damaligen – heftig umstrittenen – Universitätsgründung, die ja als „Reformuniversität“ in die Geschichte eingehen sollte, die FDP in Bremen „völlig ohne wissenschaftspolitische Erfahrung“ dagestanden habe. Und so fand in der seinerzeitigen, von Ratlosigkeit und Panik gekennzeichneten Situation – konkreter Anlass war die Berufung eines umstrittenen linken Berliner Sozialwissenschaftlers -, die sozialliberale Koalition ihr vorzeitiges Ende.
Im Vorfeld der Wahl zur Bürgerschaft im Oktober 1971 stand dann die Universität als zentrales Wahlkampfthema im Mittelpunkt. Sie bescherte der SPD die absolute Mehrheit, der FDP mit 7,1 Prozent ein Debakel. Innerhalb der Partei, so Holl, habe diese Niederlage allerdings in der Folgezeit einen Modernisierungsschub ausgelöst. Ängste vor einer sozialen Revolution unter Anleitung und Federführung der neu gegründeten „Roten Kaderschmiede“ erwiesen sich freilich als weithin unbegründet. Vom Schreibtisch- und Seminarmarxismus, so Holl ironisch, mochte kein revolutionärer Funke in die Bremer Arbeiterviertel überspringen: „Zu guter Letzt sorgte die raue Wirklichkeit dafür, dass Illusionen, von dieser Universität könnten Signale zur Überwindung des kapitalistischen Systems ausgehen, zerstoben.“





